Jülich: Traditionsverein bringt Stadion auf Vordermann

Jülich: Traditionsverein bringt Stadion auf Vordermann

Die Vergangenheit zählt nichts, wenn die Gegenwart nicht so gestaltet wird, dass sie eine Zukunft hat. Am Beispiel SC Jülich 1910 lässt sich der Lehrsatz nachvollziehen. Zumindest bis in die Gegenwart - und mit allen Höhe und Tiefen, die zwischen den Gründungstagen und denen ihres etwas verspäteten Jubeltages liegen.

Drei goldenen Jahre Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts stand eine Zeit des Niedergangs, finanziell wie sportlich entgegen, die bis in das Heute reicht. Das Finanzielle ist geklärt. Im Sommer wurde mit dem Ende der Insolvenz die Nulllinie gezogen. Das Sportliche ist die Aufgabe der Zukunft. Wenn man in der Kreisliga C spielt, gibt es nur die Alternative: Nach oben, und zwar so bald und so weit wie möglich - oder Kapitulation und Abtritt von der Bühne.

Die „Zehner” haben ihre Wahl getroffen. Sie blicken nach oben. Sie krempeln die Ärmel hoch. Das darf man wörtlich nehmen. Und sie legen dort Hand an, wo die Beine regieren. Im Karl-Knipprath-Stadion (KKS) wird das Werkzeugarsenal entstaubt. Die ehrwürdige Sportstätte soll wieder fit gemacht werden.

„Man hat uns vorgehalten: ?Ihr habt zu wenig Eigenleistung.”, sagt Vereinsboss Michael Lingnau. Aber auf den Dörfern hätten Vereine es von Hause aus leichter als die in der Stadt, Ehrenamtler und Helfer zu finden. Welldorf sei so ein Beispiel. Das Karl-Knipprath-Stadion sei zwar städtisch, „aber nach der Insolvenz ist das unser Wohnzimmer”. Früher hat man dazu „Gute Stube” gesagt. Um den Titel zu verdienen, muss im KKS allerdings mehr als eine Hand angelegt werden. Zwei bringt Wolfgang Mittag ein. Der gelernte Sportkaufmann und Geschäftsführer des SCJ hängt sich, wie man in Fußballerkreisen sagt, voll rein. Er widmet seine ganze Kraft der Aufgabe, aus dem Stadion wieder ein Aushängeschild zu machen.

Werbepartner im Boot

Spätestens am 9. Oktober sollen Hunderte, vielleicht Tausende die ersten Früchte dieser Arbeit sehen. „Die Jülicher sollen merken: Es tut sich was im Verein”, sagt Mittag. Die Tribüne, an der der Niedergang und die Vernachlässigung über Jahre hinweg sichtbare Spuren hinterlassen haben, soll sich bis zum 9. Oktober, dem Tag des Freundschaftsspiels gegen den Fußballerstligisten Fortuna Düsseldorf, quasi in einem neuen Trikot präsentieren. Hinter den Sitzreihen werden die grauenWellblechwände völlig verkleidet.

Rund 110 laufende Meter verschwinden hinter 2,40 Meter hohen Werbeträgern. Gleiches wird mit der Stirn des Tribünendachs geschehen. Auch dort werden fast hüfthohe meterlange Werbeplatten die Tristesse bedecken. Interessant sind die Werbenden. Der Stirnstreifen gehört in voller Länge der Stadtwerke Jülich GmbH. Der energetische Arm der Herzogstadt will dem Aufschwung der „Zehner” Kraft verleihen. Mit ins Boot gestiegen ist der wirtschaftliche Riese aus dem Stetternicher Forst und Nachbar des Forschungszentrums, die Enrichment Technology Ltd. Niederlassung Deutschland.

Das Unternehmen, das ehemals Uranit hieß, hat wie berichtet mit den „Zehnern” einen Dreijahresvertrag zur Unterstützung der Nachwuchsarbeit geschlossen. „Mit diesen beiden und dem Autohaus Bataille haben wir einen Pool, zum dem noch die Sparkasse Düren hinzu kommt, zur Tribünensanierung”, zählt Mittag die großen Namen auf, hinter denen sich auch schon nicht ganz so namhafte, aber nicht weniger engagierte Sponsoren formieren. Mittag gibt sich optimistisch: „Ich werde noch einiges an Land ziehen, damit wir das Stadion in einen guten Zustand versetzen.”

Konzept für Stadt

Und doch: Wunder vermag das halbe Dutzend engagierter Helfer um Mittag nicht zu vollbringen. Der Sanierungsfall Karl-Knipprath-Stadion wird nicht in einigen Wochen überholt sein.

Die Arbeit wird zudem nicht gänzlich in Eigenleistung erledigt werden können. „Wir sind uns bewusst, dass die Stadt mehr Farbe bekennen kann, wenn wir uns positionieren”, baut Lingnau Brücken. Mittag hat über diesen Punkt hinaus gedacht. „Wir haben der Stadt ein Konzept vorgelegt über unsere Aktivtäten”, erzählt er. Inhalt dieses Konzepts ist eine Form der Pflege und Betreuung des Stadions mit einer dauerhaften und festangestellten Kraft.

Die Überlegung „mit wenig finanziellem Einsatz eine nachhaltige Leistung” zu erhalten, sei von Amtsleiterin Katarina Esser positiv aufgenommen worden, gibt Mittag seinen Eindruck wieder. Die Umsetzung dieses Konzepts liegt sicherlich noch etwas weiter in der Zukunft als das mit so viel Spannung erwartete Fortuna-Spiel.