Viele Aussteller beim Korneliusmarkt in Rödingen

Viele Angebote : Korneliusmarkt in Rödingen – seit 530 Jahren

„In der heutigen Zeit gibt es nichts Wichtigeres als Vogelhäuschen, weil es keine Insekten mehr gibt“. Das sagte Korbmacher Heinz Hendrix, einer der letzten seiner Art, der sich und sein Handwerk erstmals beim Korneliusmarkt in Rödingen präsentierte – bei der 530. Auflage.

In seinem kleinen Heimatdorf Menrath waren laut Hendrix früher fünf Schwalbennester pro Saison zu finden. Übrig blieb nur ein Nest, in dem die Jungvögel aus Mangel an Insekten verhungerten, und darum kein zweites Mal Eier legten. Acht Stunden Arbeit steckt der Korbmacher in ein Vogelnest, das er mit sechs senkrechten Weidenrouten beginnt und es dann ausflechtet. Weil die Weiden, die er im Übrigen im holländischen Leerdam kauft, vier Wochen im Wasser liegen müssen, kann Hendrix den meisten der laufenden Anfragen gar nicht nachkommen.

Damit spannte der Korbflechter thematisch den Bogen vom Viehmarktcharakter des Korneliusmarktes vor mehr als 500 Jahren bis zum heute notwendigen Artenschutz. Der zweite Rödinger Newcomer unter den 54 Ausstellern war die mobile Saftpresse aus Kreuzau, die wie eine Großkelterei funktioniert, mit ihrem Werbespruch: „Isst du noch oder trinkst du schon?“

Die Sonne strahlte vom Himmel „im schönsten Ort der Gemeinde Titz“, wie Organisator Wilhelm Hintzen es in seiner Ansprache ausdrückte. Mit den Worten „Kinder sind unsere Zukunft“ begrüßte er die Kindergartenkinder, die auf der überdachten Bühne vor dem Korneliuskapellchen ein gestenreich präsentiertes Lied „zum Fest“ vorstellten, gefolgt von zwei schwungvollen Tänzen. Dafür verdienten sie je zwei Freifahrten auf dem Karussell des Rödinger Schaustellers Hans-Bert Cremer. Kreativ gab sich Bürgermeister Jürgen Frantzen, als er Mineralwasserfan Hintzen als Mitbringsel eine Flasche „Höllen“-Sprudel aus Ostdeutschland überreichte.

Er lobte den Mut der Aussteller, „mitten in der Woche“ zum Korneliusmarkt in Rödingen zu kommen und hob darunter besonders die ortseigenen Vereine und ihr „bestes ehrenamtliches Engagement“ hervor. Auch Hintzen betonte diesen Aspekt: „Das ist hier keine Einzelleistung. Sie sind alle dabei, wenn es heißt, hier Korneliusmarkt zu feiern. Besten Dank dafür“.

Traditionell erwies sich der Markt als gelungener Mix gewerblicher und privater Anbieter mit einer breiten Palette, die von „Klangharmonien“ über „Anno dazumal“ bis hin in die Traktoren- und Landmaschinenmeile im Klasend führte. Hier erfüllte sich so mancher Männertraum, noch einmal den alten Deutz-Trecker aus 1951 mit 15 PS oder den Deutz mit dem Spitznamen „50er“ aus 1959 zu sehen, der als „Schlepper mit größter Leistung und allem Komfort für den fortschrittlichen, anspruchsvollen Landwirt“ galt.

(ptj)
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