Galerie „Alte Weberei“: Sieben Akzente in einer Ausstellung

Galerie „Alte Weberei“ : Sieben Akzente in einer Ausstellung

Hobbyfotografen präsentieren ihre Werke in der „Alten Weberei“ in Rödingen. Das Spektrum reicht vVon Industriefotografie über Selbstportraits bis hin zu abstraktem Bidlern und Grafiken.

„Wenn man im Amateurbereich fotografiert, stellt sich immer die Frage, wie zeigt man seine Bilder.“ Mit diesen Worten führte Hans Peter Bochem in die Vernissage zur Gemeinschaftsausstellung in der Galerie „Alte Weberei“ in Rödingen ein. Die Schau unter der Überschrift „7 x Akzente“ zählt nicht zur traditionellen Ausstellungsreihe der Galeristin Brigitte Habig mit externen Künstlern.

Sie stellte indes den Hobbyfotografen gerne ihr ansprechendes Ensemble aus weiß gekalkten ehemaligen Stallungen und einer Kegelbahn inklusive Außenbereich zur Präsentation zur Verfügung. Somit bot sich den zahlreichen Besuchern eine große Bandbreite, von Industriefotos reduzierter Farbgebung über einen Bilderrausch aus der Vogelperspektive, klaren architektonischen Strukturen und verwunschenen Blumenbildern bis hin zu „Martins Monsterkabinett“. Günther Kròl aus Körrenzig zeigt etwa eine spärlich kolorierte Serie stillgelegter Industrieanlagen. Beispiele sind alte Hochöfen, eine verlassene Heringsfabrik in Island mit eigenartigem Zauber und die historische Ringofenanlage in der Glashütte in Düren, die exemplarisch für die Industriekultur des ausgehenden 19. und 20. Jahrhunderts steht. „Das macht viel Spaß. Für mich ist das eine Herausforderung“, kommentierte Kròl seine Werke.

Hans Peter Bochem ist die „Entstehung seiner Bilder wichtiger als das Objekt“. Der Jülicher präsentiert etwa die Gletscher Neuseelands oder die Dolomiten, aus einem Flugzeug aufgenommen, in der Farbgebung „so realistisch, wie ich sie sehe, wenn sie unter mir durchziehen. Wie Dünen in der Sahara, aber aus Schnee“, begeisterte er sich. Martin Marquardt aus Jülich warnte die Besucher vorab augenzwinkernd, „keine kleinen Kinder in den Keller mitzunehmen“, wegen der traumatischen Eindrücke seiner Bilder.

Damit erzeugte er Neugier auf seine in sattem Gelb angestrahlten, verzerrten Selbstporträts mit ungewöhnlichem Reiz, die paarweise präsentiert im Keller der Scheune den Betrachter verblüffen. Als besonders interessant erwiesen sich die Ausstellungen der Ehepaare Herbel und Flaskamp mit gemeinsamer künstlerischer Basis, aber individueller Prägung. Bei Marion und Jürgen Herbel aus Erkelenz gehen die Ausarbeitungen „bei beiden ein bisschen ins Malerische“, wie die Fotografin es ausdrückte. Mit Macroobjektiv und über die Blendeneinstellung lässt sie etwa verwunschene Blumenbilder, aber auch verträumt wirkende Eindrücke an „lost places“ entstehen. Sie muten realistischer an als die ihres Mannes, der gerne mehrere übereinandergelegte Aufnahmen in verträumter Tiefe wirken lässt.

Ein Beispiel ist ein Aquarell als Basis, darüber sind das Foto einer jungen Frau und ein Schmetterlingsmotiv gelegt.

Dorothea Flaskamp aus Linnich, die mit ihrem Mann Klaus in der Kegelbahn ausstellt, zeigt gerne „noch minimalistischere Aufnahmen als ihr Mann“, etwa drei weiße Steckdosen auf einer strukturarmen weißen Wand. Beide Künstler lieben die Grafik. „Konturen und Strukturen sind so unser Ding“, wie Klaus Flaskamp es formulierte. Sie lichten gerne moderne Architektur ab und „stromern schon mal an verlassenen Orten“. Bei beiden „entstehen die meisten Fotos im Vorübergehen“.

So entwickeln sich auch untypische Motive wie zwei total von Rost gespaltene und zerfressene Pfeiler, die viele Betrachter fälschlicherweise für Bäume halten.

Die Ausstellung „7 x Akzente“ ist noch am nächsten Wochenende, 17. und 18. August zu sehen, am Samstag von 14 bis 18 Uhr, am Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

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