Von Glasfusing bis zu skurrilen Texten: Kunstausstellung in der Galerie Alte Weberei Rödingen

Von Glasfusing bis zu skurrilen Texten : Kunstausstellung in der Galerie Alte Weberei Rödingen

Die Galerie Alte Weberei Rödingen lädt ein zur Kunstausstellung, die am 29. Juni um 15 Uhr beginnt. Anne Blass, Alsdorf, studierte Objektdesign an der FH Aachen. Schwerpunkt ihrer Arbeiten ist das Glasfusing, eine Schmelztechnik, bei der Glas im Ofen fließt, Scheiben sich miteinander verbinden, ineinander fließen, sich verformen.

Diese neu entstandenen Gläser befinden sich auf altem Holz, rostigem Metall, alten Stoffen oder Tapeten – auf Fundstücken, die ihrem ursprünglichen Gebrauchs- und Daseinszweck entzogen sind, aber dessen Spuren tragen. In den „gläsernen Bildern“ verbinden sich Neu und Alt, Werden und Vergehen.

Elisabth Busch-Holischke, Jüchen, studierte an der FH Krefeld Keramikdesign. Seit vielen Jahren schneidert sie mit Nadel und Faden und aus alten Stoffen Erinnerungen. In dieser Ausstellung zeigt sie weiße, spitzenbesetzte Nachtkleider aus einem vergangenen Jahrhundert, damals ebenso praktisches wie unerlässliches Utensil, um den Körper nachts zu verhüllen. Sie präsentiert das schamhaft Versteckte offen den Blicken der Öffentlichkeit, kehrt das Innere nach außen. Ihre neuesten Arbeiten, „Menschenbilder“ sind „Porträtbüsten“, auch sie aus einem anderen Jahrhundert, hier aber nicht aus Metall oder Stein, nicht heroisch, sondern aus Stoff und Watte, Bilder von wirklichen Menschen.

Dieter Krüll, Düsseldorf, studierte Freie Grafik an der Folkwangschule in Essen. Er schreibt und illustriert. In skurrilen Texten, die mit den Bildinhalten korrespondieren, gibt Krüll oft kryptische Kommentare ab. Bunt, schräg, schrill und voller fantastischer Assoziationen sind seine Papierarbeiten. Seine Computerdrucke entführen in eine bizarre Welt. Unübersehbar sind die Einflüsse: Man findet Comic-Elemente, Anleihen an japanische Mangas, an die Dadaisten, an Morgenstern und Ringelnatz. Krüll setzt den Computer nicht ein, um neue Ideen, fantastische Bilderwelten zu entwickeln, er benutzt ihn „als Handwerkszeug“, um sich die Arbeit zu erleichtern, zum Beispiel um Flächen zu kolorieren, gezeichnet wird weiterhin per Hand.

Ludwig Maria Vongries, Havixbeck, baut Skulpturen aus Stahl und Holz. Gegen die geometrische Strenge der geschmiedeten und gewalzten Stahlplatten mit ihren glatten Flächen setzt er die organischen Formen unbehandelten, roh gespaltenen Holzes. Das Holz zeigt seine Strukturen: Maserung, Spaltungsrauigkeit, die Sägefläche, die Spuren der Geschichte einer natürlich gewachsenen Materie. Skulpturen schaffen Räume, sind nur dreidimensional wirklich erfahrbar. Daher gilt das Interesse des Künstlers großen, bis zu fünf Meter hohen Objekten, die er vollständig im Kopf entwickelt, bevor sie im Maßstab 1:10 als Modell Gestalt annehmen und präsentiert werden. Die abstrakten Skulpturen wirken durch Nähe und Abstand, durch Natur und Nichtnatur, durch Gegensatzpaare, die im Kopf zu Erinnerungen oder neuen Bildern führen.

Die Ausstellung in Titz-Rödingen, Agricolastraße 12, ist geöffnet am 29. und 30 Juni und am 6. und 7. Juli jeweils von 15 Uhr bis 19 Uhr.

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