Deutsche Umwelthilfe fordert Böllerverbot in Jackerath und Niederzier

Gegen den Feinstaub : Umwelthilfe fordert Böllerverbot auch in Jackerath und Niederzier

Um Feinstaubbelastung zu verringern, hat die Deutsche Umwelthilfe bei 98 Städten ein Verbot von privatem Silvesterfeuerwerk beantragt. Neben vielen Großstädten stehen auch Jackerath und Niederzier auf ihrer Liste. Ist das das Aus für die Silvester-Böller?

Drei, zwei eins, frohes Neues! Die Korken knallen, die Böller fliegen und wieder ist ein Jahr geschafft. Nach diesem Prinzip feiern nicht nur die Deutschen schon seit geraumer Zeit Silvester. Eine Tradition steht jetzt allerdings unter Beschuss. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert besonders feinstaubbelastete Kommunen auf, privates Feuerwerk zum Jahreswechsel zu verbieten. Unter den 98 Städten auf der Liste der Umwelthilfe stehen auch der Titzer Ortsteil Jackerath und die Gemeinde Niederzier.

Grundlage dafür sind die Werte für Feinstaub, die an lokalen Messstationen ganzjährig aufgezeichnet werden. Gemessen wird die Konzentration von Feinstaub der Partikelgröße PM10, also Staub mit einem Durchmesser von maximal 10 Mikrometern. Laut den Angaben der DUH lag der Jahresdurchschnitt in Jackerath bei 22 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³), in Niederzier bei 25 µg/m³. Damit ist der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Grenzwert von 20 µg/m³ überschritten. Die Kommunen bewegen sich aber durchaus innerhalb der gesetzlichen Vorgaben, die eine doppelt so hohe Feinstaubbelastung im Jahr erlaubt.

Rekordwerte an Silvester

Die Umwelthilfe spricht von Rekordbelastungen an Silvester von bis zu 1000 µg/m³. Tatsächlich zeigen Messungen zum Beispiel in Köln (2018/19: 64 µg/m³) deutliche Überschreitungen des Grenzwertes. Anders sieht das auf dem Land aus: In Jackerath ist die Belastung in der Nacht vom 31. Dezember 2017 auf den ersten Januar 2018 tatsächlich angestiegen, überschritt aber nie einen Wert von 21 µg/m³. In Niederzier sank der Wert zum selben Zeitpunkt sogar. Nur 9 µg/m³ wurden gemessen.

Dass Jackerath und Niederzier aufgrund ihrer tagebaunahen Lage mit einer höhen Feinstaubbelastung zu kämpfen haben, ist nichts Neues. Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser betont: „Wir halten seit Jahren die Grenzwerte ein.“ Dabei spielt der 2013 aufgestellte Luftreinhalteplan keine unwesentliche Rolle. Ein wenig verwundert ist der Bürgermeister über die Nennung seiner Gemeinde in einem Atemzug mit Deutschlands Großstädten und auch den Antrag der Umwelthilfe hätte er lieber an anderer Stelle gesehen. „Das sollte nicht auf die Kommunen abgewälzt werden“, sagt Heuser im Bezug auf das Böllerverbot. „Das ist eine Aufgabe für Landes- oder Bundespolitik.“ Nichtsdestotrotz müssen sich nun Politik und Verwaltung mit der Forderung der DUH beschäftigen. In der Titzer Verwaltung möchte man sich noch nicht äußern, aktuell wird der Antrag geprüft.

In Jackerath denkt man aber bereits über ein mögliches Verbot des Silvesterfeuerwerks nach. „Jackerath ist mit der Lage an Tagebau und Autobahn gleich doppelt betroffen“, sagt Ortsvorsteher Artur Faulhammer, der die Werte der lokalen Messstation verfolgt. „Ich könnte mit einem Verbot leben, aber es würde wohl zu heftigen Diskusionen führen.“ Im Ort gibt es zwar kein offiziell organisiertes Feuerwerk, einige Anwohner verabreden sich aber regelmäßig zur gemeinsamen Neujahrsfeier.

Ein Zeichen setzen

Achim Schößer ist fast 35 Jahre für das gemeinschaftliche Böllern in seiner Nachbarschaft verantwortlich. „Inzwischen ist es nicht mehr so viel wie früher“, erzählt der 53-Jährige. „Damals konnte man wegen all dem Rauch nichts mehr sehen.“ Besonders Raketen schieße er aber noch gerne in die Luft. Trotzdem ist Schößer sich der Feinstaubbelastung bewusst. „Ich halte diese Traditionen gerne aufrecht, aber wenn wir dieses Jahr beschließen würden, nicht zu böllern, würde ich mich anschließen“, sagt Schößer. „Auf diese Weise könnte man ein Zeichen setzten.“ Auch wenn der Verzicht auf die Böller nur ein Tropfen auf den heißen Stein wäre. Ob das Böllerverbot tatsächlich kommt, ist aber bisher noch unklar.