Tina Teubner und Ben Süverkrup im Kulturbahnhof auf

Kabarett im Kulturbahnhof : „Wenn du mich verlässt, komm ich mit“

„Wenn du mich verlässt komm ich mit“, heißt das Kabarett von Tina Teubner, das sie jetzt zusammen mit Ben Süverkrüp im Kulturbahnhof auf die Bühne gebracht hat.

„Man darf sich nicht immer alles gefallen lassen. Man ist auch als Einzelperson wichtig und sollte sich nicht das Recht des Denkens nehmen lassen“, sagte Tina Teubner den Titel ihres Stücks erklärend. Ein Programm das „wachrüttelt, bewegt, unterhält, aber auch trösten soll“, sagte Teubner im Gespräch mit unserer Zeitung. Es geht um die Kuriosität zwischenmenschlicher Beziehungen.

Schon zu Beginn der Vorstellung war das Publikum sofort im Bann der Kabarettistin. Wurde nach einigen flotten Witzen noch herzlich gelacht, wurde es stiller im Saal, als Teubner den Grund zum Trösten beschrieb: „Wir Kabarettisten haben es in dieser Welt wirklich schwer. Wenn sie mal in die Welt gucken, nach Syrien oder Palästina. Das ist doch nicht lustig. Es geht mir so schwer über die Lippen, ich bin doch ein Teil des Systems“, und später weiter: „Wenn es für mich einen sinnvollen Ansatz gibt, für sich selbst sein Leben zu leben, dann ist er für mich, sich selbst zu hinterfragen in diesem Weltzirkus.“

Dieser Wechsel von Unterhaltung und Nachdenklichkeit wiederholte sich immer wieder. So auch beispielsweise beim Thema Kind. „Die erschütternde Diagnose: Die Feinmotorik ist unterentwickelt. Wissen sie, was das bedeutet? Das Kind kann wahrscheinlich nie häkeln.“ Wieder lachte das Publikum auf und unter Dauergekicher weiter: „Sind sie jemals in einem Bewerbungsgespräch gefragt worden, ob sie häkeln können?“

Dann bekamen auch die Politiker ihr Fett weg: „Ursula von der Leyen musste nie in die Frühförderung. Die ist schön häkelnd zu Welt gekommen. Die schoss aus dem Mutterleib wie eine klassische Räumdrohne, um Probleme zu lösen, die es nicht gibt. Nur das Problem war, sie konnte nicht bremsen. Sie ist auf den Steinboden geknallt und das hat diese Störung ausgelöst. Also dieses Dauerlächeln.“

Dann wieder der Wechsel: „Warum können wir nicht einmal zugeben, dass wir Eltern von unsäglichen Ängsten geplagt sind und diese unserem Kind als gut gemeinte Struktur überstülpen. Wie wäre ihr Kind den ideal?“ Stille im Saal. Dann ging Teubner ans Mikrophon und Ben Süverkrüp haute in die Klaviertasten. Ein ironisches Lied zum vorherigen Thema ertönte.

„Boah, die Frau ist genial“, sagte eine Zuschauerin in der zweiten Reihe zu ihrem Partner und stand auf.

(mio)
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