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3 x 11 Jahre CCKG: Tigerschuhe, ein Klo und eine Flasche Wodka

3 x 11 Jahre CCKG : Tigerschuhe, ein Klo und eine Flasche Wodka

Vor 3 x 11 Jahren wurde die „Café Cholera Gesellschaft“ (CCKG) gegründet – und prägt seitdem den Jülicher Karneval mit. Das jecke Jubiläum wurde mit einem alternativen Festkommers begangen. Der war – wie sollte es anders sein – alles andere als konventionell.

„Und das Schönste, und das ist gewiss, ist nun mal der Morgenschiss. Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein, und keiner redet mir da rein“. Das ist ein Auszug aus der „Original-Klorede“ aus 1986 von Uwe Mock, der gemeinsam mit Bürgermeister Axel Fuchs Frontmann der „Café Cholera Gesellschaft“ (CCKG) ist.

In seinem legendären Bademantel saß er mit heruntergelassenen Hosen und Zeitung in der Hand auf dem „Klo“ auf der Bühne des KuBa. Anlass war der alternative Festkommers zum jecken 3 x 11-jährigen Jubiläum der CCKG. Die Behauptung, es handele sich auch um das „Original-Klo von damals“, musste Fuchs später zurücknehmen.

Das Bühnen-WC „stand damals auf dem Sperrmüll“ und wurde bei einer gemeinsamen Sauftour durch Jülich aufgespürt. Nichtsdestotrotz sollte es später meistbietend unter den Gästen versteigert werden. Eine elf-minütige Bildershow leitete den Festkommers ein. Eindrücke daraus waren etwa die erste „Trunksitzung“ 1986 im Bonhoefferhaus, die erste später im KuBa oder Fuchs in seiner Rolle als Papst.

Eines der Gründungsmitglieder, der laut Mock „jedes Jahr für Furore sorgt“, ist Frank Mürkens, von allen nur „Fuss“ genannt. Er sorgte mit seinen „friends“ für Stimmung mit einer Spontanshow aus Finger- und Armgymnastik, Stippeföttje-Danz und Gesang, an der sich die Gäste im vollbesetzten Saal nur allzu gerne beteiligten. Angestimmt wurden etwa Hits wie „Griechischer Wein“ oder „Ruut sin de Ruse“.

Im feierlichen Einmarsch der Prinzengarde mit Totenkopfflagge unter Leitung von Hacky Posaune zog nun das Dreigestirn durch das Publikum auf die Bühne und wurde feierlich/jeck proklamiert: Prinz Andreas I. (Klafki), Bauer André I. (Heinen), Jungfrau Rénée (Réné Behlert), begleitet von Prinzenführer Flori I. (Florian Lehner).

Während ansonsten die CCKG-Frontmänner einen Prinzen bestimmen, der seine Gefährten und sein Gefolge auswählt, hatten Bauer, Jungfrau und Prinzenführer dem Prinzen das Amt anlässlich seines Geburtstages 2018 geschenkt. Das Dreigestirn mit ungewöhnlichen Tigerschuhen an den Füßen präsentierte sich temperamentvoll und ausgelassen. Zum Evergreen „Rote Lippen soll man küssen“ wurde Mock leidenschaftlich von der Jungfrau geküsst.

Nun bot „Hacky Posaune“ öffentliche Einblicke in manch ein Gardegeheimnis. Er präsentierte seine Flinte mit seitlich platziertem Trichter, die er gewöhnlich backstage trägt, und bat drei Rekruten zum Aufnahmeritual auf die Bühne – das Vorjahrestrifolium. Prinz Paschi (Stefan Pasch), Bauer Martin (von Kessel) und Jungfrau Steffi (Stephan Holz) mussten einer nach dem anderen niederknien und den von Hacky Posaune durch seine Flinte kredenzten Gardeschnaps genießen. Alle drei bestanden die Prüfung souverän. „Wer jetzt sagt, denen geht‘s nur ums Saufen, der hat natürlich recht“, unkte Hacky Posaune.

Das Tanzmariechen, das außerordentlich „hart im Nehmen sei“, präsentierte sich mit eingegipster gebrochener Nase. Weitere Mitglieder der Prinzengarde sagen das Lied: „Nach dem Frühstück sind wir besoffen, saufen aus, saufen aus“ nach der Melodie des italienischen Partisanenlieds „Bella Ciao“.

Was unterscheidet die CCKG von anderen Karnevalsvereinen? „Wir siedeln uns im intellektuellen Karneval an – seit heute“ betonte Mock augenzwinkernd, als er erneut aus der Zeitung vorlas, diesmal aus der „FZ“ vom Forschungszentrum. Das Jubiläumsmotto der CCKG lautet im Übrigen „Scheißejal Karneval“.

Nach der Ordensüberreichung durch Fuchs an alle anwesenden Mitglieder aus Karnevalsvereinen stellte man ganz nebenbei fest, dass eine „halbe Flasche Wodka auf der Bühne vergessen wurde“. Einen starken schwungvollen Auftritt legte das geheimnisvoll gekleidete CCKG-Fernsehballett mit zwei Clowns und einem noch geheimnisvolleren Maskenträger auf die Bühne. Abschließend hielt die CCKG-Sitzungskapelle „Les 6 Kölsch 1 Cola“, gefolgt von DJ Buto die gut gelaunten Gäste bis in die frühen Morgenstunde bei Stimmung.

(ptj)