Jülich: Theaterstück „Milchschaumschläger“: Ein Traum entpuppt sich als Irrweg

Jülich: Theaterstück „Milchschaumschläger“: Ein Traum entpuppt sich als Irrweg

Die Jülicher Theaterreihe „Wissen & Weisheit“ hat im Rahmen ihrer Aufführungen etwas Neues ausprobiert. Entgegen der sonstigen Gewohnheit wurde erstmals ein Stück im Kulturbahnhof und nicht in der Stadthalle aufgeführt.

„Da unsere Stadthalle ja bald geschlossen wird, müssen wir uns nach Alternativen umsehen“, erklärt Organisator Christoph Klemens vom Jülicher Kulturbüro. „So sind wir auf das Kuba gekommen — und ich muss sagen, die Atmosphäre hier ist sehr schön“.

Auf dem Programm stand diesmal das Stück „Milchschaumschläger“ von Moritz Netenjakob. Es handelt sich hierbei um den Nachfolger der Bestseller „Macho Man“ und „Der Boss“. Die Hauptperson Daniel und seine türkische Frau Aylin wollen sich einen Traum erfüllen und ein eigenes Café eröffnen. Aber trotz ihres Optimismus bahnen sich bald die ersten Probleme an, denn ihr Plan gält der Realität leider nicht stand.

Der Autor hat in diese Geschichte viele Erlebnisse seines eigenen Lebens einfließen lassen. Die Umsetzung des Stücks wurde vom Aachener „Das Da“-Theater realisiert, und Maren Dupont schrieb hierfür die Bühnenfassung. Die Rolle des Hauptdarstellers Daniel übernahm Tobias Steffen und wurde musikalisch von Pianist Christoph Eisenburger begleitet. Steffen übernahm aber nicht nur eine Rolle, sondern er spielte und sprach sämtliche im Stück vorkommende Personen und untermalte bestimmte Stellen mit zahlreichen musikalischen Klassikern wie Bon Jovis „Its my Life“, Queens „We are the Champions“ oder Survivors „Eye oft he Tiger“.

Die Geschichte beginnt, als Daniel und Aylin erfahren, dass „Muttis“ Restaurant in der Kölner Südstadt schließt. Dies sehen sie als Chance, geben deshalb beide ihre Jobs auf und wollen nun in den Räumen ihr Café eröffnen. Sie bekommen Unterstützung von einem griechischen Koch, und Aylin kann ihren Mann überzeugen, ihre Cousine Sibel als Kellnerin anzustellen. Mit viel Anstrengung erstellen sie eine Speise- und Getränkekarte, um im Anschluss nach der Eröffnung festzustellen, dass die Gäste entweder ganz ausbleiben oder immer etwas haben wollen, was nicht auf der Karte steht.

Probleme gibt es auch mit dem windigen Finanzberater, der später, als es nicht optimal läuft, das Cafe in einer fragwürdigen Sendung im Privatfernsehen vermarkten will. Schon die Feier zur Neueröffnung wird zur Kraftprobe, da Aylins Onkel Abdullah ein absolutes Alkoholverbot durchsetzen will, die Verwandtschaft viel Kitsch schenkt wie zum Beispiel ein ausgestopftes Eichhörnchen, Daniels senile Oma Bertha für viel Chaos sorgt und das Ordnungsamt Strafzettel verteilt wegen der Missachtung des Rauchverbots.

Trotz aller Bemühungen verirrt sich nur selten ein Kunde in das Café. Daniel beginnt vor Langeweile in seinem Online-Blog zu schreiben und hat überraschend mehr Fans, als er denkt. Als er verzweifelt nach einigen Wochen das Ende seines Cafés bekannt gibt, wird der Laden von seinen Followern gestürmt und macht sagenhafte Umsätze.

Doch am Ende realisiert Daniel, dass er kein Gastronom sondern ein Autor ist. Er schließt sein Café endgültig. Zu guter Letzt erfährt er auch noch, dass er bald Vater wird und er nun endlich das gefunden hat, wonach er immer suchte. Die Besucher von „Milchschaumschläger“ im Kuba waren nicht nur begeistert von dem amüsanten Stück, sondern auch beeindruckt von Steffens Fähigkeit, blitzschnell von einer Figur zur anderen zu springen und auch bekannte Persönlichkeiten wie Udo Lindenberg absolut authentisch darzustellen. Für diese Leistung bekamen er und Eisenburger viel Applaus.

(bw)