Jülich: Theaterfestival bietet höllisch gute Unterhaltung

Jülich : Theaterfestival bietet höllisch gute Unterhaltung

Das stimmte einfach alles bei der Theateraufführung des Stückes „Die Hölle - das sind die anderen“, ein Stück für Jugendtheater, das auf Sartres Drama „Die geschlossene Gesellschaft“ basiert. Ton und Sprache der Jugend, ihr Lebensumfeld und Probleme spiegelten sich in Handlung, Sprache und Gestik wider.

32 Mitwirkende erarbeiteten in diesem Schuljahr am Gymnasium Zitadelle unter Leitung von Ugur Ekener die Inszenierung des tiefgründigen Stückes, das auch durchaus heitere Szenerie bot. Die Bühne der Stadthalle wurde zur mystischen Unterwelt, die geschickt mit dämonischen, riesengroßen Masken symbolisiert wurde. Eine Flut von Papierschiffchen, die den Boden bedeckte, sollte später noch eine wichtige Rolle spielen. Der Fantasie blieb es überlassen, sich so in Hölle oder Fegefeuer ein zu denken.

Personifizierte Todsünden

Die Personen der tragenden Rollen trugen in ihrer eigentlich recht alltäglichen Kleidung lediglich markante Details, die ihre Charaktere signifikant beschrieben. Der rotgesichtige Teufel, mit großer Bühnenpräsenz und Ausstrahlung von Felix Krumbach dargestellt, führte den Reigen der Dämonen an. Die Rollen der sieben Todsünden waren perfekt besetzt. Leon Chaviano als Trägheit, Franz Dohr als Völlerei, Mark Hampel als Zorn, Kira Krafft als Neid, Leoni Noé als Hochmut, Ella Samans als Wollust und Jonas Ropohl als Geiz brachten durch Sprache und ausdrucksstarke Gestik die Verwerflichkeit der Sünde und die Macht ihrer Verführungskünste deutlich.

Sie bildeten das Szenario, in dem sich die Verstorbenen einfanden. Außer dem Datum des Todestages war ihnen nicht viel gemeinsam. Zunächst verwundert, ohne große Emotionen, versuchten sie sich in diesem neuen, nicht genau zu definierenden Raum zurechtzufinden. Bald aber schon stellte sich heraus, dass die angepassten Fassaden ihrer Vergangenheit bröckelten. Die Eitelkeiten und Eigenheiten nahmen Oberhand, die Verführung durch die Dämonen der Todsünden war erfolgreich. Wahrheiten, Trugbilder, Illusionen verschmolzen zu einem höllischen Szenario, bei dem die Betroffenen dem Verderben nicht entgehen konnten.

Die Symbolik der Schiffchen, die unsinnige Beschäftigung des Faltens immer neuer Schiffe erinnerte an die Verzweiflung um eine Sinnfindung. Die Personen in der Hölle boten den agierenden Schauspielern ein breites Spektrum der schauspielerischen Entfaltung. Katharina Hertel als Flora, Leon Büttgen als G-Man, Lina Kaldenbach als Model, David Hark als Peter, Lara Fuchs als Susie, Sebastian Collip als Professor, Julia Frank und Tim Reif als Schizophrene entwickelten ihre Rollen konsequent und mit großer Perfektion.

Den besonderen Charme der Aufführung machte aber auch die Lockerheit der jungen Darsteller aus, die trotz der heiteren Szenen, die für heftige Lacher im Publikum sorgten, stets ihre Contenance behielten. Viele Darsteller in den Nebenrollen, das großartige Bühnenbild und die perfekte Technik in Licht und Ton rundeten den Eindruck einer großartigen Theater Aufführung, die den lauten Applaus verdient hatte.

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