Kreis Düren: Telefonseelsorge Düren sucht ehrenamtliche Mitarbeiter

Kreis Düren: Telefonseelsorge Düren sucht ehrenamtliche Mitarbeiter

An ihren allerersten Anruf kann Petra (47) sich noch gut erinnern. „Der Anrufer war psychisch krank. Und hat mich nur angebrüllt. Es war schlimm.“ Das war vor rund sieben Jahren, damals steckte Petra in der Endphase zu ihrer Ausbildung als ehrenamtliche Telefonseelsorgerin. Und hat trotzdem weiter gemacht.

Petra heißt im wirklichen Leben anders, aber Anonymität ist bei der Telefonseelsorge sehr wichtig. „Das machen wir zum Schutz der Leute. Wir wahren die Anonymität von Anrufern, aber auch die Anonymität von Mitarbeitern“, sagt die Leiterin der Telefonseelsorge Düren, Jülich, Heinsberg, Margot Kranz.

Dass Petra bei der Telefonseelsorge arbeitet, wissen nur ihr Mann und ihre beste Freundin. Ihren Eltern hat sie von diesem Ehrenamt nicht erzählt. „Ich denke, dass meine Eltern mir das nicht zutrauen“, sagt sie. „Deswegen habe ich es nicht erzählt.“ Als sie sich entschieden habe, Mitarbeiterin bei der Telefonseelsorge zu werden, seien beruflich und privat ihre Eckdaten geklärt gewesen. „Ich hatte im Kopf, Herz und im Terminkalender noch Kapazitäten frei. Deswegen habe ich mich hier gemeldet.“

Derzeit hat die Telefonseelsorge 58 ehrenamtliche Mitarbeiter, die sicherstellen, dass unter der Telefon0800/ 1110111 an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden täglich jemand zu erreichen ist. In der Regel haben die Mitarbeiter der Telefonseelsorge 40 bis 50 Gespräche jeden Tag zu bewältigen. Margot Kranz: „Unser ältester Mitarbeiter ist 87 Jahre alt, der jüngste 37.“Die Mitarbeiter, so Kranz weiter, bräuchten eine große Belastbarkeit und die Bereitschaft, sich zu öffnen. „Außerdem muss eine gewisse Distanz zu eigenen Krisen da sein.“

Die Sorgen und Probleme der Anrufer sind ganz unterschiedlich. Petra: „Es geht um Partnerschaftsprobleme, Geldsorgen, Schwierigkeiten zwischen Eltern und Kindern, Einsamkeit. „Manchmal rufen auch Menschen an, die keine Struktur mehr in ihrem Alltag haben“, sagt Margot Kranz. „Mit denen unsere Mitarbeiter dann besprechen, was als Nächstes zu tun ist.“ Petra versucht, den Anrufern einen neuen Impuls zu geben. „Mir ist es wichtig, die Blickrichtung der Anrufer zu verändern oder zu erweitern. Aber in erster Linie muss man für die Menschen da sein, sie so annehmen, wie sie sind.“ Sie versuche immer, so Petra weiter, das Gespräch auf Augenhöhe zu führen. Die Nachtdienste sind für die 47-Jährige fordernder als die Arbeit am Tag. „Weil die Gespräche oft länger sind. Nachts haben die Menschen mehr Zeit.“

Petra macht die Arbeit bei der Telefonseelsorge viel Freude, sie genießt besonders die Zusammenarbeit mit den anderen Ehrenamtlern. „Wir sitzen alle im gleichen Boot. Verschiedene Generationen begegnen sich hier wirklich absolut gleichberechtigt. Das habe ich so vorher noch nie erlebt.“ Petra sagt aber auch, dass die Arbeit bei der Telefonseelsorge sie verändert hat. „Ich bin sensibler geworden. Für mich, aber auch für meine Mitmenschen. Und ganz bestimmt bin ich auch ein Stück ernüchterter.“ Und was tut sie heute, wenn ein Anrufer wieder einmal nur brüllt? „Das kommt manchmal vor“, sagt Petra. „Ich finde es wichtig, auch das Anbrüllen erst einmal anzunehmen. Aber natürlich haben wir auch immer die Gelegenheit, ein Gespräch zu beenden.“

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