Pilotprojekt in Jülicher Altenheim: Tandemkonzept gibt Seelsorge neues Gesicht

Pilotprojekt in Jülicher Altenheim : Tandemkonzept gibt Seelsorge neues Gesicht

Das Seniorenzentrum St. Hildegard im Jülicher Heckfeld ist für ein Pilotprojekt des Bistums Aachen ausgewählt worden. Damit soll der Seelsorge ein neues Gesicht geben werden. Es funktioniert nach einem „Tandemkonzept“.

St. Hildegard im Jülicher Heckfeld: Es ist eines von ca. 90 stationären Einrichtungen der Altenhilfe in katholischer Trägerschaft im Bistum Aachen. Wer hier seinen Lebensabend verbringt, ist nicht allein. Gemeinsames Essen, Unterhaltung, Spielen und „Klönen“ mit den Mitbewohnern – alles kein Problem. „Aber es fehlt etwas“, stellt Annette Lenders vom Bischöflichen Generalvikariat Aachen fest. „Es gibt einen Seelsorgebedarf“, führt sie aus, „den die Pastoralteams, die dafür zuständig sind, personell nicht in dem Maße leisten können, wie wir uns das vorstellen.“

Gemeindereferent Ralf Cober aus Jülich ergänzt: „Hier im Jülicher Altenheim ist für Gottesdienste gesorgt.“ Das sei wichtig, weil der christliche Glaube das tragende Element der Seelsorge sei. Aber mit einem Gottesdienst allein sei die Bandbreite seelsorgerischer Arbeit nicht umrissen. Im Gegenteil: Glaubensgespräche, Gespräche bei schwerer Krankheit, Sterbe- und Trauerbegleitung sind wichtige Felder der Seelsorge, die bislang, wenn überhaupt, eher stiefmütterlich behandelt werden konnten.

Genau das soll sich jetzt ändern: Der Caritasverband für das Bistum Aachen und das Bischöfliche Generalvikariat haben ein Pilotprojekt in Mönchengladbach und eben im St. Hildegard-Altenheim Jülich gestartet, das der Seelsorge im Altenheim ein neues Gesicht geben soll. Und zwar mit einem „Tandemkonzept“. Damit sei gemeint, führt Annette Lenders aus, dass Hauptberufliche, vorzugsweise aus dem Sozialdienst der Einrichtung, sowohl mit der Koordination als auch mit der Übernahme von seelsorgerlischen Aufgaben selbst betraut werden.

Die Rückbindung an das Pastoral-Team erfolgt durch die enge Kooperation mit Gemeinde- oder Pastoralreferenten. Für Jülich sind dies Ralf Cober und Heidi Stein, Sozialarbeiterin in St. Hildegard, die sich gemeinsam auf das Tandem-Fahrrad setzen, nicht etwa, um die bisherige Arbeit in der Seelsorge zu ändern, sondern um diese mit weiteren Angeboten zu ergänzen.

Damit das Tandem gut läuft, steht allerdings eine Qualifizierung für diejenigen an, die bislang in seelsorgerische Aufgaben nicht eingebunden sind. Heidi Stein durchläuft deshalb eine berufliche Zusatzqualifizierung, um auch auf Augenhöhe „mitfahren“ zu können. „Kirche muss neue Wege gehen“, sagt dazu Winfried Zeller, Diakon im Caritasverband für die Region Düren-Jülich. Und dieses Pilotprojekt sei ein hervorragender Ansatz, sich seelsorgerisch neu aufzustellen. „Wichtig ist auch,“ ergänzt Annette Lenders, „dass das Projekt fortlaufend ist. Dies bedeutet, dass angedacht ist, die Erfahrungen mit den Tandems als Grundlage zu nehmen, in einem weiteren Schritt ehrenamtlich Tätige zu gewinnen und auf seelsorgliche Aufgaben vorzubereiten.“

Das Pilotprojekt in Mönchengladbach und Jülich soll also wegweisend für die Zukunft der kirchlichen Arbeit im Seelsorgebereich in Altenheimen sein. Um im Bild zu bleiben: Das Ergebnis wird zeigen, ob die Tandems flott laufen und das anvisierte Ziel am Ende auch erreichen.

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