Tag des offenen Ateliers von Bina Placzek-Theisen

„Kopfkino“ : Vom Lebensdrama bis zur menschlichen Komödie

Als „Kopfkino“ bezeichnet Bina Placzek-Theisen ihr Studium des menschlichen Gesichtes, das aktuell rund 400 Werke umfasst. Seit 25 Jahren ist sie schon unterwegs.

Wann das atmosphärische Atelier seine Holz-Gläserne Tür zum ersten Mal für die Gäste geöffnet hatte, daran kann sich „Captain Jack“ nicht erinnern. Der jeden Besucher freundlich grüßende, zehnjährige Kater ist dafür viel zu jung. Selbst die freischaffende Künstlerin Bina Placzek-Theisen ist von der Frage zunächst überrascht. So lange schon gehört die Idee des „Offenen Ateliers“ zu ihrem Leben und Wirken. Sowohl in der von ihr mitbegründeten „Linnicher Kulturwoche“ als auch im Nachfolgerformat, dem „Linnicher Kultursommer“, ist es seit Jahren ein fester Bestandteil des Programms.

Inmitten des Raumes fühlt sich der Betrachter von unzähligen Aquarellen, Zeichnungen, Radierungen, Collagen, Skizzen sowie ergreifenden Assemblagen beinahe fokussiert und selbst beobachtet. Denn im Gegensatz zu der Vielfalt ihrer Ausdrucksformen ist das von der Künstlerin gewählte Motiv vorwiegend homogen. „Der Mensch als Individuum und Teil der Natur fasziniert mich“, erklärt sie. Seit rund 25 Jahren ist sie als „Kopfjägerin“ unterwegs. Mit Bleistift und Skizzenbuch bewaffnet portraitiert sie, ihren Vorbildern, den großen Meistern der „Belle Ѐpoque“ gleich, Menschen in ihrem Alltag.

Mal am Kaffeetisch einer Bäckerei, mal im Menschengetümmel eines Weihnachtsmarktes sammelt sie Gesichter und fängt mit feinen, schnellen Strichen ihre Merkmale ein. So begegnet man im Atelier den liebevollen Augen einer älteren Dame, die sich alle gerne als Oma gewünscht hätten und wird unruhig unter dem bohrenden Blick eines Mannes, der als Inquisitionskardinal im Mittelalter Karriere machen würde.

Als „Kopfkino“ bezeichnet Bina Placzek-Theisen ihr Studium des menschlichen Gesichtes, das aktuell rund 400 Werke umfasst. In ihrer Werkstatt spielt jedes einzelne Bild einen neuen Film ab. Je nach Fantasie des Betrachters, ist das eine gute oder eine schlechte Lebensgeschichte des Menschen, in deren Antlitz er gerade blickt.

(mavo)
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