„Juwels“: Supercomputer aus Jülich ist Europas schnellster Rechner

„Juwels“ : Supercomputer aus Jülich ist Europas schnellster Rechner

Forschungszentrum Jülich (FZJ) und seine Partner haben in den vergangenen Monaten den Supercomputer „Juwels“ fertig ausgebaut, der nun nach FZJ-Angaben der schnellste Rechner Europas ist.

Der Jülicher Supercomputer „Juwels“ wurde in den letzten Monaten fertig ausgebaut. Dank eines neuen Booster-Moduls sind nun 85 Petaflops möglich, was 85 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde oder der Rechenleistung von mehr als 300.000 modernen Computern entspricht. „Juwels“ kann damit die Grenzen von Simulationen massiv ausweiten und bietet zudem die stärkste Plattform Europas für den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI). Der Rechner, den das Forschungszentrum Jülich, das französisch-deutsche Unternehmen Atos und der Münchner Supercomputing-Spezialist ParTec gemeinsam mit dem US-Hersteller NVIDIA entwickelt haben, ist aktuell das schnellste System in Europa.

Der Jülicher Superrechner, der durch das nationale Gauss Centre for Supercomputing finanziert wird, erreichte den siebten Platz auf der Top-500-Liste der schnellsten Computer der Welt. Auf der aktuellen Green500-Liste rangiert „Juwels“ auf Platz 3 und ist das energieeffizienteste System in der höchsten Leistungsklasse.

„Wir verstehen Supercomputing nicht nur als Gegenstand unserer Forschung, sondern vor allem auch als mächtiges Werkzeug, mit dem wir gemeinsam mit unseren Partnern aus Wissenschaft und Industrie komplexe Forschungsfragestellungen beantworten können“, sagt Prof. Wolfgang Marquardt, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich.

„Mit dem vollständig ausgebauten ‚Juwels’-System ermöglicht das Forschungszentrum Jülich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedlichster Institutionen und wissenschaftlicher Disziplinen den Zugriff auf Höchstleistungsrechenkapazitäten auf allerhöchstem Niveau. Gleichzeitig demonstrieren wir mit dem System aber auch den verantwortungsvollen Umgang mit dem immer weiter zunehmenden Energiebedarf für die Bereitstellung von Rechenleistung.“

Größere Realitätsnähe

„Ein in der derzeitigen Covid19-Krise sehr aktuelles Beispiel liefert die Unterstützung der Medikamentenentwicklung am Computer“, erklärt Prof. Thomas Lippert, der Leiter des Jülich Supercomputing Centre. „Erst die Rechenpower des Boosters ermöglicht es unseren Forschern, die Prozesse vor, während und nach dem Aufeinandertreffen eines potenziellen Wirkstoffs mit einem Rezeptor oder Protein realitätsnah genug zu simulieren.“

Ein weiteres Beispiel ist die detaillierte Simulation von Oberflächen-, Erd- und Grundwasserbewegungen. Mit dem neuen Booster sind Forscher erstmals in der Lage, Simulationen für Deutschland und Europa mit der erforderlichen Feinauflösung, zum Beispiel von einzelnen Hängen oder Flusskorridoren, durchzuführen.

Deutschlands schnellster Supercomputer steht in Jülich