Titz/Koslar: „Stinkender Kuhmist“ auf Schnee ist kein Feldfrevel

Titz/Koslar: „Stinkender Kuhmist“ auf Schnee ist kein Feldfrevel

Aufregung um Festmist in der Gemeinde Titz: Ein Leser erboste sich über „stinkende Kuhmist“, der am Wochenende auf einem Acker bei Gevelsdorf ausgebracht worden war, obwohl die Düngeverordnung (DüV) das bei diesen Witterungsbedingungen — Boden gefroren, Schnee sechs Zentimeter hoch — verbiete.

Zudem sei der Gestank „bestialisch“, weil der Mist nicht untergearbeitet sei. Man könne „dort nicht spazieren gehen“, beschwerte sich der Leser. Die Landwirtschaftskammer (LWK) in Düren hat am Montag, 21. Januar, „vor Ort den Sachverhalt erfasst und dokumentiert“. Ergebnis: „Ein Verstoß gegen die Düngeverordnung konnten wir auf der Basis der real vorliegenden Informationen nicht feststellen“, sagt Ewald Adams, Leiter der Kreisstellen Aachen-Düren-Euskirchen der LWK Nordrhein-Westfalen.

Festmist am 19. Januar auf einem Acker bei Gevelsdorf: Ein Leser hat es im Bild festgehalten. Foto: festgehalten.

Danach hat der betreffende Landwirt den Festmist am 18. und 19. Januar ausgebracht. Der Mist wurde auf einer Fläche von 2,5 Hektar ausgebracht, die Menge betrug nach Aussagen des Landwirtes 15 Tonnen je Hektar. Im Frühjahr sollen auf der Fläche Zuckerrüben angebaut werden. Wie Adams erläutert, sieht die DüV vor, dass eine Ausbringung von Festmist nur dann gestattet ist, wenn die Fläche nicht durchgehend zehn Zentimeter gefroren sei und tagsüber nicht auftaue oder die Schneehöhe mehr als fünf Zentimeter betrage. Die Kammer habe am Montag folgende Werte ermittelt: Die Schneehöhe habe acht Zentimeter betragen und die Frosttiefe lediglich 0 bis 0,5 Zentimeter.

Maßgebend, so Adams, sei aber nicht der Montag, sondern die Situation vor der Ausbringung. Für Freitag und Samstag, den Tagen der Ausbringung, habe die Wetterstation um 6.45 Uhr eine Schneehöhe von fünf Zentimetern prognostiziert und eine Frosttiefe von sechs bzw. fünf Zentimetern. Die am Montag gemessene Schneehöhe beinhalte aber den Schneefall vor der Ausbringung und den Schneefall bis Montag. Der Schneefall nach der Ausbringung könne durch Messung der Schneehöhe über dem ausgebrachten Festmist geschätzt werden.

Die Differenz entspreche dann der Schneehöhe vor der Ausbringung. Adams: „Unsere Erhebung kommt zum Ergebnis, dass die Schneehöhe vor der Ausbringung die maximale Höhe nicht überschritten hat.“ Dies werde auch durch die Daten der Wetterstation gestützt. Diese habe für Freitag und Samstag eine Schneehöhe von fünf Zentimetern vorausgesagt.

In der DüV von 2006 heißt es in Paragraph 4 Absatz 5: „Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an verfügbarem Stickstoff, ausgenommen Festmist ohne Geflügelkot, dürfen zu den nachfolgend genannten Zeiten nicht aufgebracht werden: 1. auf Ackerland vom 1. November bis 31. Januar, 2. auf Grünland vom 15. November bis 31. Januar.“ Es kann Ausnahmen geben, aber dabei sind „regionaltypische Gegebenheiten, insbesondere Witterung oder Beginn und Ende des Pflanzenwachstums, sowie Ziele des Boden- und des Gewässerschutzes heranzuziehen“.

Und der DüV-Paragraph 3 Absatz 5 regelt: „Das Aufbringen von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln mit wesentlichen Nährstoffgehalten an Stickstoff oder Phosphat darf nicht erfolgen, wenn der Boden überschwemmt wassergesättigt, gefroren oder durchgängig höher als fünf Zentimeter mit Schnee bedeckt ist. Abweichend ... dürfen Kalkdünger ... mit einem Gehalt von weniger als Zwei vom Hundert Phosphat auf gefrorenem Boden aufgebracht werden.“

Letzteres war am 16. Januar in der Feldflur bei Koslar der Fall, der einige Gemüter erregte. „Dürfen die das jetzt?“, fragten Leser die Redaktion. Dort wurde, so Ewald Adams, von einem niederländischen Lohnunternehmen Carbokalk ausgebracht, was, wie erwähnt, nicht den Sperrfristen der DüV unterliege. Allerdings dürfe die Ausbringung „nicht bei problematischen Witterungsverhältnissen“ erfolgen. Der Landwirt habe aber vor der Düngung die Schneehöhe gemessen und festgestellt, dass auf dem betreffenden Schlag die Schneehöhe nicht höher als fünf Zentimeter beträgt“. Adams: „Insofern liegt kein Verstoß gegen die Regelungen der Düngeverordnung vor.“

Der Carbokalk stammte aus der Zuckerfabrik Jülich. Er fällt bei der Zuckerproduktion an, wenn mit Hilfe von Kalkmilch die Nicht-Zuckerstoffe aus dem Rübensaft gebunden werden. Der sehr feinkrümelige Carbokalk enthält neben Kalk weitere Nährstoffe wie Magnesium, Phosphor oder Stickstoff. Aufgrund seiner hohen Löslichkeit dringt er rasch in die Ackerkrume ein. Er gilt als „Fitmacher für den Boden“.

Landwirte dürfen aber auch nicht unbegrenzt düngen. Die DüV legt für Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft (Schweinegülle, Pferdemist, Geflügelkot usw.) Obergrenzen fest: Insgesamt bis zu 170 Kilogramm Stickstoff je Hektar und Jahr sind nach § 4 zulässig. Darüber müssen die Bauern jährlich Buch führen — als Flächenbilanz oder als aggregierte Schlagbilanz für Stickstoff und Phosphat. Dazu müssen natürlich auch die im Boden noch vorhandenen Nährstoffmengen ermittelt werden.

Die Landwirtschaft schätzt den „wertvollen Volldünger“, um den Humusgehalt zu erhöhen, so die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern und zudem teuren Mineraldünger zu ersetzen. Ein Kubikmeter Schweinegülle enthält etwa unverdünnt vier bis sechs Kilogramm Stickstoff.

(gep)