Jülich: Stadtwerke Jülich planen langfristige Glasfaseroffensive

Jülich : Stadtwerke Jülich planen langfristige Glasfaseroffensive

Das Unterfangen ist ehrgeizig, kostspielig und von großer Wichtigkeit für den Standort. Und es soll der Stadtwerke Jülich GmbH langfristig zu einem weiteren Standbein verhelfen. Der Kommunalversorger will die Glasfasertechnik in der Herzogstadt massiv vorantreiben und damit für das beste Breitband-Datennetz, das es derzeit gibt, flächendeckend in der Herzogstadt und ihren Ortsteilen sorgen.

Geschäftsführer Ulf Kamburg sagte im Gespräch mit unserer Zeitung: „Das Fernziel ist es, Jülich mit 100 Prozent Glasfaser auszustatten.“ Das wird allerdings einige Jahre dauern, denn zu schließen ist nach überschlägigen Berechnungen eine Lücke von 190 Kilometern. 60 Kilometer liegen schon — 250 werden benötigt.

Die Glasfasernetze sind der VDSL-Technik erheblich voraus, wenn sie bis in die Häuser und Gebäude geführt werden, wie Markus Bissel, Technischer Leiter der Stadtwerke, erklärt: „Es gibt dann keine Geschwindigkeitsbegrenzungen mehr.“ Auch ein Leistungsabfall, wenn viele Nutzer gleichzeitig Daten abrufen oder versenden, ist hier kein Problem. Das Unternehmen — zu 100 Prozent in Besitz der Stadt Jülich — hat zur Realisierung des Glasfaserprojektes ein Konzept und einen Business-Plan in Auftrag gegeben, der Ende Juni vorliegt. Vorgesehen ist, dass die Stadtwerke in der Zukunft auch Endkundenprodukte zur Datennutzung anbieten.

Im Juli liegt ein erster Fahrplan für den Ausbau vor, der Investitionen von geschätzt 35 Millionen Euro notwendig macht. Diese Größenordnung verdeutlicht, warum der Ausbau in zunächst kleinen Schritten vorangetrieben werden muss. „Wir entwickeln Cluster“, sagt Markus Bissel und meint kleinere abgegrenzte Regionen. Die neuen Jülicher Baugebiete wie das Areal der Alten Fachhochschule oder der Brainergy-Park auf der Merscher Höhe werden natürlich sofort mit Netzen für die Lichtwellen ausgestattet. „Wir kombinieren das dann auch mit intelligenter Zählertechnik“, kündigt Ulf Kamburg für die entstehenden Baugrundstücke am Ginsterweg an.

„Ich bin ein Freund davon, Visionen auszuformulieren. Eine 100-prozentige Glasfaserausstattung in Jülich wäre einzigartig. Wir müssen selbst aktiv werden und nicht immer auf Förderprogramme warten“, unterstützt Bürgermeister Axel Fuchs für den Gesellschafter Stadt die Pläne der Stadtwerke. Er sieht das Vorhaben auch als wichtige Voraussetzung für das Einwohner-Wachstum, das der Stadt Jülich in den nächsten Jahrzehnten vorausgesagt wird, wenn immer mehr Menschen, die im Großraum Köln-Bonn keinen bezahlbaren Wohnraum mehr finden, in die Peripherie ziehen. Experten sagen voraus, dass Jülich mit hochwertigen Arbeitsplätzen zum Beispiel in Forschung, Wissenschaft, aber auch im geplanten hochmodernen Gewerbegebiet stark profitieren könnte.

Ein vergleichsweise kleiner Kommunalversorger muss sich für die Zukunft breit aufstellen, um im Wettbewerb bestehen und die Herausforderungen der Energiewende meistern zu können. Daher verbreitern die Stadtwerke ihr Betätigungsfeld. Ulf Kamburg nennt das die „Diversifizierung des Unternehmens“. Die hat der Stadtrat im Mai durch Veränderungen im Gesellschaftsvertrag grundsätzlich möglich gemacht hat. Neben dem Glasfaserausbau sind auch Kooperationen mit der Stadtentwicklungsgesellschaft im Bereich der Wohnungswirtschaft denkbar. Denn wie sagte der Technische Leiter Markus Bissel diese Woche: „Buddeln können wir.“