Jülich: Stadtverwaltung und Supermärkte unter einem Dach in Jülich?

Jülich : Stadtverwaltung und Supermärkte unter einem Dach in Jülich?

Die Tagesordnung führte ein wenig in die Irre: „Ideen zur Umgestaltung des Neuen Rathauses“ war da zu lesen. Mit ein paar neuen Anstrichen und versetzten Mauern hatte das nichts zu tun. Der Jülicher Kommunalpolitik wurde am Donnerstag ein großes Projekt präsentiert, bei dem vom heutigen Gebäudekomplex noch so etwas wie eine Filmkulisse übrig bleibt.

Nur die denkmalgeschützten Bereiche innen und außen bleiben, der Rest wird ultimativ „entkernt“ — er verschwindet. Unter dem Namen „Rathaus-Center“ Jülich soll eine Kombination aus Supermärkten und Stadtverwaltung auf dem Grundstück entstehen, wenn die Pläne der C3 Projektentwicklung/Projektsteuerung GmbH Wirklichkeit werden.

Hier ist der Blick von der Ecke Poststraße/Große Rurstraße zu sehen. Ein beachtlicher Teil, der heute Freiflächen und Parkplätze beinhaltet, würde überbaut. Ein Teil der Grünanlage und vor allem das Bodendenkmal Bastion St. Eleonore bleiben unangetastet. Skizze: C3 Projektentwicklung/Projektsteuerung GmbH.

Egon Schreck (ZVM Bau- und Bodenverwertung/Eschweiler) und Roswitha Bank (C3) suchen in der Region Flächen für Handelsketten, derzeit vor allem für Edeka. Sie sind auf Jülich gestoßen, weil es seit der Schließung der Kaisers-Filiale in der Innenstadt keinen Vollsortimenter mehr gibt.

So sieht es aktuell aus. Foto: Uerlings

Nach mehreren Gesprächen mit den Spitzen der Verwaltung stellten sie nun eine ehrgeizige Bauidee vor, die am Standort Große Rurstraße ein komplett erneuertes Rathaus für die dort arbeitenden 250 Beschäftigten der Stadtverwaltung (von über 400 insgesamt) böte und zugleich im ersten von vier Geschossen Platz schaffen würde für einen Edeka-Markt (2500 Quadratmeter) und eine Aldi-Filiale (1200 Quadratmeter) sowie einige weitere Shops. Laut Roswitha Bank zieht es den Discounter aus dem Heckfeld in Richtung Zentrum.

Seit Jahren schon ist der enorme Sanierungsstau im „Neuen Rathaus“, Anfang der 50er Jahre errichtet, bekannt. Vor allem die Energiebilanz des Gebäudes (einfach verglaste Fenster, kaum Dämmung) ist miserabel und verursacht jährlich hohe Verbrauchskosten.

Der von der C3 GmbH entwickelte Vorschlag sieht vor, dass Teile des Neuen Rathauses erhalten bleiben und von Grund auf instandgesetzt werden sollen. Die da wären: die typische Fensterform in der Fassade beider Untergeschosse, der Haupteingang mit großem Foyer und Treppe innen, Bürgermeisterbüro, Trauzimmer, Ratssaal und kleiner Sitzungssaal.

Dahinter und darüber und daneben auf dem Grundstück soll viergeschossig neu gebaut werden. Der Verkaufsbereich — mit mehreren Aufzügen zu erreichen — befindet sich im ersten Geschoss. In den Etagen 2 und 3 soll das Gros der Stadtverwaltung auf fast 8000 Quadratmetern Fläche unterkommen. Die Büros würden auf den oberen Ebenen ringförmig angeordnet.

Im kleinen Park neben dem Rathaus bliebe die überwucherte Bastion St. Eleonore als Bodendenkmal unangetastet. Von der Verkaufsebene erlaubt eine Glasfront den Blick aufs Grün. Auf den heutigen Frei- und Grünflächen sollen 72 Pkw-Stellplätze entstehen, weitere 166 im Untergeschoss des Komplexes sowie 23 öffentliche außen, so dass insgesamt rund 260 Parkplätze zur Verfügung stehen.

Wie Bürgermeister Axel Fuchs nach dem Vortrag einordnete, „stehen wir hier ganz am Anfang“. Der Stadtrat müsse sich grundsätzlich positionieren, ob er ein solches Projekt verfolgen will oder nicht. Wenn ja, dann müssten Denkmalschutz und Bevölkerung „mitgenommen werden.“ Natürlich wurde gleich gefragt, ob ein solches Projekt Auswirkungen auf die Supermarkt-Ansiedlung auf dem Walramplatz habe.

Dieses Projekt sei „nicht gefährdet“, sagte der Bürgermeister. Zur Finanzierung, zu Verkauf von Flächen und Gebäuden und Rückanmietung seien noch keine Aussagen zu machen. Seine Position machte Axel Fuchs aber deutlich: „Eine Verwaltung und ein Ratssaal gehören der Stadt.“

Einige Politiker — so Heinz Frey (UWG Jül) und Ausschussvorsitzender Peter Capellmann (CDU) — zeigten erste Sympathien für den Vorschlag, aber im Ausschuss herrschte Einigkeit: Er soll auf Herz und Nieren beraten und geprüft werden, um dann zu einer Entscheidung zu kommen.