Stadtentwicklung: Wenn Kölner bald in Jülich anklopfen...

Exzellente Wachstumschancen für Herzogstadt : Wenn Kölner bald in Jülich anklopfen

Wer hört nicht gern Lob? Die Stadt Jülich hat allerdings jahrelange Routine, wenn sie beinahe Hymnen auf ihre Möglichkeiten in der Zukunft und ihre hervorragenden Grundvoraussetzungen aufgezeigt bekommt. Dennoch war der Vortrag von Jens Bröker, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Indeland, über die Wachstumschancen der Herzogstadt für Kommunalpolitiker und Verwaltung ein durch und durch angenehmer Termin.

Denn Bröker zeigte auf, dass Jülich entscheidend von den Problemen der Menschen an der Rheinschiene und durch die Entstehung des Restsees Inden profitieren könnte. Ob das gelingt, wird maßgeblich davon abhängen, wie schnell und gründlich die Verantwortlichen nun handeln.

Alles andere als steigende Einwohnerzahlen dürften nämlich auf lange Sicht große Probleme nach sich ziehen. „Wer nicht wachsen will, wird schrumpfen“, lautet die generelle Prognose, die Jens Bröker im Jülicher Rathaus an die Wand warf. Derzeit sagen noch alle nennenswerten Studien (zum Beispiel der Bertelsmann-Stiftung) für die Herzogstadt sinkende Zahlen durch den demographischen Wandel voraus. Faktisch hat sich das in jüngster Zeit noch nicht bestätigt, denn Jülich wächst leicht oder stagniert. Auch die große Nachfrage nach Bauflächen sind hier ein Indikator.

Möglicherweise ist das schon eine ganz leichte Folge eines „Überschwappeffektes“, der laut Bröker von der Rheinschiene ausgeht. Dort sind die Wohnkosten exorbitant hoch. Der Indeland-Geschäftsführer: „Das Mietniveau dort hat eine asoziale Höhe von 20 Euro pro Quadratmeter und mehr erreicht.“ Die östlichen Gemeinden des Kreises profitierten schon, hier gibt es „eine signifikante Baulandpreisentwicklung und mehr Interessenten als Grundstücke“.

Das kann und wird auch in Jülich der Fall sein, wenn sich die Stadt entsprechend aufstellt. „Die Menschen wollen eigentlich nicht in die Großstadt, aber deren Vorteile schnell erreichen können.“ Also: Gute Verkehrsanbindungen inklusive ÖPNV, ordentliche Jobs in der Nähe, niedrige Wohnkostenbelastung, attraktive Umgebung. Mit dem wachsenden Forschungszentrum (von 6000 in Richtung 7000 Beschäftigte), dem Gewerbegebiet Brainergy-Park auf der Merscher Höhe, den bestehenden Verkehrswegen und dem möglichen Ausbau der Gleisanbindungen plus Restsee hätte Jülich da laut Bröker viel zu bieten.

Er zeigte eine Zukunftsstudie des Ortsteils Kirchberg mit möglichen Erweiterungsflächen auf (Grafik rechts), die dem späteren See recht nahe kommen. Weitere Flächen sind überall im Stadtgebiet zu identifizieren. Jens Bröker: „Wir haben hier was zu gestalten – wo wollen wir das?“ Ein Entwicklungsakzent in Richtung Indensee – also Süden – sei naheliegend.

Natürlich ist derzeit nicht alles eitel Sonnenschein: eine entwicklungsgefährdete Innenstadt, zu wenig Bauland, ein schwieriges Verhältnis zwischen Kernstadt und Ortsteilen und: „Jülich ist kein Hotspot für junge Leute.“ Rat und Verwaltung sollten hier ansetzen, Maßnahmenpakete definieren und strategische Konzepte entwickeln, die im Dialog mit den Menschen entstehen.

Das alles sei gleichermaßen Chance als auch große Verantwortung, erklärte Jens Bröker, der auch den Wirtschaftsgeographen Michael Gramm zitierte. Der hat die stolze Geschichte, die vielen großen Forschungseinrichtungen, namhafte Firmen in Industrie und Mittelstand ins Verhältnis zur heutigen Einwohnerzahl gesetzt und folgert: „Jülich ist zu klein für seine Größe.“

Mehr von Aachener Nachrichten