Jülich: Sprühende Phantasie im Roncalli-Haus

Jülich: Sprühende Phantasie im Roncalli-Haus

Die „Cans”, die Graffiti-Spraydosen, in Grund- und Mischfarben und den Kontrasten schwarz und weiß liegen bereit, dazu Atemschutzmasken und Schutzanzüge in XL - in dem Fall für jeden die passende Größe.

Angeführt von zwei angesagten Sprayern der hiesigen Szene, die anonym bleiben wollen, geht eine Gruppe von zehn Jugendlichen an den Start, „ihre” Wand im Keller des Roncalli-Hauses zu besprühen.

„Hier geht es um eine Identifikationssache. Leute, die jeden Tag hier sind, sollen Raum haben mitzugestalten”, sagt Jugendbetreuer Sascha Römer (Diplom-Sozialarbeiter). Die Aktion in der „Corner” dem Treffpunkt der Sprayer, ist eingebunden in die Initiative der diözesanen Arbeitsgemeinschaften der Katholischen Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Die Sprayer, die ihre je eigenen „Tags,” Kennbuchstaben in der Szene haben, haben bereits am Vortag dazu angeleitet, was „schwer zu erklären ist”, nämlich Buchstaben zu zeichnen und ein Graffiti zu entwickeln. Sie wissen: „Das Interesse daran ist das Wichtigste”.

Eine Skizze als Grundlage

Die „Crew” aus locker organisierten Hobbysprayern beginnt mit dem „First-out”, der Umrisslinie, die als Skizze und Orientierung beim Sprühen dient. Grobe Konturen werden gezeichnet und im „Fill-in” farbig ausgesprüht. Dann widmen sich die Sprayer oder „Writer” dem „Background” (Hintergrund des Graffitos), um im Anschluss die Umrisslinien zu verfeinern. Größtenteils werden „Skinnycaps”, feine Spraydüsen verwendet, den Sprayer-„Kings” liegt etwas daran, den Jugendlichen zu vermitteln, wie man damit scharfe Konturen zeichnet.

Hier und da sind allerdings auch „Fatcaps” im Einsatz, die mit dickem Strahl sprühen. Außer den „Outlines”, der unmittelbaren Umrandung des Graffiti-Schriftzuges, haben die jungen Hobbysprayer alles selbst gemacht und „sehr lange, sehr konzentriert mitgearbeitet, haben sich super abgewechselt. Alles ist super friedlich verlaufen”, lautet das dicke Lob der „Kings”.

So entsteht in mehreren Phasen und sechs Stunden ein „Piece”, ein großformatiges Gesamtwerk mit figurativen Elementen, Botschaft und Unterschrift der Sprayer - größtenteils im „simple-style”, in einfacher Ausführung. Es kann sich sehen lassen, anders ausgedrückt, es ist ein besonders gut gelungenes Graffiti („Burner”), das zudem an einem besonders geeigneten Ort angebracht ist. Neben der neuen Identifikation mit ihrem Jugendtreff im Roncalli-Haus haben sich die Jugendlichen bereits „Respect” verdient und sind keine blutigen „Toys” (Anfänger) mehr. Weitere legale „Spray Convents” warten.

Mehr von Aachener Nachrichten