Sporthallensanierung am Gymnasium Zitadelle Jülich Fass ohne Boden?

Gymnasium Zitadelle Jülich : Ist die Sanierung der Sporthalle ein Fass ohne Boden?

Die Sporthalle des Gymnasiums Zitadelle ist ein Sanierungsfall, das war Politik und Verwaltung in Jülich klar. Das Klinkerwerk außen, Betonbauteile an vielen Stellen und die Fenster des Gebäudes weisen schon lange zum Teil eklatante Schäden auf.

Nach einer überraschenden Kontrolle durch die Unfallkasse des Landes sind nun aber so viele Mängel aufgelistet, deren Beseitigung mit entsprechend hohen Kosten verbunden ist, dass auch ein Neubau geprüft wird. Die Halle ist jedenfalls aus Sicherheitsgründen schon seit einigen Wochen gesperrt.

Auf fast 1,6 Millionen Euro summieren sich die Schäden, die Vertreter eines Gutachterbüros im Ausschuss für Planung, Umwelt, Bauen präsentierten. Rund eine halbe Million Euro davon entfallen auf die Sicherheitsprobleme, die jüngst von der Unfallkasse identifiziert worden sind. Bemängelt wurde im Wesentlichen, dass der erforderliche zweite Fluchtweg zu schmal sei, der Prallschutz an allen Seiten nicht rundlaufend auf zwei Metern Höhe bestehe, im Treppenhaus ein nicht zugelassenes Geländer verwendet werde und eine Panikverschlusstür fehle.

Außerdem müssten zwei Glastüren aus Sicherheitsglas bestehen, ein Blendschutz von außen nachgerüstet werden. Darüber hinaus habe der Prüfer eine fehlende Notrufeinrichtung und einen fehlenden Erste-Hilfe-Raum moniert, wie Architekt Wolfgang Kleicker für die von der Stadt beauftragten Experten darlegte.

Deren eigentlicher Job war es, die Sanierung der Betonteile sowie der Fenster und Gläser zu planen und den Finanzaufwand zu schätzen. Teile der Klinker-Fassaden „sind einsturzgefährdet“, sagte Kleicker. Das liege daran, dass die Blendsteine zwar durch Zinkdrähte mit dem dahinter liegenden Mauerwerk verbunden waren. „Aber es waren zu wenig Drähte oder sie waren korrodiert“, erklärte der Architekt. An der Westfassade sind die Klinker in den Sommerferien schon beseitigt worden, um an das Mauerwerk dahinter zu kommen.

Das bedeutende Denkmal Zitadelle und die Gebäude sind grundsätzlich Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen, „aber wir nutzen das“, erklärte Jülichs Beigeordneter Martin Schulz. Ein Gespräch bei der Bezirksregierung mit dem Ziel der Kostenübernahme sei vor diesem Hintergrund negativ verlaufen. Auch eine juristische Prüfung der Stadt kam zum selben Ergebnis wie Bezirksregierung und Land. Schulz: „Das ist Sache der Stadt. Hier stehen wir ganz für uns allein. Und bei den Summen muss man sich Gedanken machen.“

In diese Kerbe schlug auch Ausschussvorsitzender Heinz Frey (UWG Jül): „Wie sieht es denn mit dem Dach, den Sanitäranlagen und der Heizung aus? Müssen wir nicht mal über einen Neubau nachdenken?“

Genau das passiert jetzt. Hochbauamtsleiter Leo Heuter hatte in einer groben Schätzung von etwa drei Millionen Euro Neubaukosten gesprochen. Nun soll der Betrag genau ermittelt werden. Peter Hüvelmann (CDU): „Wir sollten den Neubau zumindest mal rechnen lassen.“ Gleichzeitig beschäftigt sich die Verwaltung mit der Frage, was mindestens in die bestehende Halle investiert werden muss, um sie zumindest für bestimmte Nutzungen wieder herzurichten, bis über eine Komplettsanierung oder einen Neubau entschieden worden ist.

Für die meisten Schulsportstunden sei ein Ersatz gefunden worden, hatte Sportamtsleiter Gert Marx im Schulausschuss informiert.