Aldenhoven: Spannende Expedition zwischen Vergangenheit und Zukunft des Tagebaus

Aldenhoven : Spannende Expedition zwischen Vergangenheit und Zukunft des Tagebaus

„Heute erwartet Sie keine wissenschaftliche Exkursion“, sagte der Gästeführer Gerd Kriebel zu den rund 20 Teilnehmern einer Erlebnisführung durchs Indeland. Unter dem Motto „Grenzenlose Industriestruktur“ lud die Entwicklungsgesellschaft Indeland GmbH zu einer Reise durch die neue Indeaue ein.

Das scheinbar grenzenlose Panorama auf die weitläufigen Gebiete um den Tagebau Inden konnte barrierefrei und somit auch von Menschen mit körperlichen Einschränkungen betrachtet werden. Mit einem urigen und sehr geräumigen Planwagen startete die Führung am Bergbaumuseum in Aldenhoven. Die „40 Pferde“ eines Oldtimer-Traktors der Marke „Eicher“ hatte Eigentümer und Fahrer Hubert Meyer stets bestens im Griff. Allein diese Fahrt auf holprigen Schotterwegen und quer durch die Felder versetzte die Gäste ins Entzücken. In bester Laune hörten sie den anschaulich dargebrachten und von trockenen Zahlen und Daten weitgehend befreiten Ausführungen des ehemaligen Bergmanns Kriebel zu.

Der Anfang der Braunkohle

„Angefangen hat es bereits vor 200 Jahren in Lucherberg, dort wo jetzt der Indemann steht“, erzählte Kriebel. „Ein Grundbesitzer ist beim Graben eines Brunnens auf Braunkohle gestoßen.“. Die Fahrgäste erfuhren zudem, dass anfangs nur die armen Leute mit Braunkohle heizten, wogegen die besser Betuchten weiterhin Holz als Brennstoff nutzten. „Bei den offenen Feuerstellen hat es gequalmt und im ganzen Haus gestunken“, erklärte er. Mit der Erfindung einer Brikettpresse um 1870 kam „der Durchbruch für den Hausbrand“. Diese bescheidenen Anfänge führten zur Entstehung des „Rheinischen Braunkohlereviers“, wo heute noch drei Tagebaue von RWE Power aktiv betrieben werden.

In Hambach und Garzweiler werden jährlich jeweils rund 40 Millionen Tonnen für verschiedene Abnehmer gefördert. Im Tagebau Inden werden bis zu 20 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr gewonnen und ausschließlich an das Kraftwerk Weisweiler geliefert. Für seine Entstehung war vor 13 Jahren die „Verlegung“ eines Flusses notwendig. „Selbst die größten Kritiker müssen zugeben, dass dieses Inde-Unternehmen aller Ehren wert ist“, sagte Kriebel.

Die Inde verlief ursprünglich auf fünf Kilometer Länge quer durch das Tagebaugebiet zwischen Inden und Kirchberg. Umgeleitet wurde der Fluss in einem zwölf Kilometer großen Bogen rund um den Tagebau herum. Bei dieser Länge bedeutete das notwendige Gefälle bei aufgeschüttetem Gelände und unter Verwendung von ausschließlich Naturmaterialien für das Flussbett eine erhebliche Herausforderung bei der Projektrealisierung. „Heute mäandriert die Inde wie vor Urzeiten schon“, sagte stolz der ehemalige Bergmann beim Halt des Planwagens am höchsten Punkt des Rekultivierungsbereichs.

Er zeigte auf die naturbelassenen Ufer, die längst von den Lerchen erobert wurden. Kriebel wies auf die reiche Vegetation und die Blütenstreifen am Rande der Felder hin. „Die landwirtschaftliche Abteilung von RWE bearbeitet die neu aufgeschütteten Flächen sieben Jahre lang, bevor diese den Landwirten als fruchtbares Ackerland zurückgegeben werden“, erklärte er. Von den Mitarbeiten dieser RWE-Abteilung werden auch jedes Jahr Wildblumensamen entlang der Feldwege gesät und die neu entstandenen Felder zuerst mit Luzerne rekultiviert.

Mondlandschaft und Zukunft

Quer durch die weitläufigen Luzernefelder führte die Planwagenroute zu einem Absetzer. Dieser kippt die Abraummassen des Deckgebirges, also die Erdschichten, über dem mächtigen Braunkohlenflöz, in den bereits ausgekohlten Bereich. „Wo wir jetzt fahren, fahren selbst die RWE-Busse nicht“, sagte Kriebel und riet von ebensolchen Fahrten in Eigenregie ab. Aus Sicherheitsgründen bedürften diese einer Sondergenehmigung und sind ansonsten strengstens verboten. Die Teilnehmer der Erlebnisfahrt durften jedoch die gigantische Maschine im laufenden Betrieb aus nächster Nähe betrachten.

Am Fuß des Absetzers 737 kamen die Gäste in den fraglichen Genuss eines echten Sandsturmes, der jedoch als eine weitere Attraktion hingenommen und mit Lachsalven quittiert wurde. Auf die Frage, „was passiert, wenn der Tagebau Inden zu Ende ist“, wusste Gerd Kriegel eine ausführliche Antwort. „Anfangs sollte er wieder zu landwirtschaftlicher Fläche werden“, erzählte der Gästeführer, „doch ein großer See soll laut Gutachten einen höheren Nutzen für die Region bringen.“ Dieser See soll ein Areal von 1100 Hektar ausmachen. Mit 14 Kilometern Uferlinie und maximaler Tiefe von 180 Metern wird er zu einem der größten Binnengewässer Deutschlands. „Im Vergleich hierzu ist der Blausteinsee mit seinen 40 bis 50 Metern Tiefe ein Bächlein“, sagte Kriegel. Voraussichtlich sollten die ersten Maßnahmen zur Seeentstehung im Jahr 2030 eingeleitet werden.

Im Anschluss an die Planwagenfahrt konnten die Teilnehmer, zu denen auch eine Drei-Generationen-Familie aus Köln zählte, bei einer gemütlichen Beköstigung im Bergbaumuseum ihre Eindrücke austauschen.

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