Barmen: Sonntagsmatinée in Overbach: Musikmixtur fein abgestimmt

Barmen: Sonntagsmatinée in Overbach: Musikmixtur fein abgestimmt

„Mir losse d’r Dom in Kölle!“, „Echte Fründe stonn zosamme!“, „Ich bin ene Räuber!“ — wem nach all den närrischen Ohrwürmern der Sinn nach einer kleinen Verschnaufpause stand, dem bot sich in Overbach, eine hochattraktive musikalische Alternative.

Am Tulpensonntag, kurz vor dem Höhepunkt des rheinischen Karnevals, hatte man zur monatlichen Sonntagsmatinée eingeladen, und die vielen Gäste, die dieser Einladung gefolgt waren, wurden nicht enttäuscht. Ulla Böer, Kerith Müller, Kathrin Simons und Leo Rathmann, allesamt Studierende an der Musikhochschule Köln, bilden zusammen ein junges, dynamisches Trompetenquartett, das im vergangen Jahr bereits viele Zuhörer im Großraum Köln mit seinem gekonnten Ensemblespiel in seinen Bann gezogen hat.

Für die vier jungen Musiker war es zwar der erste gemeinsame Auftritt in Jülich, für Leo Rathmann hingegen, der erst vor zwei Jahren sein Abitur am Gymnasium Haus Overbach gemacht hatte, musste es sich schon fast wie ein Heimspiel angefühlt haben, noch einmal in der Overbacher Klosterkirche zu gastieren.

Unter dem Leitmotto „Von der Renaissance bis zum Jazz“ hatte das Quartett eine fein abgestimmte musikalische Mixtur aus Stücken zusammengestellt, die ganz besonders gut zur fünften Jahreszeit passten — gekrönt mit einer Rezitation des Gedichts „Der Februar“ von Erich Kästner.

Von der ersten Minute des Konzerts, das mit Giovanni Gabrielis „Canzona Seconda“, einem Stück aus der Renaissance begann, zeigten sich die vielen Zuhörer beeindruckt vom hohen Niveau der Darbietung. Auf eine „musikalische Reise“ wollte man die Gäste mitnehmen, wie Leo Rathmann eingangs ankündigte, der nicht nur selbst spielte, sondern auch charmant zu moderieren wusste. Und so führte die Reise vom Ausgangspunkt der Renaissance unter anderem über die „Liebe dreier Orangen“ von Sergej Prokofjew von 1919 sowie die „Slawischen Tänze“ von Anton Dvorak bis hin zur jazzigen Rhapsody von Robert J. Goebert.

Das begeisterte Publikum, das zum Ende der Matinée nachdrücklich auf eine Zugabe bestand, bedankte sich mit einem tosenden Applaus, um sich anschließend dem Schlussakkord des karnevalistischen Treibens auf den Straßen zuzuwenden. „Bleich, als sähe er Gespenster, mustert uns Prinz Karneval. Aschermittwoch starrt durchs Fenster, und die Zeit verlässt den Saal.“ Mit Erich Kästners Worten endete auch das Konzert. Jedoch die Vorfreude der Jülicher Musikfreunde auf die nächste Overbacher Sonntagsmatinée, die am 6. April stattfinden wird, war vorab schon deutlich spürbar.

(rb)