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Karneval in der Kirche: Soloschunkeln im humorvollen Gottesdienst

Karneval in der Kirche : Soloschunkeln im humorvollen Gottesdienst

Karnevalistische Musik und eine gereimte Predigt: Zur Teilnahme an einem ganz besonderen Karnevalssonntags-Gottesdienst hatte die Evangelische Kirchengemeinde Jülich eingeladen.

Angesagt waren zwar kein Schunkeln und Mitsingen, aber mit karnevalistischer Musik und einer gereimten Predigt wollte man trotz der coronabedingten Tristesse Frohsinn und Heiterkeit verbreiten - so wie es in der fünften Jahreszeit sonst üblich ist. 

Für die musikalische Stimmung sorgten an diesem Vormittag Organistin Soline Guillon und Martin Schädlich an der Trompete. Das perfekt aufeinander abgestimmte Duo spielte jeweils passende kölsche Weisen zum liturgischen Fortgang des Gottesdiensts. Ein Augenzwinkern war stets dabei, zum Beispiel beim Sündenbekenntnis, das mit „Wir sind alle kleine Sünderlein“ begleitet wurde. Bei den Fürbitten wurde auch die „ahl Frau Schmitz“ mit „e paar Blömcher für ihr Finsterbrett“ bedacht.

Die Gottesdienstbesucher nahmen das Angebot dankbar an, so setzte unter Einhaltung der Abstandsregeln zunächst vereinzelt zaghaftes Soloschunkeln ein. Als von der Empore „In unserm Veedel“ erklang wurde daraus dann verstärkt Zweierschunkeln. Ein Hauch von Dankbarkeit, die Situation kurzzeitig unbeschwert genießen zu dürfen, machte sich breit.

Zur Predigt schlüpfte Pfarrer Horst Grothe in die Rolle eines Covid-19-Virus. Sein großartiger Vortrag nahm spitzfindig und schlau die Entstehung und Verbreitung des Coronavirus unter die Lupe. Zudem legte er humorvoll bis ironisch das Augenmerk darauf, wie dankbar Covid-19 für das die Pandemie fördernde Verhalten der Zeitgenossen ist, für die Solidarität in mehrfacher Weise ein Fremdwort ist. Hoffnung machte hingegen der Virus-Abgang. Mit letzter Kraft schleppte es sich von der Kanzel, um sich später anhören zu dürfen: „Du kriegst uns nicht klein.“

Zum Abschluss spendeten die Besucher viel Beifall für die kreative musikalische Ausgestaltung des Karnevalsgottesdiensts und die Mut machende Botschaft: „Das trägt uns eine Weile weiter.“

(jago)