Barmen: Sexualerziehung schreckt Eltern

Barmen: Sexualerziehung schreckt Eltern

An Gerüchten mangelt es nicht. Im Umfeld der Katholischen Kindertageseinrichtung „St. Martinus” Barmen sei es zu sexuellen Übergriffen gekommen - und zwar Übergriffen von Kindern an Kindern.

Die Polizei sei schon eingeschaltet und sogar die Staatsanwaltschaft. Das allzu bekannte Schema spult sich ab. Die Sachlage stellt sich indes nicht sensationsheischend dar. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft ermitteln im Kindergarten.

Völlig normal

Rene Deitert, pädagogischer Leiter der Kita gGmbH Düren-Eifel, in deren gemeinnütziger Trägerschaft die Kita „St. Martinus” steht, klärt auf. Es habe so genannte „Doktorspiele” unter Kindern gegeben. Das an sich sei völlig normal, Bestandteil der Sexualerziehung und im geschützten Raum Kindergarten sogar erwünscht. In Barmen sei die kindliche Neugier, Körper zu erkunden, in einigen wenigen Fällen über das „übliche” Maß hinaus gegangen. Deitert legte Wert auf die Feststellung, dass keinem Kind Gewalt angetan worden sei, wie kolportiert wurde. Eine Feststellung, die von dem Verein gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen, Basta, bestätigt wird. Die ehrenamtliche Institution ist im Martinuskindergarten, der mit dem Kindergarten „Unterm Regenbogen” das Familienzentrum Koslar-Barmen bildet, in beratender Funktion tätig.

Gleichwohl reagierten einige Eltern besorgt, manche beließen es nicht dabei. Deitert sprach von Eltern, „die ihre Kinder nicht mehr in den Kindergarten schicken”. Das Jugendamt des Kreises Düren wurde kontaktiert - nicht nur von einem Elternteil wie Rene Deitert erwähnte. Auch, um zu klären, „was dahinter steckt”, habe sich die Trägergesellschaft des Kindergartens an die Vorgaben des Sozialgesetzbuches gehalten, Elterngespräche geführt und das Jugendamt eingeschaltet. Es erwies sich von vorrangiger Bedeutung, wie Deitert schilderte, „dass die Eltern informiert werde, was passiert ist”.

Ein angesetzter Elternabend wurde um eine Woche verschoben, damit auch Mitarbeiterinnen des Jugendamtes den Termin wahrnehmen konnte, an dem Träger und Kindergartenleitung die Eltern informieren wollten. Diese Infoveranstaltung hat nun stattgefunden „mit sehr vielen Eltern, die sehr engagiert diskutierten”, so Rene Deitert. Neben der chronologischen Schilderung der Vorfälle, habe auch die Frage im Raum gestanden, zu welchem Zeitpunkt sich die Erzieherinnen eventuell hätten anders verhalten können.

Folgegespräch

Dass „hier etwas passieren muss”, haben die Verantwortlichen des Kindergartens als Auftrag der Elternschaft angenommen. Die Kindergarteneltern haben die Zusicherung des Trägers, dass ihnen jegliche Hilfestellung gewährt wird. Auch das Jugendamt hat sein Beratungsangebot unterbreitet ebenso wie der Verein Basta. Welche Konsequenzen und Lehren der Kindergarten selbst zieht, wird den Eltern bei einem weiteren Informationsgespräch unterbreitet, sicherte Rene Deitert zu.