Jülich: Seniorentag: Singen, zaubern und gemeinsam tanzen

Jülich: Seniorentag: Singen, zaubern und gemeinsam tanzen

„Wann ist man alt?”, fragte Marlies Keil, Vorsitzende des veranstaltenden Seniorenbeirats zur Eröffnung des vierten Seniorentages im Alten Rathaus.

Die Frage beantwortete sie sogleich selbst: „Wenn ich schon viel geschafft, ein Haus gebaut, Kinder großgezogen, viele Worte gesprochen und viel gelacht habe”.

Im kritischeren Teil ihrer Begrüßung hieß es weiter: „Jetzt sollten wir uns Zeit nehmen für unseren Körper, unsere Seele. Doch die Zahl derer, die mit ihrer Rente nicht auskommen, hat sich in den letzten Jahren verdoppelt”. Mittels eines Wunschbaumes, gebastelt von der evangelischen Kita in der Röntgenstraße, bemüht sich der Seniorenbeirat um Erfüllung von Wünschen - natürlich nicht nur am Seniorentag:

Unter anderem bietet er im neuen Stadtteilbüro Nordviertel künftig vierzehntägig eine Sprechstunde an.

Zum fünfjährigen Jubiläum hat der Beirat im Übrigen eine 16-seitige, illustrierte Broschüre herausgebracht - kostenlos für jeden Interessierten.

Bürgermeister Heinrich Stommel brachte zum kleinen Jubiläum die Notwendigkeit eines Seniorenbeirates „in unserer immer älter werdenden Gesellschaft” zum Ausdruck: „Dieses Gremium zeigt älteren Bürgern unserer Stadt Wege auf, das Älterwerden als Chance zur Neuorientierung zu begreifen und durch aktive Lebensgestaltung lange am gesellschaftlichen und politischen Leben teilzuhaben”.

Die im Beirat Aktiven lobte er für ihre „hervorragenden Voraussetzungen: Die Erfahrung vieler Jahre in Familie und Beruf, professionelle Kenntnisse, soziales Geschick im Umgang mit anderen, politischen Überblick, Bewahrung kultureller Traditionen sowie unzählige weitere Qualifikationen”. Er, der sich als 60-Jähriger selbst den Senioren zugehörig fühlt, äußerte seine Vorfreude auf das gemeinsame Singen: „Beim Durchblättern des Liederheftes wurden Erinnerungen wach. Man sang gemeinsam, und das setzte Emotionen frei.”

Tatsächlich wurde die folgende, gut einstündige Singstunde ein voller Erfolg. Die zahlreichen Senioren erwiesen sich als stimmgewaltig und textsicher und waren mit Freude dabei.

„Heimliche Hymne Ostpreußens”

Inge Duwe begleitete sie auf dem Akkordeon, ein aus verschiedenen Ensembles zusammengestellter kleiner Chor verstärkte die Publikumsstimmen.

Später bereicherte Karin Schröck-Vietor mit ihrer Drehorgel die Musikstunde. Spontan zweistimmig wurden Volkslieder von „Wenn alle Brünnlein fließen” über die „heimliche Hymne der Ostpreußen: Ännchen von Tharau” bis hin zum vierstimmig gesungenen Kanon „Bruder Jakob” angestimmt.

„Die Fischerchöre sind ein Dreck dagegen”, lautete Duwes gewaltiges Lob. Im Anschluss betrat die redegewandte Marita Althoff-Mehl mit einem „Extrablatt” den Raum: Eine humorvolle Zauberstunde „mit Poesie” stand auf dem Programm. Zaubern konnte sie wirklich: Kaffee floss aus dem auf den Kopf gedrehten Buch in ihre Kaffeetasse.

Mitmachtänze und Folklore

In ihrer magischen Hand wurden unterschiedlich lange Seile ohne Schere gleich lang. Überraschend war unter anderem ihr Auftritt mit einer freiwilligen Seniorin, die einen uralten Quirl auf ihrer Stirn kreisen ließ, nachdem sie eine Skatkarte gezogen und sie „auswendig gelernt” hatte. Per Quirl sollte sie ihre Gedanken über die Karte auf das Publikum übertragen. Dies war jedoch nicht schwer, da die Zauberin die Lösung „Herz 10” auf dem umgedrehten Serviertablett vermerkt hatte.

Ein besinnlicher Ausklang

Nach einem Mittagsimbiss von der MGJ-Schülerfirma „Essbar” sorgte die Tanzgruppe des Turnvereins für weiteren Spaß: Sie forderte die begeisterten Gäste zu speziell für Senioren entwickelten Mitmachtänzen auf, tanzbar als Single in Gemeinschaft. Neben Folklore zählten auch bekannte klassische Tänze zum Repertoire.

„Das war mal was ganz Anderes”, kommentierten begeisterte Senioren im besinnlichen Ausklang den mehr als gelungenen Tag.

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