Kreis Düren: Senioren im Kreis Düren im Fokus von Betrügern

Kreis Düren : Senioren im Kreis Düren im Fokus von Betrügern

„Die Masche kannten wir auch noch nicht“, sagt Ingrid Königs, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde Düren, als sie auf einen Betrugsversuch angesprochen wird, der sich jetzt in Aldenhoven ereignet hat. Dabei hat die Polizei in den vergangenen Wochen mit vielen Maschen zu tun, mit denen Täter versuchen, vor allem Senioren zu betrügen.

Der Fall in Aldenhoven war insofern besonders, weil die Seniorin zweimal zum Opfer geworden war. Zuerst wurde die Geldbörse der 88-Jährigen gestohlen. Eine Woche später klingelte eine Frau bei ihr und gab sich als Ermittlerin der Polizei aus.

Als solche begehrte sie Einlass. Als die Seniorin erwiderte, dass sie keine Zeit habe, weil jede Minute ihre Enkelin zu Besuch komme, habe die Frau sich verabschiedet und angekündigt, an einem anderen Tag vorbeizukommen. Verwundert über dieses Verhalten fragte die Familie bei der Polizei nach und erhielt als Antwort, dass es einen solchen Einsatz nicht gebe und die Frau nicht von der Polizei sein könne.

„Wir erhalten im Moment täglich Rückmeldungen von älteren Menschen, die mitteilen, dass Betrüger es bei ihnen versucht haben“, erklärt Königs, die davon ausgeht, das die Dunkelziffer höher ist. „Es ist denkbar, dass sich Opfer aus Scham nicht melden, wenn sie merken, dass sie betrogen worden sind.“

Falsche Polizei

Betrugsmasche Nummer EIns im Moment sind Anrufe falscher Polizeibeamter bei Senioren. Bei den jüngsten gemeldeten Fällen waren Frauen am anderen Ende der Leitung. Die Vorgehensweise ist in allen Fällen ähnlich. Die Anruferinnen berichten von der Festnahme von Einbrechern und geben an, dass die Polizei ermittelt habe, dass die Angerufenen die nächsten auf einer Liste seien.

Die Senioren werden dabei oft über Stunden mit Anrufen traktiert. Bei den zuletzt bekannt gewordenen Fällen hielten die Seniorinnen den Versuchen jedoch stand und gaben keine Wertsachen heraus, obwohl die Anruferin dazu geraten hatte.

Besonders perfide gestaltet sich ein Fall, der am Montag der Polizei bekannt wurde. Eine 88-Jährige aus Inden war über Wochen von einem Unbekannten angerufen worden. Dieser gab vor, mit dem vor Monaten verstorbenen Ehemann eine Vereinbarung gehabt zu haben, nach der er 4000 Euro bekommen sollte. Die Seniorin übergab dieses Geld schließlich. Besonders schwierig: Die Betrüger rufen mit einer Nummer an, die nach Polizei aussieht. Königs berichtet beispielsweise von der Rufnummer 02461/110. „Das sind mit dem Computer generierte Nummern. Wenn die Polizei anruft, dann immer nur mit unterdrückter Rufnummer.“

Die Polizei vermutet hinter den Telefonbetrügern organisierte Strukturen. Möglicherweise in einer Art Anrufzentrale, in der Betrüger die Telefonbücher gezielt nach Namen durchsuchen, die zu älteren Menschen passen könnten. „Noch ein Hinweis: Die Polizei wird nie fragen, welche Wertgegenstände sich in einem Haushalt befinden“, erklärt Königs.

Gespräche sofort beenden

Neben der Polizei-Masche gibt es weitere linke Touren, Betrüger geben sich als Mitarbeiter eines Energieversorgers, eines Pflegedienstes oder anderer Dienstleister aus. So erhielt ein 65-Jähriger aus Niederzier einen Anruf eines vermeintlichen Mitarbeiters des Software-Hersteller Microsoft.

Nachdem der Anrufer das Vertrauen des Niederzierers gewonnen hatte, veranlasste er ihn dazu, für 100 Euro Gutscheine eines Onlinespiels zu kaufen und den Code dem Anrufer mitzuteilen. Damit sollte die Funktionalität des Onlinebankings getestet werden. Als dieser Trick erfolgreich war, sollten im nächsten Schritt Gutscheine im Wert von 900 Euro erworben werden. Dies tat der Angerufene jedoch nicht mehr, stattdessen beendete er das Gespräch.

Mit einer ähnlichen Masche wurde die Mitarbeiterin einer Tankstelle hinters Licht geführt. Hier meldete sich ein angeblicher Techniker per Telefon. Er tischte der Frau eine Geschichte auf, die sie letztlich dazu veranlasste, eine Vielzahl von Gutscheinen eines Onlinespiels auszudrucken und die Codes durchzugeben. Insgesamt entstand hier ein Schaden von 1050 Euro.

Die Polizei rät: „Beenden Sie Gespräche sofort, wenn Sie am Telefon unter Druck gesetzt werden oder wenn Sie das Gefühl haben, dass die Geschichte, die Ihnen erzählt wird, merkwürdig ist oder Ihnen Angst vor vermeintlichen Einbrechern gemacht werden soll. Erzählen Sie Fremden am Telefon nichts über Ihre Vermögensverhältnisse. Übergeben Sie keine Wertsachen an vermeintliche Polizeibeamte.

Vertrauen Sie sich Verwandten, Freunden oder Nachbarn an. Wenden Sie sich im Zweifel an den Notruf 110!“ Insbesondere zum Schutz der Senioren bittet die Polizei jetzt: „Sprechen Sie mit Ihren älteren Verwandten oder Nachbarn über diese Betrugsmaschen.“

(jan)
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