Rödingen: Sehenswerte Ausstellung in der Landsynagoge Rödingen beginnt

Rödingen : Sehenswerte Ausstellung in der Landsynagoge Rödingen beginnt

Einige ältere Semester in Rödingen wissen gar nicht, dass eine kleine Straße seit über 70 Jahren einen neuen Namen hat. Die heutige Klosterstraße war und bleibt für sie die „Jüddejass”, die Judengasse.

Der Name war durchaus Programm, denn der schmale Weg erlaubte den Juden des Ortes, die kleine Landsynagoge von der Rückseite des Grundstückes zu erreichen. Bis 1934. Da verließ die letzte Angehörige dieses Glaubens Haus und Dorf. Sie wusste, dass dies das Ende einer Ära des Miteinanders von Deutschen war, die sich nur durch ihren Glauben unterschieden. Sie ritzte ihren Namen in ein Fenster: S. Ullmann - die Abkürzung steht für Sibille - oder „Billchen”, wie die Nachbarn sagten.

Dieses Fenster ist erhalten und wohl eine der bewegendsten Hinterlassenschaften in der wiederentdeckten Landsynagoge Rödingen. Das ist nicht nur die Meinung von Dr. Monika Grübel, Judaistin in Diensten des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), der das Gebäude-Ensemble gekauft und schonend saniert hat. Es ist inzwischen das „LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen”, in der am Sonntag eine wirklich sehenswerte Dauerausstellung eröffnet wird. Die Schau zeigt vor allem eines: unauslöschliche Spuren des Judentums im Rheinland.

Der Propaganda-Postille der Nazis, dem Westdeutschen Beobachter, war der Verkauf des Ullmannschen Anwesens an eine Schaustellerfamilie eine Schlagzeile und reichlich Häme wert: „Der letzte Jude verlässt Rödingen (...), aber es gibt noch eine Judengasse!” Alles konnten die Schergen des Regimes nicht ausmerzen, auch wenn der Straßenname bald Vergangenheit war. Aber die Erinnerung der Menschen und die christlichen Besitzer, die die Gebäude praktisch unangetastet ließen, bescherten so der Nachwelt ein „Juwel” - oder wie die Projektkoordinatorin Dr. Monika Grübel es formuliert: „einen Glücksfall”.

Innen war zwar fast alles in einem ruinösen Zustand, aber eben unverändert - in dem zur Werkstatt umfunktionierten Synagogenraum ließ der Schausteller sogar die Frauenempore samt Säulen stehen. Beim Anstrich seiner Buden hat er schon mal an den Säulen die Farbe getestet - auch das wurde bewusst erhalten.

Die Küche mit allen Utensilien zur Zubereitung koscherer Speisen sowie ein alter Kühlschrank der Familie Ullmann, die 1841 die Synagoge erbaute, ist im Wohnhaus zu sehen, wo gleich neben dem Eingang ein Medien- und Kommunikationsraum raum wartet.

Überhaupt ist das LVR-Kulturhaus eine wirklich gelungene Mischung aus historisch aufgearbeiteten Details mit sinnvoller technischer Unterstützung. In etlichen Räumen können Besucher einfach aufs Knöpfchen drücken, um „Audios” mit interessanten Hintergrundinformationen zu hören oder auch einen Filmbeitrag zu starten. Einer dieser Streifen zeigt die Urenkelin des Synagogenstifters Isaak Ullmann, Ellen Eliel-Wallach (81), die heute in Amsterdam lebt.