Sechs Holzhybridhäuser setzten ökologisch ein Ausrufezeichen in Jülich

Sechs Holzhybridhäuse : Vorzeigeprojekt für neuen Wohnraum

Da, wo früher versteckt hinter der Zitadelle in der Straße Am Wallgraben die heruntergekommenen, grauen Reihenhäuser standen, entsteht in Regie der Jülicher Rurbau GmbH ein neues Stadtquartier mit 45 Wohnungen.

 „Neubau von sechs hochwertigen ökologischen Mehrfamilienhäusern“ steht auf dem Bauschild vor der grauen Häuserzeile, die noch abgerissen werden muss. Zwei dieser Mehrfamilienhäuser sind bereits bezugsfertig und werden teilweise schon bewohnt. Haus Nummer drei und vier befinden sich im Bau und werden im Herbst fertiggestellt, Haus Nummer fünf und sechs sollen 2020 bezugsfertig sein.

Es ist ein Zehn-Millionen-Projekt, das die Rurbau umsetzt und Geschäftsführer Reinhard Steiner auch schon die ein oder andere schlaflose Nacht bereitet hat – nicht, weil es Probleme bei der Umsetzung geben würde, sondern weil es allein vom Volumen her für die Rurbau bisher das größte Bauprojekt überhaupt ist. „Wir schaffen 3600 Quadratmeter Wohnfläche in ingesamt 45 Wohnungen“, sagt Steiner, der in diesem Fall ganz konservativ geplant hat: schön der Reihe nach und nicht alle Häuser gleichzeitig.

Das Ergebnis spricht für sich: 21 der 45 Wohnungen in zentraler Lage sind verkauft, 17 werden von der Wohnungsbaugenossenschaft Woge übernommen und stehen dann als Mietwohnungen zur Verfügung, sieben Wohnungen sind noch zu haben. „Wir brauchten die Sicherheit, dass wir die Eigentumswohnungen verkaufen, um damit wieder andere Maßnahmen wie die Außenanlagen zu finanzieren.“ Zumal allein bei der Erschließung des Grundstücks die Kosten schon hoch waren: Neben dem Abriss der Altimmobilien musste der Boden ausgetauscht und neu verdichtet werden.

Rechts ist der Betonkern auf einer Bodenplatte zu erkennen, der als Aufzugsschacht und Treppenhaus genutzt wird. Die vorgefertigten Wandelemente bestehen aus Holz, Decken aus einer Holz-Beton-Mischung. Foto: Burkhard Giesen

Der Clou dieses neuen Quartiers im Herzen der Stadt ist aber die ökologische Bauweise. Auf einer Betonbodenplatte werden um einen dreigeschossigen Betonkern herum Wandelemente aus Holz verarbeitet. Decken entstehen als Holz-Beton-Verbundelemente. Sechs bis sieben Monate dauert es, bis die Häuser mit den vorgefertigten Wandelementen erstellt werden.

Weil die Wände aus Holz bestehen, können sie Feuchtigkeit und Wärme aufnehmen und dann wieder abgeben, wenn sie benötigt werden. „Sie finden in den Wohnungen keine Heizkörper. Wir arbeiten mit Luft-Wasser-Wärmepumpen“, erklärt Steiner. „Und auf dem Dach haben wir noch eine Fotovoltaik­anlage.“ Bei einer 80 Quadratmeter großen Wohnung liegen die Nebenkosten so bei knapp unter 170 Euro und zwar inklusive Strom – bei einem Mietpreis von rund 8,50 bis 9 Euro je Quadratmeter. Für Steiner ist es ein Vorzeigeprojekt, das auch im eigenen Haus Schule machen könnte.

Hinter dem Bauschild sind noch die alten Reihenhäuser zu erkennen, die das Erscheinungsbild im nördlichen Zitadellenbereich bestimmt haben. Foto: Burkhard Giesen

Ein Vorzeigeprojekt, das – wie er interessanterweise an anderer Stelle sagt – in Jülich selbst kaum jemanden interessiert. „Von der Politik hat sich hier noch keiner informiert“, wundert er sich. Dabei war schon die ursprüngliche Idee durchaus gewagt. „Wir haben irgendwann im Aufsichtsrat darüber gesprochen, wie schön es doch ist, im Urlaub in einem Holzhaus zu wohnen. Daraus entstand dann die Vision, auch bei uns ein Projekt mit nachwachsenden Rohstoffen zu realisieren“, erzählt Steiner, der zur Halbzeit des ehrgeizigen Projektes nur Vorteile sieht: „Man kann sauber kalkulieren, Kostensteigerungen fallen weg und hinzu kommt die schnelle Bauzeit“, zählt Steiner auf.

Bevorzugte Bauweise?

Das muss nicht bedeuten, dass die Rurbau sich von der herkömmlichen Bauweise verabschiedet, aber gerade wenn es für die Rurbau als Tochter der Woge darum geht, günstigen Wohnraum in Jülich anzubieten, könnte es vielleicht die bevorzugte Bauweise sein.

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