Schülerinnen gewinnen #Sendepause: Mike Singer als Überraschungsgast

Mike Singer als Überraschungsgast : Youtube-Star crasht den Unterricht an der Mädchenschule

Mike Singer besucht das Mädchengymnasium Jülich

Beim Wettbewerb „#Sendepause“ haben Schülerinnen des Mädchengymnasiums Jülich freiwillig auf ihr Smartphone verzichtet – und gewonnen. Was die angehenden Abiturientinnen nicht wussten: Ein Überraschungsgast überbrachte persönlich den Gewinn.

Es könnte der Tagtraum einer gelangweilten Schülerin sein: Es ist ein Tag wie jeder andere. Die fünfte Stunde beginnt. Dann plötzlich eine Durchsage über die Lautsprecher im Klassenraum: Die ganze Stufe soll sich zu einer Überraschung in der Cafeteria einfinden. Als dann alle im Aufenthaltsraum Platz genommen haben, geht die Tür auf und herein kommt ein prominenter Überraschungsgast. Tatsächlich passiert ist das Ganze am Mittwoch am Mädchengymnasium Jülich. Sänger und YouTuber Mike Singer war zu Besuch bei den angehenden Abiturientinnen der Q2.

Dass der 19-Jährige den Unterricht mit samt Kamerateam cra­shte, hatte sich die Jahrgangsstufe hart erarbeitet. Die 29 Schülerinnen haben am Wettbewerb „#Sendepause“ der AOK-Krankenkasse und des Jugendmagazins vigozone teilgenommen und im Zuge dessen bewusst auf das Smartphone verzichtet. Ihre Smartphone-Diät hat sogar so gut geklappt, dass sie im Juli Monatsbeste des Wettbewerbs wurden und damit Karten für ein Konzert von Mike Singer gewonnen haben. Dass der Sänger diese aber persönlich vorbeibringt, wussten die Schülerinnen vorher nicht.

Sänger und YouTuber Mike Singer überrascht die Gewinnerinnen des Wettbewerbs #Sendepause. Durch ihren aktiven Verzicht auf das Smartphone haben sie ein Exklusivkonzert gewonnen. Foto: Kim Statzner

Mike Singer ist Popsänger und Songwriter, seine aktuelle Single „Deja vu“ kletterte auf Platz eins der deutschen Charts und bei den MTV Europe Music Awards wurde er als bester Deutscher Künstler ausgezeichnet. Mit dem Thema Smartphone und Social Media muss sich der 19-Jährige alleine beruflich viel auseinandersetzen. Auf der Fotoplattform Instagram hat der Sänger 1,5 Millionen Abonnenten, auf Facebook sind es 344.329 und auf YouTube, wo er seine ersten Songs veröffentlicht hat, folgen ihm 751.000 Fans.

Für einen solchen Auftritt in den Sozialen Medien ist das Smartphone unerlässlich. Immer, verrät Singer, wolle er aber auch nicht online sein: „Ich versuche das gut aufzuteilen“, sagt er. „Wenn ich zum Beispiel bei der Familie bin, poste ich gar nichts oder nur sehr wenig. Oft bereite ich dann auch Sachen vor.“ Wenn Singer aber länger nicht online aktiv war, berichtet er, bekomme er auch schon mal Nachrichten von Freunden oder Fans, die sich wundern, wo er steckt. Auch für die Schülerinnen war der Verzicht auf das Smartphone nicht immer leicht. Mit einer App übermittelten sie, wie lange sie am Tag online waren. Mitgemacht hat die Jahrgangsstufe freiwillig und ohne die Hilfe von Lehrern – unter anderem, um mit dem Preisgeld ihre Abi-Kasse aufzubessern. Der Überraschungs-Besuch war ein unerwarteter Pluspunkt. „Wir konnten unsere Statistik einsehen und hatten schon spekuliert, dass wir gewinnen könnten“, berichtet Simone Ossenkopp und zieht ein Fazit: „Und eigentlich war der Verzicht dann doch gar nicht so schwer.“ Bei Mike Singers Besuch musste die Smartphone-Diät allerdings ausgesetzt werden. Ein Selfi mit dem Sänger wollte man sich schließlich nicht entgehen lassen.

Während die Schülerinnen am Mädchengymnasium das Smartphone in letzter Zeit immer öfter aus der Hand gelegt haben, haben sich die Lehrer in dieser Woche besonders intensiv mit der digitalen Welt beschäftigt. Bei einem „Digi Camp“ – einem Präventionsprojekt der Krankenkasse Barmer und BG3000 in Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland – haben sich rund 60 Lehrkräfte zu digitalem Unterricht, Medienprävention und digitaler Gesundheit weitergebildet. Englisch- und Geschichtslehrer Andreas Wergen hat an der Digital-Fortbildung teilgenommen.

Er findet den aktiven Verzicht auf das Smartphone sinnvoll, sieht aber auch die Möglichkeiten von digitalen Medien im Unterricht: „Die Smartphones sind überall, das ist Realität“, sagt er. „Einige Schüler haben während des Verzichts bemerkt, wie exzessiv sie zum Handy greifen. Trotzdem möchten wir es auch im Unterricht nicht missen.“ Die Digitalisierung des Klassenzimmers, betont Wergen, bringe aber auch viele unbekannte Herausforderungen mit sich. So sei es zum einen eine gute Sache, auf dem Smartphone direkt in der Klasse recherchieren zu können, statt erst in den Computerraum wechseln zu müssen. Andererseits stelle sich dann aber die Frage, ob alle Schüler ein aktuelles Smartphone zwingend brauchen und was mit denen passiert, die es nicht nutzen können oder wollen.

Die Schülerinnen der Q2 freuen sich jedenfalls erst mal auf ihr exklusives Konzert im November. Mike Singer hat kurz nach seinem Besuch ein Video von der Überraschung auf Instagram gepostet. Ganz ohne Smartphone geht eben irgendwie doch nichts.

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