Literaturwettbewerb am MGJ: Schülerinnen beweisen literarisches Talent – beim Poetry Slam

Literaturwettbewerb am MGJ : Schülerinnen beweisen literarisches Talent – beim Poetry Slam

Die Texte der Jugendlichen beim Literaturwettbewerb am MGJ waren sehr persönlich. Auch mit Politik- und Gesellschaftskritik wurde nicht gespart.

„Wann haben Leute schon mal freiwillig 16 Mädchen beim Reden zugehört?“, fragten die Schülerinnen des Mädchengymnasiums Jülich provokant am Ende ihres Poetry Slams. Dieses Zuhören genoss das Publikum aber merklich am Dienstagabend. Ein Jahr lang hatte sich der Literaturkurs der Jahrgangsstufe Q1 unter Leitung von Florian Schreiber auf diesen Literaturwettbewerb vorbereitet.

Bei einem Poetry Slam tragen die Teilnehmer eigene Texte vor, das Publikum bestimmt den besten Text. Es war der erste Poetry Slam am Mädchengymnasium Jülich. Sechs Schülerinnen nahmen am Wettbewerb teil, zwischen ihren Auftritten wurden andere selbstgeschriebene Texte aus dem Literaturkurs vorgetragen. Die Bandbreite reichte von humorvollen Beiträgen über Erzählungen bis zu ernsten poetischen Texten. Auch eigene parodierende Sketche über Teleshopping oder eine Talkshow zum Thema Dönerpreise wurden vorgeführt.

Die 16 Mädchen trugen ihre kurzen Werke mit beeindruckender Souveränität vor. Von unvorhergesehenen Ereignissen wie Technikproblemen oder Fotografen ließen sie sich nicht ablenken – im Gegenteil: Sie bauten dies teilweise in ihre Performance ein. So auch die Siegerin des Abends Viola Glukhov: Als sie bei ihrem Final-Auftritt fotografiert wurde, posierte sie spontan für die Kamera und zwar passend an einer Stelle, an der sie über ihr Selbstbild sprach. Bei einer solchen Sicherheit merkte man ihr gar nicht an, dass sie zum ersten Mal auf einer Poetry Slam-Bühne stand. „Ich war sehr aufgeregt, aber ich bin erleichtert, dass meine Texte nicht komplett schlecht waren“, sagte sie nach der Veranstaltung. Das hat ihr das Publikum mit einem enormen Applaus versichert.

Texte waren von Ehrlichkeit geprägt

Viola Glukhov hat sich im Finale mit einem poetischen Text gegen die andere Finalistin Kim Tangerding durchgesetzt. Beide begeisterten das Publikum mit persönlichen Texten – so wie alle Texte des Abends sehr persönlich und teils von brutaler Ehrlichkeit geprägt waren. Neben jugendnahen Themen wie Smartphones oder Pubertät gab es auch Vorträge über Krankheit und Sterben sowie literarische Reflexionen über Identität, Heimat und Romantik.

Dabei gab es viel zu lachen: Früher seien die schlimmsten Worte „Ab ins Bett“ gewesen, heute sei es „Aufstehen“, witzelte etwa Katharina Hapke selbstironisch über Teenager. Ihr Text lief außerhalb des Wettbewerbs, setzte dennoch  zu Anfang der Veranstaltung direkt eine Marke. Auch Gesellschafts- und Politikkritik kam an dem Abend nicht zu kurz – mit einigen satirischen Spitzen, etwa gegen die AfD oder Klimawandelleugner. Nicht schlecht für eine Jugend, die sich doch angeblich nicht für Politik und Literatur interessiert.

Mehr von Aachener Nachrichten