Jülich: Schüler löchern das Raumfahrer-Trio

Jülich: Schüler löchern das Raumfahrer-Trio

Ein Mal jährlich kommen Astronauten und Kosmonauten aus Russland, Amerika und anderen Raumfahrtnationen zu einem Internationalen Treffen zusammen. Das wurde in diesem Jahr in Köln veranstaltet, wohin insgesamt 87 Raumfahrer der Einladung gefolgt waren, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausgesprochen hatte.

Das DLR vermittelte auch den Besuch von drei Raumfahrern ins Jülicher Forschungszentrum, wo sie nicht nur von über 70 Schülerinnen und Schülern aus den Kreisen Heinsberg und Düren begeistert empfangen, sondern auch mit Fragen gelöchert wurden.

Dr. Roger Crouch ist amerikanischer Astronaut, 72 Jahre alt, der seinen ersten Raumflug im April 1997 absolvierte und insgesamt 19 Tage im All verbrachte. Er hatte seine beiden russischen Kollegen Anton Nikolaevich Shkaplevov (41) und Anatoli Alekseyevich Ivanishin (44) mit nach Jülich genommen. Beide verbrachten vom 14. November 2011 an zusammen insgesamt 165 Tage im Weltall. Auf der Internationalen Raumstation ISS, die in rund 400 Kilometern Höhe um die Erde kreist.

Ob Astronaut oder Kosmonaut — letzteres ist der russische Sprachgebrauch für einen Weltraumfahrer — ob aus Russland, Amerika oder Deutschland, alle absolvieren die gleiche Ausbildung, bereiten sich jahrelang auf ihre Mission im All vor. Davon berichteten die drei Gäste den jungen Leuten ausführlich und hatten auch einen Film mitgebracht, der eindrucksvoll das schwerelose Leben auf der Raumstation mit bewegten Bildern vermittelte.

Wie wäscht man sich eigentlich im Weltraum? Wie kann man so lange Zeit auf einer engen Raumstation leben? Wie lange dauert ein Arbeitstag, wie schläft man? Vier von vielen Fragen, die die Raumfahrer gerne beantworteten und mit Bildern illustrierten. Gerade die ausdruckstarken Bildwerke aus dem Weltall faszinierten die Besucher, zeigten sie doch Momente und Situationen, die ein normal „Sterblicher“ nie im Leben zu sehen bekommt.

Besuch intensiv vorbereitet

Dass die Ausbildung lange und schwer ist, viele Strapazen mit sich bringt, unterstrich das Trio. „Und man muss immer auf seine Eltern hören, fleißig lernen“, meinte Shkaplerov, der damit für allgemeines Schmunzeln bei den Schülern sorgte. Die hatten sich im Unterricht auf den Besuch intensiv vorbereitet, kamen vom Mädchengymnasium und dem Gymnasium Zitadelle in Jülich, von Haus Overbach in Barmen, dem Kreisgymnasium in Heinsberg, der Anne Frank-Gesamtschule Mariaweiler und der Gesamtschule Niederzier/Merzenich.

Begrüßt wurden die Besucher vom Leiter des Schülerlabors des Forschungszentrums, Karl Sobotta, der die jungen Leute anspornte: „Traut Euch, stellt viele Fragen, und wenn ihr sie nicht in englischer Sprache stellen wollt, wir haben Dolmetscher dabei.“ Die Schüler trauten sich, parlierten in Englisch, was die Raumfahrer erstaunte. Denn Shkaplerov, der Chefkonstrukteur der russischen Air Force, sprach nur in seiner Heimatsprache, ließ dies dann von einer Dolmetscherin ins Englische übersetzen.

Dass sie die Erde aus dem besonderen Blickwinkel eines Raumfahrers beobachten durften, verstehen sie auch als einen Auftrag. „Wir wollen das Bewusstsein und das Verantwortungsgefühl für unsere Umwelt und unseren Planeten bei der jungen Generation stärken“, ließen sie im Vorfeld ihres Besuchs verlauten, hoben gleichzeitig ihr Anliegen hervor, „dafür zu kämpfen, die Erde als intakten Lebensraum durch eine nachhaltige Entwicklung, vor allem in Technik und Energiewirtschaft, zu erhalten“.

Im nächsten Jahr werden die drei Raumfahrer beim Jahrestreffen der Raumfahrer in Peking dabei sein, wo sie auch von Taikonauten — Taikong bedeutet in Chinesisch „Weltraum“ — begrüßt werden.

(hfs.)
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