Gymnasium Zitadelle: Schüler-Kunstprojekt füllt jede Ecke des Hexenturms

Gymnasium Zitadelle : Schüler-Kunstprojekt füllt jede Ecke des Hexenturms

Der Kunstverein Jülich, der in diesem Jahr sein 40-jähriges Jubiläum feiert, hat es sich stets zur Aufgabe gemacht, im Rahmen der Kunstpädagogik auch Kinder und Jugendliche zu fördern. Vor diesem Hintergrund ist eine besondere Vernissage in den Räumen des Hexenturms zu sehen, zu der der Verein eingeladen hatte.

Kirsten Müller-Lehnen begrüßte die Gäste und berichtete über die Arbeit in den vergangenen Jahren mit dem integrativen Hort „Villa Kunterbunt“ und mit der inzwischen geschlossenen Gemeinschafts-Hauptschule Ruraue. Doch zu den interessanten Exponaten der jetzigen Ausstellung führte die Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Zitadelle.

60 Jugendliche tauchen ein

Zusammen mit ihren Lehrern Ugur Ekener und Alexander Loup tauchten Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10 und 11, rund 60 Jugendliche, in die Welt der Kunst ein. Dies ging über die alten Methoden der Kunsterziehung weit hinaus. Nicht Kunstgeschichte oder Bildbetrachtung standen im Mittelpunkt, sondern die Begegnung mit Künstlerpersönlichkeiten, ihrem Werk und ihrem Leben. Von den Lehrern wurden Spuren gelegt, denen die Schüler folgen konnten.

Sie beschäftigten sich mit dem von ihnen gewählten Künstler, lernten in Internetrecherche seinen Lebensweg kennen und seinen Charakter mit Stärken und Schwächen. Dabei wurden verschiedenen Schwerpunkte gesetzt und Eckpunkte in den Biographien gefunden. Jeder Schüler musste für sich entscheiden, ob die Technik des gewählten Künstlers auch den eigenen Neigungen entsprach und nachvollzogen werden konnte. Ob Bildhauer, Maler oder Fotograf — viele Möglichkeiten standen offen. Bezug zur eigenen Persönlichkeit, zum eigenen Leben wurde individuell und intim aufgebaut.

Der Aufgabe geöffnet

Die Schüler haben sich dieser Aufgabe geöffnet und sich ihr gestellt. Die Installationen und Modelle, die mit Alltagsmaterialien erstellt wurden, sollten in ihrer Wirkung den Lebenssituationen der jeweiligen Künstler entsprechen.

Die Wahrnehmung der Schüler stand im Vordergrund. Die besondere Lebenssituation der Kreativen, aus den Biografien entnommen, wurde enthüllt und spiegelte sich in den Installationen wider.

Der besondere Reiz lag für Schüler und Lehrer in der Möglichkeit, die Werke, die sonst der Notengebung dienen und vielleicht noch im Schulgebäude einen Platz finden, nun einer großen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dank des Jülicher Kunstvereins boten hierzu die Räume des altehrwürdigen Hexenturms beste Möglichkeiten, eine „Spielwiese“ für die Schüler, wie Lehrer Ugur Ekener es nannte, zu sein. Nicht nur im zentralen Ausstellungsraum, sondern in jedem Winkel und in jeder Ecke fand sich eine betrachtenswerte Installation.

Pädagoge Alexander Loup hob die Verschiedenartigkeit der zehn vorgeschlagenen Begegnungskünstler hervor. Er erläuterte anhand einiger Niederschriften und Skizzen die Auseinandersetzung der Schüler mit den Künstlern, die Erkenntnis derer Positionen und die Umsetzung der Gedanken im eigenen Werk.

Von Christo bis Cézanne

Installationen von Christo fanden sich ebenso wie die Umsetzung des Gedankens von Tim Burton, bei der die gespaltene Persönlichkeit in der Darstellung und Pose zweier ganz unterschiedlicher Figuren deutlich wird. 3D-Effekte durch Begegnung mit Paul Cézanne und liebevolle detaillierte Gestaltung in Form und Farbe in Verbindung mit dem Werk James Rizzi seien nur beispielhaft genannt.

Die Beschäftigung mit Kunst, den Künstlerpersönlichkeiten und die Kreativität der jungen Menschen, die sich in der bildnerischen Umsetzung und ihren außergewöhnlich interessanten Werken zeigt, machen den Besuch dieser Ausstellung zu etwas ganz Besonderem.

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