Aldenhoven/Jülich: Schneewittchen als spektakuläres Musical

Aldenhoven/Jülich: Schneewittchen als spektakuläres Musical

So stand es in der Vorankündigung für das Musical „Schneewittchen und die 7 Zwerge in Not” präsentiert vom Tanztheater Aldenhoven: Spektakulär und einzigartig !

Dass diese Beschreibung für das von 100 Kindern und Jugendlichen auf die Bühne gebrachte Gesamtkunstwerk zutraf, zeigte die Begeisterung der vielen Zuschauer, die übers letzte Januar-Wochenende das Musical besucht hatten.

Das PZ im Jülicher Schulzentrum hatte sich für vier Tage in eine Musical-Arena verwandelt.

Durch ein beeindruckendes Bühnenbild, das von Eltern entworfen wurde, eine großzügige Tanzfläche und einen umfangreichen Backstage-Bereich, wo die Darsteller Kostüme und Headsets wechseln konnten, entstand eine professionelle Theateratmosphäre.

Zeitgemäße Überarbeitung

Die Idee, das Märchen der Gebrüder Grimm in eine moderne Fassung umzuschreiben, hatte die Leiterin, Iris Freudenthal, vom Tanztheater vor zwei Jahren. Nach einigen erfolgreichen Musical-Produktionen, wie König der Löwen, das Dschungelbuch, der Zauberer von Oz, Linie 1 und anderen, war es für die Choreographin eine Herausforderung, das Schneewittchen-Drehbuch zeitgemäß zu verfassen und mit aktuellen Themen zu spicken.

Die Umsetzung dieser Idee war mehr als gelungen. Eine unterhaltsame,erfrischende Storry, die dazu noch zum Nachdenken anregte.

Videoeinstiegl

Der Einstieg in das Stück gelang durch eine Videopräsentation über das letzte Zwergendorf Deutschland, das nun abgebaggert werden sollte. Wochen vorher wurden die Tanztheater-Zwerge dafür gefilmt, und so erfolgte eine gute Verküpfung mit dem Bühnengeschehen.

Wie die Profis wirbelten die kleinen und großen Darsteller über die Bühne und brachten sofort gute Laune ins Publikum, die bis zum Schuss anhielt und für die die Darsteller nach einer dreistündigen Meisterleistung mit Standing ovation und tosendem Applaus belohnt wurden.

Im Tanztheater wird vielseitig unterrichtet. Die Kinder singen, tanzen und schauspielern. Nur so ist es möglich, ein Musical zu erarbeiten.

Regisseurin Iris Freudenthal hat selbst bei vielen Musicals und Ballettabenden in ihrer Heimat, im Kieler Opernhaus , in der Hamburger Staatsoper und bei vielen Companies mitgewirkt, bis sie ihre Leidenschaft fürs Choreographieren und das kreative Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen entdeckte.

Nach ihrem Sportstudium absolvierte die heute 50-jährige die Ausbildung zur Tanzpädagogin auf der Jahn Cranko-Schule in Stuttgart. „Die Wurzeln meiner Arbeit, sind natürlich im Theater. Aus dieser Erfahrung kann ich heute ernten und das wunderbare Gefühl, auf der Bühne zu stehen, an meine Schüler weiter geben. Für mich ist es immer wieder sehr bewegend, wie sich die Schüler durch Tanz und Darstellung ihre Persönlichkeit stärken und entwickeln.”

Nachdem das Drehbuch und die Songs geschrieben waren, begann die Rollenverteilung und das Einstudieren der Tänze. „Ein Jahr intensive Arbeit benötigt man, um ein solches Projekt Bühnenreif zu machen”, sagt Iris Freudenthal.

Dazu gehören natürlich auch aktive Eltern, die Kostüme herstellen, ein Bühnenbild entwickeln und hinter der Bühne beim Umkleiden,schminken und Headsets anlegen helfen. Hip Hop und Jazztrainerin Kira Farber und die Nachwuchstrainerin aus eigenen Reihen Jasmin Jansen unterstützten die choreographischen Teil mit einigen hervorragenden Tänzen ihrer Gruppen.

Mit welcher Begeisterung Kinder und Eltern hinter dieser Institution stehen, konnte man während der drei Aufführungen mit erleben. Ob Sieben- oder 18-Jährige, alle hatten ihren Part und ihre Rolle bei diesem großen Gemeinschaftsprojekt.

Grandiose Tänze mit effektvollen Kostümen wurden von einer bemerkenswerten Technik in Szene gesetzt. Vom lustigen Zwergenrap, über Waldmonster, Hexen und Naturgestalten bis hin zum Finale präsentierten das sinnliche Schneewittchen, die absolut witzigen 7 Zwerge, eine grandios gespielte böse Stiefmutter und weitere überragende Darsteller, ein Kunstwerk, auf das das Ensemble wirklich stolz sein kann.

Während der Probezeit wachsen die Gruppen zusammen und während der Aufführungen entsteht eine große Gemeinschaft zwischen allen Beteiligten. Dann fällt das Aufhören schwer, und so fließt die eine oder andere Träne.

Nun bleibt die Hoffnung, dass die Story bei den Zuschauern und Darstellern im Herzen wirkt und der Tiefgang des Musicals mit der Frage „Sind Märchen out?” sich dadurch beantwortet, dass manches Kind oder auch Erwachsene mal wieder in Märchenbüchern schmökern.

Und das letzte Musical oder Tanzprojekt des Tanztheater Aldenhoven wird es nicht gewesen sein. Doch zunächst werden die Mitglieder für ihren Fleiß belohnt. Mit den Jüngeren geht es in einen Freizeitpark und die Größeren dürfen die Tanzakademie in Tilburg besuchen, um dort ihre Tänze während eines Dance-Festivals zu zeigen und mit Profis zu trainieren.