Linnich: Schlüsselfragen für das Rathaus Linnich

Linnich: Schlüsselfragen für das Rathaus Linnich

Die schöne neue Schlüsselzukunft im Linnicher Rathaus wird noch etwas auf sich warten lassen. Zwar sieht die Tagesordnung der Ratssitzung am heutigen Donnerstag noch den Beschluss über die Anschaffung eines neuen Schließsystems vor, dieser Punkt dürfte allerdings abgesetzt werden.

Die Bedenken, die unisono im Haupt- und Beschwerdeausschuss vorgebracht wurden, werden bis dahin nicht ausgeräumt und alle aufgeworfenen Fragen sicherlich nicht umfassend beantwortet sein. Letzteres war der Hauptkritikpunkt, den SPD-Fraktionschef Hans-Friedrich Oetjen stellvertretend für alle Ausschussmitglieder anbrachte. „Ich bin verblüfft, dass wir unsere Fragen vom letzten Mal nicht beantwortet bekommen.“ Mit dem Auftrag um Klärung war bereits im September die Verwaltung mit ihrem Schließanlagen-Vorschlag auf eine Wiedervorlage vertagt worden.

Es geht um rund 50 bis 60 Türen im Rathaus, die mit neuen Schließmechanismen ausgestattet werden sollen. Eine Sicherheitsüberprüfung hatte 2009 zum Ergebnis gehabt, dass „innerhalb des Hauses keine Sicherheit“ bestünde. „Man kommt ohne Schwierigkeit in jedes Büro“, erklärte der Sicherheitsbeauftragte der KDVZ (Kommunale Datenverarbeitungszentrale). Das sei in einer Einrichtung mit personenbezogenen Daten ein unhaltbarer Zustand.

Was der Verwaltung als Behebung dieses Zustands vorschwebte, entzückte zumindest den Ingenieur in Oetjen. Ein Schließsystem auf elektronischer Basis. Der Schlüssel ist in diesem System ein Transponder, der einen 25 KHz-Funkimpuls an das elektronische Türschloss schickt. Der ver- oder entriegelt ein Schloss ganz ohne Schlüssel.

Transponder und Zylinder lassen sich laut Hersteller problemlos so programmieren, dass Zugangsrechte spontan erteilt oder entzogen werden können, beispielsweise bei einem Bürowechsel. Geht ein Transponder verloren, lässt er sich sofort ausprogrammieren — und er würde keine Tür mehr öffnen. Bei einer herkömmlichen mechanischen Schließanlage droht der Komplettaustausch des Schlosses, im ungünstigsten Fall aller Schlösser.

Aber die elektronische Schließanlage kann weit mehr als nur Türen öffnen oder schließen. Sie kann dokumentieren, wer wann eine Tür geöffnet hat. Diese Dokumentationsfunktion käme beispielsweise bei einer „kriminellen Handlung“ zum Tragen.

An diesem Punkt hakte nicht nur Oetjen nach, sondern auch Mark Dremel (PKL): „Hat es hier schon Vorkommnisse gegeben, oder warum ist so ein System notwendig?“ Angesichts der ärmlichen Ausstattung manches Rathausbüros sollte wohl eher in Mobiliar als in ein so teures Schließsystem — die Kosten für die Rathausanlage liegen bei 33.000 bis 35.000 Euro — investiert werden.

Karl-Heinz Cato Hilfert von den Grünen störte etwas die Relation. „Das ist ein hochkomplexes System für eine unterkomplexe Verwaltung“, schmunzelte er. Einen anderen Ansatz der Kritik brachte Volker Tissen (CDU) an. Es müsse zunächst ein Konzept geben, „wer wo Zugang haben muss“. Dann könne man überlegen, ob tatsächlich jede Bürotür elektronisch gesichert werden muss oder ob ein solches System für die Hauptzugänge nicht völlig ausreiche. Nachrüsten ließe sich immer noch, wie auch von Herstellerseite bestätigt wurde.

Letztlich wurde die Verwaltung beauftragt, in einer beschlussfähigen Vorlagen die aktuellen Bedenken und Einwände zu berücksichtigen. Darüber hinaus wird ein Konzept eines Sicherheitssystems und der notwendigen Schließanlage erwartet, zudem forderten die Fraktionen Einblick in die Sicherheitsüberprüfung, die Ausgangspunkt der Schlüsselfrage war.

(ojo)