Jülicher Land: Schlamm flutet Niedermerz

Jülicher Land: Schlamm flutet Niedermerz

Der Himmel verfinsterte sich am Donnerstagabend, und ein schweres Unwetter zog auf, das auch im Jülicher Land wütete. Die „Gewitterzelle” war mit 300 mal 300 Kilometern Ausmaßen fast so groß wie Nordrhein-Westfalen und hatte so ziemlich alles an Ungemach „im Gepäck”, was vorstellbar ist.

Sturmböen, Starkregen und Hagelkörner. Im Nordkreis erwischte es die Region Aldenhoven besonders heftig. Hier verzeichnete die Feuerwehr 20 unwetterbedingte Einsätze.

Viele Mitglieder der Feuerwehren waren stundenlang im Einsatz. Der „Spuk” dauerte zwar „nur” knapp 30 Minuten, doch diese Zeitspanne reichte aus, um Kanäle zu verstopfen, Keller und Wohnräume mit Wasser zu überfluten oder Gegenstände wie Papier durch die Luft zu wirbeln.

In der Gemeinde Inden und dem Stadtgebiet Jülich hieß es mehrfach „Keller unter Wasser”. Zusätzlich wirbelten die anfänglichen Sturmböen ein Mannschaftszelt, das nahe des Jülicher Bahnhofes errichtet war, auf die Bahngleise der Rurtalbahn, so dass der Zugverkehr beeinträchtigt wurde. Die Wehrleute beeilten sich, das Hindernis zu beseitigen.

Etwas „ruhiger” hatten es die Wehren in der Gemeinde Titz, wo keine besonderen Vorkommnisse gemeldet wurden.

Auch Linnich kam mit drei Einsätzen noch glimpflich davon, obwohl die Firma SIG Combibloc über Stunden ohne Strom war und dadurch die Produktion zum Stillstand kam.

In Niedermerz drohten mitten im Ort Häuser vollzulaufen. Wie Bürgermeister Lothar Tertel berichtete, ergoss sich von einem Acker, der zuvor noch Grünland war, eine Schlammflut in die Hofbongardstraße und verstopfte die Kanalisation, so dass es zu Rückstaus kam. Anwohner und Feuerwehr zogen einen Graben, um das Schlammwasser abzuleiten. Am Freitag wurde das Teilstück des Kanals freigespült. „Verschont”, so Tertel, blieb diesmal der Ortsteil Engelsdorf, der schon mehrmals bei Starkregen überflutet worden ist und zuletzt im August 2009 von einer Schlammflutwelle heimgesucht worden war.

Der Wasserstand des Merzbaches war „selten so hoch”, berichtete der Bürgermeister. Er wäre fast übergelaufen, was kritisch für die Brückenbauwerke werden kann. Auch der Aldenhovener Gemeindebrandinspektor Wilfried Theelen blieb nicht verschont. Sein Privatfahrzeug wurde mit starken Schäden Opfer des Hagelschlags. Der ersten großen Gewitterfront folgten in der Nacht zum Freitag mehrere kleinere, die aber die Lage in den Kommunen nicht weiter verschärften.

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