Schirmerschule Jülich: AG macht aus Altglas neue Kunstwerke

Neues Leben für alte Glasflaschen : Aus Altglas werden schicke Kunstwerke

Egal ob grün, weiß oder braun, rund oder eckig – in der Schirmerschule Jülich erfährt jegliches Altglas eine Renaissance. Wenn Olivenöl, Wein und Co. aufgebraucht sind, bleiben die unterschiedlichsten Glasflaschen zurück.

Die Schülerinnen und Schüler der Oberstufen-AG „Flaschenfusing“ erschaffen daraus kreative Kunstwerke.

Mit ihrem Projekt belegten die Schüler auch den zweiten Platz des Innogy Indeland Klimaschutzpreises 2018. „Wichtig ist mir zum einen der Nachhaltigkeitsgedanke. Zum anderen aber natürlich auch, die Schüler und deren Fähigkeiten und Kreativität zu fördern“, erklärt Monika Panholzer, Förderschullehrerin und AG-Leiterin. Damit tun die Jugendlichen also nicht nur was für die Umwelt – denn alte Gläser und Flaschen sind längst kein Müll – sondern haben auch viel Raum zum Experimentieren.

Vorbereitung notwendig

Bis aus einer herkömmlichen Glasflasche allerdings ein kunstvolles Käsebrett, eine gewölbte Platte für Kekse oder Teelichter, oder eine beleuchtete Glasdekoration wird, muss sie zunächst entsprechend vorbereitet werden. Der erste Schritt ist das Säubern der Flaschen. Dazu kommt das Altglas in einen Geschirrspülautomaten. Besonders hartnäckig sind dabei so manche Etiketten, die sich entweder nur schwer entfernen lassen, zumindest aber Kleberückstände hinterlassen. „Diese Reste müssen komplett ab“, erklärt Panholzer. Gut funktioniere das zum Beispiel mit Stahlwolle und Orangenöl. So kann auch den letzten Rückständen der Kampf angesagt werden. Dann geht’s für die Flaschen erstmal ab ins Lager.

Währenddessen müssen die Gipsformen vorbereitet werden. In diese Formen werden die Glasflaschen später hineingelegt, um sie darin im Ofen schmelzen zu lassen und in Form zu bringen. „Ein großes Problem war anfangs, dass sich das Glas nicht von den Formen löst“, erinnert sich Julia. Die Lösung: Vorher werden die Gipsformen mit Trennmittel eingepinselt. Wichtig bei der Wahl von Form und Flasche sei es, „zu wissen, für welchen Verwendungszweck sich welches Altglas am besten eignet“, sagt die Schülerin. Auch die Fuhre spiele eine Rolle. Denn selbst wenn es sich um die gleiche Flasche handele, könnten noch Unterschiede beim Schmelzpunkt liegen.

Wiktoria hat ein besonderes Händchen für Kupferdraht und Co. und biegt die Materialien in die richtige Form. Foto: Anke Capellmann

Um die Kunstwerke kreativ aufzubereiten, lassen sich die Schüler allerlei einfallen. Neben Glasgranulat, das zusätzlich in die Flaschen gefüllt wird, hat Wiktoria ein besonderes Händchen für Kupfermaterialien. Sie biegt und dreht Draht so zurecht, dass daraus die schönsten Figuren entstehen. „Man kann viel experimentieren und sich kreativ ausleben. Mit wenig Materialien hat man trotzdem hunderte Möglichkeiten“, sagt sie.

Sobald das Altglas also fertig präpariert in den Formen liegt, gespickt mit bunten Perlen, Nägeln, alten Münzen oder Engels- und Hasenfiguren aus Kupferdraht, geht’s ab in den Schmelzofen. „Der Ofen ist ein herkömmlicher Brennofen für Ton“, erklärt Panholzer. „Aber das genaue Brennprogramm bleibt unser Geheimnis“, sagt sie und schmunzelt.

Viele neue Ideen

Was am Ende aus dem Ofen rauskommt, lässt sich wahrlich sehen. Nicht nur verschiedene Formen und Farben, auch bei der Verwendung des Neuen sind den Ideen keine Grenzen gesetzt. Ob als Ablage für den Kochlöffel, als Schale für Knabbereien und Plätzchen, oder mit Beleuchtung.

Für diese Beleuchtung zeichnet sich unter anderem Justin verantwortlich. Der Schüler stattet das Glas nicht nur mit LEDs aus, in Zukunft plant er auch, daraus komplette Lampen zu machen. „Aber das ist noch in Planung“, sagt er.

Überhaupt kommen den Schülerinnen und Schülern beim Zusammenkommen und gemeinsamen Arbeiten oft viele neue Ideen. „Das ist das tolle an dieser AG“, sagt Panholzer. „Am Anfang ist es wichtig, dass die Jugendlichen das Werkzeug und die Handhabung mit den Materialien kennenlernen und anwenden. Aber danach geht es dann um die eigene Kreativität und die Umsetzung neuer Ideen“, erläutert sie.

Und neue Ideen gibt es viele. Oft haben Bienen, Insekten und Co. in den heißen Sommermonaten kaum die Möglichkeit, Flüssigkeit zu sich zu nehmen. „Aus den Schraubverschlüssen der Glasflaschen wollen wir ‚Bienen-Bars’ bauen.“ Dazu sollen die Deckel an Platten aus Plexiglas geschraubt und mit Wasser befüllt werden und dann im Schulgarten ihre neue Funktion erfüllen.

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