1. Lokales
  2. Jülich

Schadensbegrenzung und Wachstum sind Langefelds Ziele für Inden

Bürgermeister Jörn Langefeld : Schadensbegrenzung und Wachstum als Indener Ziele

Der Indener Bürgermeister Jörn Langefeld hält den jetzt im Raum stehenden schnelleren Braunkohleausstieg für einen folgenschweren Fehler und zeigt auf, was aus seiner Sicht in der Gemeinde Inden in naher Zukunft geschehen muss: Man müsse für Schadensbegrenzung sorgen und wachsen.

Schadensbegrenzung. So lautet eines der wesentlichen Ziele, die Bürgermeister Jörn Langefeld für die Zukunft seiner Gemeinde Inden ausgibt. Den Schaden verursacht aus Langefelds Sicht der Ausstieg aus der Braunkohle, der jetzt mit dem finalen Datum 2038 im Raum steht und im Rheinischen Revier mutmaßlich viel früher kommt. „Aus rein ideologischen Gründen wird das Rückgrat unserer heimischen Energieversorgung auf Kosten der Arbeitnehmer und der Bevölkerung zerbrochen“, sagt der Mann, der Bürgermeister einer Gemeinde ist, die wohl wie keine zweite im Westen vom Braunkohletagebau gezeichnet ist.

70 Prozent der Gemeindefläche hat der Tagebau verbraucht. Andererseits bietet der Tagebau nach wie vor viele Arbeitsplätze und war über Jahrzehnte über die Gewerbesteuer die mächtigste Einnahmequelle; nicht nur in Inden. 

„Verfehlte Ausstiegspolitik“  

Die Schadensbegrenzung soll laut Langefeld vonstatten gehen, indem Inden aus sich selbst heraus wächst. Daran, dass die im Raum stehenden Fördergelder die Verluste in den Braunkohlerevieren auffangen, glaubt Langefeld nach eigener Aussage nicht. „Ich habe Zweifel, dass die Geldmittel, die womöglich zur Kompensation dieser Selbstzerstörung nach Nordrhein-Westfalen fließen werden, an einer strukturellen Schwächung unserer Region mittelfristig viel ändern werden. Aus diesem Grund arbeiten wir schon jetzt intensiv daran, die Folgen dieser verfehlten Ausstiegspolitik in unserer Gemeinde aufzufangen. Ich sehe unsere Aufgabe darin, Schadensbegrenzung in bestmöglichem Umfang zu betreiben.“

Als Gradmesser für das Gelingen der Schadensbegrenzung könnte das sogenannte Haushaltssicherungskonzept (HSK) gelten. Inden steht finanziell ähnlich schlecht da wie viele andere Städte und Gemeinden im Kreis. Das HSK verpflichtet, so lange Ausgaben zu senken und/oder Einnahmen zu erhöhen, bis die Kommune eine Jahresbilanz ohne Defizit nachweisen kann.

In Inden muss das 2022 gelingen. „Weitere Einsparungen sind aus meiner Sicht kaum noch möglich. Zwar wird sich die Einnahmesituation partiell verbessern, jedoch wird dies durch die steigenden Kosten für den Erhalt der Infrastruktur wieder aufgebraucht. Spätestens dann, wenn wir uns z.B. mit notwendigen Instandsetzungen im Straßenbaubereich beschäftigen. Dort besteht in einigen Ortslagen ein Instandsetzungsstau.“ Demnach gibt es kaum Stellschrauben, an denen in Inden in der aktuellen Situation gedreht werden kann.

Sieht den Ausstieg aus der Braunkohle als folgenreiche Fehlentscheidung: Jörn Langefeld. Foto: Guido Jansen

Also müssen die Voraussetzungen geändert werden. Das soll beispielsweise mit einem fortgesetzten Bevölkerungswachstum gelingen. Das ist schon vorhanden. Die Gemeinde gehört zu den Top 3 im Kreis Düren, was das Einwohnerwachstum angeht. Das ist positiv, aber auch kein Wunder. Wegen des Tagebaus hat Inden in den vergangenen Jahrzehnten im Verhältnis so viele Einwohner verloren wie keine andere Kommune im Kreis. Das Wachstum jetzt ist auch eine natürliche Gegenbewegung. Und die will Bürgermeister Jörn Langefeld so lange wie möglich und so stark wie möglich fortsetzen.

Neue Wohngebiete und mehr Platz für Gewerbe nennt Langefeld deswegen als eine der wichtigsten Herausforderungen. Das trifft auf keine Kommune so zu wie auf Inden. Platz ist selten wegen des Tagebaus. Deswegen sind kreative Lösungen gefragt. „Uns ist es gelungen, die Industriebrache der alten Brikettfabrik an einen Investor zu vermarkten. Dieser plant dort, nach Bau eines Discounters, den Bau von ca 150 Wohneinheiten, welche alle auch altersgerechtes Wohnen ermöglichen sollen.

Dafür müssen die baurechtlichen Voraussetzungen durch einen neuen Bebauungsplan geschaffen werden“, sagt Langefeld. Die Vermarktung des Baugebiets Waagmühle 2 sei im vollen Gange. Zudem verspricht sich Langefeld viel von der ressourcenschonenden Faktor-X-Bauweise, für die in Inden ein Musterhaus steht. „Die Nachfrage nach Bauland ist hoch“, schildert der Indener Bürgermeister. 

Mehr Gewerbeflächen schaffen 

Sichtbares Wachstum gibt es auf den Gewerbegebieten. Inden betreibt am Kraftwerk Weisweiler eines in Partnerschaft mit der Stadt Eschweiler. Grachtweg heißt das und entwickelt sich gut. Auf der anderen Seite des Tagebaulochs gibt es das ältere Gewerbegebiet Pier, in dem sich im vergangenen Jahr ein Geflügelgroßhändler angesiedelt hat. „Insgesamt könnten daraus bis zu 900 Arbeitsplätze resultieren. Wir prüfen derzeit, wie um das Gewerbegebiet Grachtweg noch weitere Ansiedlungen erfolgen können.

Auch für kleinere Gewerbebetriebe, die neu zu uns kommen oder expandieren wollen, müssen Ansiedlungsflächen innerhalb der Gemeinde gefunden werden“, sagt Langefeld.

Einsparungen werden möglich, weil Inden zum August die Trägerschaft der gemeindlichen Kindergärten an den Kreis Düren abtritt. Gleichzeitig erwartet Langefeld Mehrkosten. In diesem Jahr wird die Grundschule erweitert, in Sportanlagen und die Hauptschule müsse investiert werden. Ungelöst sei zudem die seit 2015 nicht behobene Problematik der Unterbringung von Flüchtlingen. „Die Unterbringung in Containern und Wohnmobilen ist aus meiner Sicht eine unnötig teure und integrationsschädliche Lösung“, sagt Langefeld, der schon lange auf einen Neubau drängt, damit aber bisher keine Mehrheit im Rat findet. 

Der politische Dauerstreit 

Apropos Rat: Mit der Mehrheit aus CDU, SPD und Grünen liegt er von Beginn seiner Amtszeit Ende 2015 über Kreuz, im Gegensatz zur UDB-Fraktion.

„Die Bürger haben ein gutes Gespür dafür, wer in Inden dafür verantwortlich ist, dass es der Ratsmehrheit in unserer Gemeinde all zu oft nicht um Sachentscheidungen, sondern leider um die Befriedigung eigener Befindlichkeiten geht. So sehe ich zukünftig durchaus eine mögliche Mehrheit für diejenigen, die im Sinne unserer Gemeinde handeln“, sagt Langefeld mit Blick auf den Dauerstreit.