Rödingen: Schabbat-Lampe in Rödinger Synagoge

Rödingen: Schabbat-Lampe in Rödinger Synagoge

Die Dauerausstellung im LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen ist um ein wichtiges Exponat aus dem Judentum reicher. Eine viereinhalb Kilo schwere, achtsternige Schabbat-Lampe aus Messing mit Abtropfschale, aber fehlenden Abtropfrinnen, ziert nunmehr die jüdische Küche des ehemaligen Wohnhauses.

Mit ihren acht Sternen kann die Rödinger Lampe „doppelt benutzt“ werden, am Schabbat und am Chanukka-Fest. Aufgehängt ist sie an einer höhenverstellbaren Säge. Daraus leitet sich der Sinnspruch ab: „Lamp‘ herunter, Sorg hinauf!“

Was ist überhaupt eine Schabbat-Lampe? Das erläuterte Dr. Ursula Reuter, wissenschaftliche Geschäftsführerin des Salomon Ludwig Steinheim-Instituts für deutsch-jüdische Geschichte in Essen in ihrem Bildvortrag. Zu den drei rituellen Pflichten einer jüdischen Frau zählt das feierliche Anzünden von zwei oder mehr Lichtern auf dem Schabbat-Leuchter über dem Esstisch kurz vor Sonnenuntergang vor dem jüdischen Ruhetag Schabbat, an dem nicht gearbeitet und kein Feuer angezündet werden darf.

Dann spricht die Frau den Segen und vollendet damit das Kerzenritual „Hadlakat Ner“. Am Ende des Schabbats folgt das durch den Mann ausgeführte Verabschiedungsritual „Hawdala“ mit einer gedrehten Kerze. Übersetzt bedeutet der Begriff Trennung und meint „die Trennung des heiligen Schabbats von der nächsten Arbeitswoche“. Weil, wie Judaistin Monika Grübel betonte, es sich bei dem Rödinger Exponat um „ein Objekt mit unklarer Provenienz handelt“, nahm das Kulturhaus das Objekt zunächst in Treuhänderschaft, stellt es aus und forscht weiter.

Im Zuge der Forschung wurde die Schabbat-Lampe im Labor des Landesmuseums geröntgt. Gefunden wurden Rückstände von Rapsöl und Sandelholzöl als Duftbeigabe. Traditionell wird zur Speisung der Schabbat-Lampe Olivenöl verwendet, wichtig ist aber die pflanzliche Herstellung. Über eine Marke verfügt die jüdische Sternlampe nicht, deshalb wird sie bei einem der wenigen Goldschmiede hergestellt worden sein, die sich auf rein jüdische Objekte spezialisiert haben.

Wie kam nun die Schabbat-Lampe nach Rödingen? Dazu holte Referentin Dorothee Lottmann-Kaeseler weiter aus, die seit vielen Jahren auf den Gebieten jüdische Geschichte und Holocaust-Vermittlung arbeitet. Sie verbindet eine lange Freundschaft mit Karen Franklin, einst Direktorin des Judaica Museums Riverdale. Als diesem Museum 2002 ein mit hebräischen Buchstaben beschriebener Seder-Teller (der Sederabend ist der Auftakt des Pessach-Festes) mit unklarer Herkunft gestiftet wurde, entstand auf der Suche nach den jüdischen Eigentümern ein umfangreiches Forschungsprojekt mit anschließender Ausstellung mit dem Titel „Zurückgeben“.

Zurückgegeben wurden jeweils verschiedene Objekte aus „legalisiertem Raub“, von Kristallglasbehältnissen bis hin zu Skulpturen des „nicht arischen Künstlers“ Bernhard Sopher. 2009 bat ein jüdischer Rechtsanwalt in Minneapolis Karen Franklin um Rat. Vorfahren eines Klienten hatten eine Schabbat-Lampe aus dem Rheinland nach Amerika mitgenommen. Der Klient wollte sie zurückgeben, aber es gab keine Anhaltspunkte für die rechtmäßigen Eigentümer.

Franklin bat um Hilfe, und Lottmann-Kaeseler schlug vor, dieses Objekt mit seiner Geschichte in einem jüdischen Museum im Rheinland zu präsentieren. Monika Grübel hatte sie bereits kennengelernt. So schloss sich der Kreis. Sehr schön passte die Präsentation des neuen Ausstellungsobjektes zum Motto „Sammeln verbindet“ der deutschen, österreichischen und schweizerischen Museen am Internationalen Museumstag.

(ptj)