Aachen/Linnich: Säugling stirbt nach Sturz auf den Hinterkopf: Mutter vor Gericht

Aachen/Linnich : Säugling stirbt nach Sturz auf den Hinterkopf: Mutter vor Gericht

Kindestötung durch unterlassene Hilfe, das ist der schwere Vorwurf, dem sich seit Freitag eine 24-jährige Mutter aus Erkelenz vor dem Aachener Schwurgericht stellen muss. Der Vorwurf reicht in das Jahr 2015 zurück, als die Mutter gerade ein zu früh geborenes Mädchen bekommen hatte und mit ihrem Freund, zwei weiteren Kindern und den Hunden nach Linnich in eine Mietswohnung gezogen war.

Der Kindesvater, der damals erst 19 Jahre alt war, berichtete am Freitag als Zeuge im Prozess vor der Aachener Schwurgerichtskammer, dass er gerade erst zu Beginn des Jahres 2015 erneut mit der Angeklagten und ihren drei Kindern - zwei davon die leiblichen Kinder des jungen Mannes — wieder zusammengekommen und in die Linnicher Wohnung eingezogen war. Beide sind heute noch Lebenspartner.

An dem mutmaßlichen Tattag war er arbeiten, die Angeklagte hatte ihn, da er keinen Führerschein besaß, in der Frühe mit dem Wagen und den Kindern zur Bushaltestelle gebracht. Später kam das schreckliche Geschehen ins Rollen, zu dem die juristisch wegen „Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen“ angeklagte Mutter auf Raten ihrer Anwältin zunächst nichts sagte. Der Vorsitzende der Kammer, Richter Roland Klösgen, ließ sich durch die psychiatrische Sachverständige, Dr. Dina Mörth, unterrichten.

Das mutmaßliche Tatgeschehen wurde von dem vernehmenden Polizeibeamten bestätigt. Danach gab es zunächst verschieden Darstellungen der Mutter, wie der Tod des Mädchens zu erklären wäre.

Für die Mutter war er zunächst überhaupt nicht erklärlich, wie sie immer wieder zu Protokoll gegeben hatte, so war man auch zunächst vom medizinischen Phänomen des plötzlichen Kindstodes ausgegangen. Doch der Rechtsmediziner stellte fest, dass die Schädeldecke des Babys am Hinterkopf gebrochen war.

Im Stehen entglitten

Der Beamte beschrieb dem Vorsitzenden, wie die Verdächtige nach und nach ein vielschichtiges Geschehen berichtete. Danach habe die Mutter die Kleine, sie wog mit fünf Monaten etwas mehr als fünf Kilogramm und maß 57 Zentimeter, vor ihrem eigenen Duschgang zuerst baden wollen. Das tat sie im Waschbecken, in dem sich das Kind durch lebhafte Zappelei am Beckenrand den Kopf gestoßen habe. Das Geschehen, was letztlich am Nachmittag zur Einlieferung des Mädchens führte, passierte danach.

Die Mutter hatte berichtet, sie habe kurz vor ihren eigenen Duschen das Kind im Bad hinlegen wollen, damit weder die anderen Kinder noch die Hunde dem Baby unbeabsichtigten Schaden hätten zufügen können. Wie bereits bei früheren Gelegenheiten habe ein kurzfristiges Zittern ihre Hand und ihren Arm gelähmt, das Kind sei ihr im Stehen entglitten und mit dem Hinterkopf auf den Boden gefallen. Da habe es laut geschrien, sie hob es wieder hoch, beruhigt es und legte die Kleine wieder ins Bett.

Das Mädchen habe dann noch eine Flasche bekommen und geschlafen. Doch als sie nach einiger Zeit wieder ins Bett schaute, habe das Kind dort leblos und blau angelaufen gelegen. Sie versuchte, berichtete der Beamte, das Kind wiederzubeleben und einen Krankenwagen zu rufen, der Notruf, den der Richter vorspielen ließ, bestätigte das.

Der Helikopter brachte die Kleine in die Kinderklinik. Vergebens, am Abend aber war das Kind tot. Die Angeklagte hatte immer beteuert, dem Kind sei nach dem Sturz kaum etwas Außergewöhnliches anzumerken gewesen. Erst hinterher habe sie sich die allergrößten Vorwürfe gemacht, nicht umgehend ins Krankenhaus gefahren zu sein.

Der Prozess wird am 17. Juli im Aachener Landgericht fortgesetzt.

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