RWE-Mitarbeiter enttäuscht von den Kirchen

Interview mit Diakon und RWE-Mitarbeiter Arnold Hecker : RWE-Mitarbeiter enttäuscht von den Kirchen

Arnold Hecker aus Titz ist seit 32 Jahren RWE-Mitarbeiter. Der Referent für Automatisierungstechnik ist auch als Diakon in der katholischen Kirche Jülich tätig. Er predigt und spendet Sakramente. Der Diakon hat sich öffentlich positioniert.

Beispielsweise gegen eine Stellungnahme des Diözesanrates des Bistums Aachen, in der Anfang Oktober der sofortige Rodungsstopp im Hambacher Forst gefordert wird. Ein Fortsetzen der Rodung sei „aus christlicher Sicht verwerflich und menschenverachtend“, heißt es.

Stimmt es, dass es Personen gibt, bei der die Polizei derzeit häufiger auf Streife vorbei fährt, weil Sie Ziel von aggressiven Aktionen werden könnten? Wer ist davon betroffen?

Hecker: Nach meiner Kenntnis nur Mitarbeiter von RWE und Partnerfirmen, aber Braunkohlegegner. Ob die Gefahr vom Lager der ‚Ökoterroristen’ ausgehen könnte – an solchen Spekulationen beteilige ich mich nicht. Es geht mir nicht darum, zu spalten, sondern die Menschen an einen Tisch zu bringen.

Wir denken Sie als RWE-Mitarbeiter und Kirchenvertreter über das Thema?

Hecker: Ich sorge mich, dass die Diskussion nicht bei einem verbalen Austausch endet, sondern in Aktionen mündet, die in keinster Weise zu dulden und zu rechtfertigen sind. Dazu zähle ich das Zerstören von Eigentum. Oder wie jetzt wieder in Hambach, wenn bei RWE-Mitarbeitern Radmuttern von Fahrzeugen gelöst werden. Das ist häufiger passiert. Mir geht es darum, für Deeskalation und Dialog einzutreten. Ich habe die Sorge, dass die RWE-Mitarbeiter irgendwann die Nase davon voll haben, ständig diffamiert zu werden und deswegen zu aggressiveren Mitteln greifen könnten. Im Augenblick sehe ich aber noch die Vernunft siegen.

Ist ein Dialog zwischen RWE-Mitarbeitern und Braunkohlegegnern aus Ihrer Sicht überhaupt möglich?

Hecker: Ich nehme das als RWE-Mitarbeiter und als Diakon so wahr: Es gibt unter den Braunkohlegegnern die, mit denen man reden kann. Da darf man keinesfalls alle über einen Kamm scheren. Das ist unfair denen gegenüber, die sich engagiert, aber ohne Gewalt für ihre Ziele einsetzen. Ich kenne außerdem keinen RWE-Mitarbeiter, der abstreitet, dass der Ausstieg aus der Braunkohle kommen wird. Es geht um einem realistisch machbaren Zeitpunkt. Es gibt aber eine dritte Seite, die kaum einer hört. Die Menschen an den Umsiedlungsstandorten, die sich damit abgefunden haben, dass sie wegziehen müssen und jetzt bei dem Hin und Her über den Zeitpunkt des Ausstiegs gerne wüssten, wo sie dran sind. Diese Menschen werden zum Spielball.

Sie haben als Diakon eine Stellungnahme des Diözesanrates des Bistums Aachen von Anfang Oktober heftig kritisiert. Warum?

Hecker: In dieser Stellungnahme wird in letzter Konsequenz von einer menschenverachtenden Haltung gesprochen, die RWE und seine Mitarbeiter gegenüber der Schöpfung und den Mitmenschen einnehmen soll. Eine solche Aussage ist unerträglich und nicht haltbar. Da wird über viele Menschen, die bei RWE arbeiten, der Stab gebrochen, ihnen wird ihr aktives Christsein abgesprochen. Deswegen habe ich, neben einigen anderen, den Rücktritt des Vorsitzenden des Diözesanrates gefordert. Als Christen fühlen sich die RWE-Mitarbeiter alleine gelassen und nicht mehr wahrgenommen. Ich weiß von mehreren Kollegen, die deswegen aus ihren Kirchen austreten wollen. Die Katholiken sind auch tief enttäuscht darüber, dass Bischof Dieser sich nicht zu der Stellungnahme des Diözesanrates positioniert hat.

Was wollen Sie erreichen?

Hecker: Dass die verschiedenen Parteien an einem Tisch sitzen und auf Augenhöhe miteinander reden, und nicht übereinander. Dass sie alle Fakten kennen und anerkennen, die notwendig sind, um das Klima zu schonen, die Versorgungssicherheit sicherzustellen und Existenzen zu sichern.

(jan)
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