Ruth Tauchert stellt in der Galerie an der Zitadelle aus

Kunstausstellung „New(/)Paper“ : Kunst auf Papier in der Galerie an der Zitadelle

Die Jülicher Kunstszene ist um ein Ereignis reicher. Protzige Leinwandgemälde und mondäne Motive sucht man in der aktuellen Galerieausstellung vergebens.

In der "Galerie an der Zitadelle" fand am Samstag die Eröffnung einer neuen Ausstellung statt. Mit ihrer Präsentation "New(/)Paper" präsentierte die Bonner Künstlerin Ruth Tauchert dynamische Zeichnungen und Skulpturen auf und aus Papier. Der Name war somit Programm.

Zahlreiche Kunstinteressierte fanden sich an diesem späten, aber angenehmen Samstagnachmittag in der Düsseldorfer Straße 12 ein, um in der Galerie an der Zitadelle die neu ausgestellten Kunstwerke zu begutachten. Zur Begrüßung gab es Canapés, Sekt und Orangensaft. Eine rührige, aber dennoch entspannte Atmosphäre herrschte in der Galerie, während sich die Künstlerin für jeden Gast Zeit nahm. Erste potenzielle Verkaufsgespräche wurden geführt, neue Kontakte geknüpft. Nachdem den Gästen genügend Zeit zur Orientierung und Begutachtung der Kunstwerke gegeben wurde, gab Ruth Tauchert dem Galerieinhaber Pieter Loven ein kurzes Interview vor versammeltem Publikum. Ein gelungenes Konzept, denn dadurch wurde allen Gästen die Gelegenheit gegeben, einen Einblick zu gewinnen in die Ideenwelt und Motive der Bonner Künstlerin. So entwickelte sich bloßes Betrachten immer mehr zur kritischen und interessierten Inaugenscheinnahme.

"Papier ist mein Medium, ein sehr schnelles Medium", bekräftigte Tauchert häufig an diesem frühen Abend. Die gebürtige Kölnerin stellte vor Gästen immer wieder klar, dass sie eine Zeichnerin sei, keine Malerin. Ihre gezeichneten Werke bestechen durch formale Schlichtheit, versprühen dennoch, dank ihrer klaren Struktur, einen Eindruck von Kraft und Lebendigkeit. "Papier verzeiht keine Fehler und ich radiere nie", sagte Tauchert vor einem ihrer Bilder und bewies, dass Zeichnen ein Adrenalin-getränktes Unterfangen sein kann.

Von besonderem Temperament sind ihre Live-Zeichnungen während der Aufführungen in der Bonner Oper. Seit sieben Jahren hält sie mit flinker Künstlerhand Bewegungen der Tänzer und Schauspieler auf Papier fest. Von der Intendantenloge des Opernhausen aus hat sie zwar einen guten Blick auf die Bühne, ihre eigene Kunstfertigkeit muss sie jedoch bei fast vollständiger Dunkelheit vollführen. Eine kleine Leselampe mit minimalem Lichtpegel ist ihr einziges Hilfsmittel. Stifte, Wasserglas und Hustenbonbons müssen seit Jahren ihren festen Platz haben und werden durch Ertasten erkannt. Trotz dieser erschwerten Bedingungen schafft es Tauchert oftmals bereits zur Pause eine fertiggestellte Zeichnung zu präsentieren. Lediglich ihre Signatur ergänzt sie in ihrem Atelier. Bildende Kunst, die darstellende Kunst in ihrem dynamischen Moment festhält. "In der Intendantenloge der Bonner Oper zu arbeiten ist jedes Mal wie ein Geschenk, das möchte ich noch lange ausüben", erklärte Ruth Tauchert mit einem Lächeln.

Bereits zum zweiten Mal nach 2013 stellt Tauchert in der Galerie an der Zitadelle aus. "Das ist eine tolle Galerie hier und wir haben eine super Zusammenarbeit", führte die Bonnerin aus, deren künstlerischer Weg mit dem Studium der Bildhauerei und der Ausbildung zur Goldschmiedin begann.

So fanden sich in der Galerie auch einige kleine Bronzestatuetten, die während eines Ausstellungsprojektes des Ägyptischen Museums der Universität Bonn neben originalen altägyptischen Artefakten präsentiert wurden. "Ägyptische Kunst ist hart und sehr statisch", so Tauchert. Mit ihren lebendigeren aber stilgleichen Figuren wollte sie einen zeitgenössischen Kontrast zur pharaonischen Epoche setzen.

Ganz im Sinne von "New(/)Paper" fanden ebenfalls überraschend schwere Skulpturen aus Wachs und Papier ihren Weg in die Ausstellung . Auch deren Motive waren antiken Ursprungs, so wie viele von Ruth Taucherts ausgestellten Werken in der Galerie. Allerdings pflegt die Kunstzeichnerin die Ikonen verschiedener Kulturkreise miteinander zu vertauschen oder gleichzusetzen. So kann es in Taucherts Werken passieren, dass die ägyptische Göttin Isis und die christliche Maria personenidentisch sind, immerhin waren sie beide Gottesgebärerinnen.

Eine christlich-mythologische Fusion, die seit fast 2000 Jahren in theologisch-akademischen Kreisen für Unruhe sorgt. Papier in Künstlerhänden verzeiht nicht nur keine Fehler, es ist auch geduldig. Die Austellung "New(/)Paper" in der Galerie an der Zitadelle läuft bis zum 1. Juni 2019.

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