Rurtalbahn fährt nun im Dürener Nordkreis komplett digital

Erster Test „auf Sicht“ : Rurtalbahn fährt nun komplett digital von Jülich nach Linnich

Die Rurtalbahn hat an nur einem Wochenende ihr Streckennetz zwischen Düren und Linnich im Nordkreis digitalisiert mit drei neuen Stellwerken und neuer Signaltechnik sowie sechs neuen Bahnübergängen.

Am Sonntag stimmte die Landesbahnaufsicht der Wiederinbetriebnahme der seit Freitagabend gesperrten Strecke nach umfangreichen Tests zu. Der Fahrbetrieb startete am Montag nach Plan.

Um 4.29 Uhr am Montag war die Welt bei der Rurtalbahn wieder vollends in Ordnung. Mit dem ersten Zug, der sich von Linnich nach Jülich laut Fahrplan in Bewegung setzte, war ein echter Kraftakt am Wochenende gemeistert. Denn damit stand fest, dass die umfangreichen Arbeiten an, auf und neben den Gleisen erfolgreich erledigt worden sind und die Betriebserlaubnis der Bahnaufsicht erteilt worden ist. Das regionale Verkehrsunternehmen hat nicht weniger als knapp die Hälfte seiner Strecke – den sogenannten Nordast – digitalisiert. Drei neue Stellwerke (Krauthausen, Jülich, Linnich), sechs neue Bahnübergänge, zum Teil neue Gleise und komplett neue Signaltechnik sind nun im Einsatz.

Die Fahrgäste mussten von Freitag- bis Sonntagabend auf Busse umsteigen, weil die Strecke gesperrt war. Der Schienenersatzverkehr ist laut Christoph Göddecke, Geschäftsbereichsleiter Planung der Rurtalbahn, weitgehend gut vonstatten gegangen. Die Busse konnten nicht immer pünktlich sein, weil auf der Bundesstraße 56 von Huchem-Stammeln nach Jülich durch die Arbeiten an den Radwegen aktuell ein Tempolimit von 50 km/h gilt.

Der sportliche Zeitplan der Arbeiten beinhaltete einen kleinen Puffer, der auch nötig war. Denn alles lässt sich nicht planen oder vorhersehen. Und so war am Samstagmorgen klar, dass für die Gleise im Bahnhof Krauthausen Ersatzteile nötig waren und noch bis zum selben Abend geliefert werden mussten, was zum Glück geklappt hat. Dort hat die Rurtalbahn die Strecke so ausgebaut, dass hier die Begegnung längerer Züge möglich ist. Das ging zuvor nur in Jülich. Durch diese neue Option und die Digitalisierungsoffensive gewinnt der Schienenverkehr Zeit. Nicht viel, aber immerhin so viel, dass im Jülicher Norden nun ein neuer Haltepunkt (An den Aspen) errichtet werden kann, der auch in den Fahrplan passt.

Christoph Göddecke, Geschäftsbereichsleiter Planung, sitzt am „Gehirn“ der Rurtalbahn: Seit Sonntag kann erstmals das komplette Nord-Schienennetz der Rurtalbahn digital angezeigt und mit der Computermaus gesteuert werden. Foto: Volker Uerlings

Nach dem Ende der Arbeiten am Sonntagnachmittag wechselte die Stimmung im „Gehirn“ der Rurtalbahn in Düren, der Zugleitstelle, zwischen Spannung und Optimismus. Der Abnahmeprüfer, dem eine Fachfrau von der Landes-Eisenbahnaufsicht zur Seite saß, war nun gefragt. Die Funktionstüchtigkeit der neuen Stellwerke und der neuen Signaltechnik musste sich in der Realität beweisen. „Er testet jeden Schaltfall, und das sind ganz schön viele geworden“, erklärt Göddecke. Jede Fahrbeziehung auf den Gleisen muss geprüft werden, also auch auf Nebengleisen wie zur Zuckerfabrik Jülich, die regelmäßig vom Güterverkehr angefahren wird.

Krönender Abschluss war der Probelauf von Jülich nach Linnich, der bei einem solchen Eingriff in die Technik nach einem genau geregelten Verfahren stattzufinden hat. Der Zugführer muss diese erste Tour „auf Sicht“ fahren – bei gemäßigtem Tempo von 25 bis 40 km/h. Im Bahnhof Linnich war dann klar: „Die Technik läuft, die Hardware funktioniert“, wie es Christoph Göddecke formulierte. Der Rückfahrt in normalem Tempo (etwa 80 km/h) stand nichts im Weg. Am Sonntagabend stimmten die Aufsichtsbehörden der (Wieder-)Inbetriebnahme zu.

„Es ist natürlich sehr erfreulich, dass unsere jahrelangen Überlegungen zum Erfolg geführt haben“, zieht Christoph Göddecke Bilanz. Jetzt ist vieles besser. Die Zugleitstelle in Düren bekommt durch die neue Technik ein vollständiges Abbild des Nord-Gleisnetzes angezeigt. Stellwerke (und Gleise) kommunizieren mit den Zügen. Auf den Bildschirmen wird sichtbar, was auf jedem Meter der Strecke passiert. Bislang war das nur beim Bahnhof Huchem-Stammeln der Fall, davor und dahinter musste der Zugleiter alle Bewegungen manuell eingeben. Die Signalleuchten wurden ans digitale Datennetz angeschlossen und auf energiesparende LED-Technik umgestellt.

Früher war dafür ein ganzes Haus notwendig, jetzt reicht die zwei Meter breite graue Box, in der sich das neue Stellwerk des Bahnhofs Jülich befindet. Foto: Volker Uerlings

Bei der Testfahrt nach Linnich passierten die Techniker und Verantwortlichen die Baustelle des Haltepunkts „An den Aspen“, der eine Länge von 85 Metern (statt 55 m) haben wird. Damit trägt die Rurtalbahn einer Entwicklung Rechnung, die vielleicht kommt: nämlich der Erweiterung der Strecke von Linnich nach Baal. Dann sind längere Züge nötig – und längere Bahnsteige. Alles in allem wurden jetzt acht Millionen Euro investiert.

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