Rurtalbahn baut Ende des Jahres Fahrgastinformationen aus

Bis Ende des Jahres : Rurtalbahn will Fahrgast-Infos auf Bahnsteigen einführen

Fahrgastinformationen direkt am Bahnsteig? Die sind bei der Rurtalbahn nicht vorgesehen. Bisher jedenfalls nicht. Eine Kunde der Bahn hat sich deswegen beschwert, weil auch die Rurtalbahn eine entsprechende EU-Richtlinie umsetzen muss. Das soll Ende des Jahres nun erfolgen.

Es ist schon ein paar Monate her, da stand Marc Giesen um 7.13 Uhr in Jülich auf dem Bahnhof und wartete. Er wartete etwas länger, sein Zug nach Düren kam nicht. Sein Ziel, Köln-Ehrenfeld, erreichte er an diesem Morgen deutlich später als geplant.

„Die Rurtalbahn erbringt grundsätzlich eine wirklich gute Beförderungsleistung. Unter den Linien im Rheinland zählt sie zu den pünktlichsten“, sagt der Jülicher, der regelmäßig gen Köln pendelt. Geärgert hat er sich trotzdem – und beschwert. „Weder erfolgte eine Durchsage, noch gibt es bei der Rurtalbahn eine grafische Information. Und laut AVV-App war der Zug pünktlich“, war im Beschwerdebrief an den Aachener Verkehrsverbund nachzulesen.

Für die Verspätung hat sich die Rurtalbahn bei unserem Leser entschuldigt. Eine Weichenstörung hatte zu der Verspätung geführt, die Information dazu habe man sowohl auf der Homepage wie auch auf der Facebook-Seite des Unternehmens kommuniziert.

Information genügt nicht

Das allerdings ärgerte Marc Giesen noch mehr. Immerhin sind nach einer EU-Verordnung Unternehmen wie die Rurtalbahn verpflichtet, ihre Kunden vor Ort über Verspätungen zu informieren. Von einer „aktiven Informationsübertragung, sobald es zu Verspätungen kommt“, spricht in dem Fall auch das Ministerium für Verkehr des Landes NRW. Und: „Eine lediglich passive, auf Anfrage des Fahrgastes hin erteilte Information genügt den EU-rechtlichen Anforderungen nicht.“

Und so kommt auch das NRW-Verkehrsministerium im Fall der Zugverspätung bei der Rurtalbahn zu der Erkenntnis, dass „eine Unvereinbarkeit der erfolgten Fahrgastinformation seitens der Rurtalbahn“ mit den entsprechenden EU-Verordnungen vorliegt. Und weil das Ministerium auch Aufsichtsbehörde ist, hat sie die Rurtalbahn auf dem Missstand hingewiesen und auf eine „schnellstmögliche Behebung“ gehofft. Das war im Oktober 2018.

Ende März hat die Rurtalbahn in Jülich den neuen Haltepunkt „An den Aspen“ im Nordviertel in Betrieb genommen. Rund 450.000 Euro hat die Nahverkehr Rheinland in den Ausbau gesteckt. „Dieser Haltepunkt ist ein Signal des Aufbruchs“, hatte bei der Inbetriebnahme Landrat Wolfgang Spelthahn, Aufsichtsratsvorsitzender der Rurtalbahn, betont.

Ein Signal für Fahrgastinformationen gibt es hingegen weiter nicht. Daraus kann man allerdings noch nicht ableiten, dass die Rurtalbahn untätig geblieben ist, wie Herbert Häner, einer der Geschäftsführer des Unternehmens, betont.

„Um unsere Fahrgäste zeitnah mit den entsprechenden Informationen zu versorgen, mussten wir erst die Datengrundlagen dafür schaffen. Schließlich muss von jedem Zug, der eine Verspätung hat, eine entsprechende Meldung kommen und verarbeitet werden. Allein diese technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, hat uns ein Jahr Zeit gekostet. Die entsprechende Plattform steht und kann inzwischen auch online auf unserer Homepage abgerufen werden.“

Schritt zwei folgt

Für Schritt zwei, die Kunden eben nicht nur online und via App zu informieren, sondern vor Ort auf dem Bahnsteig, sind nun weitere Maßnahmen notwendig. „Wir müssen an jedem Bahnsteig die entsprechende EDV-Infrastruktur schaffen. Das kostet rund eine Million Euro. Aktuell sind wir dabei, die entsprechenden Förderanträge zu stellen. Wir hoffen, dass wir noch in diesem Jahr mit der Umsetzung der Maßnahmen anfangen können“, sagt Häner.

Gibt es eine Förderung, blieben immerhin noch rund 100.000 Euro an Kosten bei der Rurtalbahn. Auch das ist mit ein Grund, warum am neuen Bahnsteig in Jülich das vorhandene System noch nicht genutzt wird. Häner: „Es macht schlicht keinen Sinn jetzt für einen Bahnsteig entsprechende Anzeigetafeln zu ordern, wenn wir dann später bei einer Gesamtausschreibung auf andere Systeme zurückgreifen.“

So lange muss sich auch unser Leser noch gedulden. Inzwischen kann er aber vor dem Gang zum Bahnhof online in Echtzeit sehen, ob sein Zug Verspätung hat. Die ist dann bei der Rurtalbahn allerdings doch eher die Ausnahme.

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