10. Sommer Special im Brückenkopfpark: Rund 100 Tänzer nehmen am Square-Dance-Event teil

10. Sommer Special im Brückenkopfpark : Rund 100 Tänzer nehmen am Square-Dance-Event teil

Besucher des Brückenkopfparks bemerkten am vergangenen Samstag vermehrt Damen in Petticaots und Herren in Westernhemden. Grund dafür war das 10. Sommer Special des Jülicher Square-Dance-Vereins Lucky Dukes.

Der Verein ist Mitglied beim EAASDC, der European Association of American Square Dancing Clubs. Gemeinsam mit rund 100 weiteren geladenen Tänzern aus der näheren und weiteren Umgebung traten die Vereinsmitglieder den Beweis an, dass Square Dance eine ebenso spaßige wie komplizierte Betätigung ist. In der Ausgangsposition stehen sich vier Paare im Viereck gegenüber, daher die Bezeichnung „Square“, um anschließend bei musikalischer Untermalung, die Partner wechselnd, die gelernten Tanzschritte zu vollführen.

Unverzichtbares Element ist hierbei der „Caller“, eine Art Zeremonienmeister. Dieser steht auf einer Bühne und hat das Geschehen auf der Tanzfläche im Blick. Seine Aufgabe ist es, den Tänzern die Tanzschritte anzusagen und dafür zu sorgen, dass die Choreographie nicht zusammenbricht.

„Wir tanzen heute ‚Mainstream-Level’, das heißt die Tänzer müssen 70 Schritte beherrschen und deren Calls kennen“, erklärte „President“ Dr. Klaus Göcking, der Vorsitzende des Vereins. Bei höheren Levels fließen noch bis zu 40 weitere Schritte in die Tänze mit ein. Die Tänzer müssen folglich die einzelnen Schritte kennen und während des Tanzes auf die Worte des Callers hören, um dessen Anweisungen folgen zu können. „Die Tänzer in unserem Verein haben eine neunmonatige Ausbildung hinter sich, Training ist unverzichtbar“, sagte Göcking.

Der frühere Standardtänzer ist vor allem vom sozialen Gehalt des Square Dance überzeugt. „Das hat keinen Turnier- oder Wettbewerbscharakter. Es ist außerdem ein Freizeitvergnügen, das auch ältere Menschen ausführen können. Unsere ältestes Vereinsmitglied ist 84 Jahre alt“, erklärte der Vorsitzende und deutete auf eine gutgelaunte Dame auf der Tanzfläche, die sich gerade bei einem neuen Tanzpartner unterhakte.

Square Dance entstand während der Gründungszeit der Amerikanischen Staaten und der Besiedlung des sogenannten Wilden Westens. Die Einwanderer der verschiedenen europäischen Länder versuchten, ihre jeweiligen Volkstänze miteinander zu kombinieren, woraus im Laufe der Zeit der Square Dance in seiner heutigen Erscheinungsform hervortrat und selbst zum amerikanischen Volkstanz wurde. Elemente europäischer Volkstänze wie der französischen Quadrille oder des italienischen Moresca sind heute noch erkennbar.

In Deutschland ist dieser Tanz spätestens seit dem Ende des 2. Weltkrieges bekannt, als die hier stationierten Soldaten Teile der Bevölkerung damit vertraut machten. „Die Soldaten sind inzwischen Weg, aber der Square Dance ist geblieben“, sagt Caller Phillipp Kamm, während er den Tänzern eine Pause gönnte. Kamm ist seit jungen Jahren im Square Dance aktiv und heute ein international renommierter Caller. Den Square Dancern erteilte er die Tanzanweisungen stilecht auf Englisch mit Südstaatenakzent und sorgte dafür, dass „keiner aus der Reihe tanzt“. Falls doch mal Chaos auf der Tanzfläche auszubrechen drohte, schickte er die orientierungslosen Tänzer mit dem Call „Line“ auf ihre Ausgangsposition zurück und der Tanz begann aufs Neue. „Wichtig ist, dass der Body-Flow stimmt, die Bewegungen müssen fließen im Rhythmus. Und die Freude am Tanz darf natürlich nicht zu kurz kommen“, so Kamm.

Trotz hin und wieder aufgekommener kleiner Störungen im Body-Flow, die Caller Kamm allerdings schnell wieder unter Kontrolle bekam, war den Lucky Dukes und ihren Gästen der Spaß bei ihrem Sommer Special deutlich anzusehen.

(jad)