Jülich: Rüben haben den Frost überstanden

Jülich: Rüben haben den Frost überstanden

Sie heißen „Lukas”, „Beretta”, „Adrianna” oder „Nauta” Auf diese bunten etwa fünf Millimeter großen Pillen setzen in diesem Jahr die meisten Ackerbauern in der Jülicher Börde.

„Lukas” ist eine „richtig süße” Rübe, erläutern Dr. Willi Kremer-Schillings, Leiter der Landwirtschaftlichen Abteilung der Zuckerfabrik Jülich, und Andreas Gehlen. Die Sorten der Saatguthersteller können an der Farbe unterschieden werden. „Lukas” ist blau, die Farbe der Strube GmbH&Co. KG, Söllingen bei Helmstedt. Orange ist die Farbe des niedersächsischen Branchenriesen KWS („Adrianna”, „Beretta), grün „(Nauta”) sind die Pillen des Konkurrenten Syngenta, einem Schweizer Agro-Multi. Rund 100.000 Pillen reichen für einen einen Hektar, zehn Pillen erbringen etwa ein Kilogramm Zucker. Die winzigen und unregelmäßig geformten Samen sind mit einer Pillen-förmigen Schutzschicht überzogen, auf die Insektizide zum Schutz gegen Schädlinge sowie Fungizide zur Pilz-Bekämpfung angelagert werden. Dank der Einheitsgröße können die Einzelkorn-Sämaschinen sie exakt platzieren, die Pflanzen machen sich dann nicht Licht und Nährstoffe streitig. In etwa 180 Tagen haben sie das Endgewicht von 1000 bis 1300 Gramm erreicht.

„Die Rüben stehen alle in der Reihe”. Am 3. April war die Aussaat „durch”, sagt Kremer-Schillings, genannt „KS”. Das Wetter während der Aussaat war nahezu ideal - wie 2011, als eine Rekordernte eingebracht worden war. Vorsommerliche Temperaturen mit zum Teil über 20 Grad hatten den Boden relativ schnell erwärmt, die Bodenfeuchte war zum Wachstum ausreichend, auch wenn es auf Feldwegen damals sogar staubte. Eine frühe Aussaat hat den Vorteil, dass die Rüben mehr Zeit bis zur Ernte im Herbst haben. Unbeschadet ist die Rübe durch die Spätfrostperiode gekommen. Als es frostig wurde, „war das Gros noch unter der Erde”, so Gehlen. Stellenweise waren es minus vier Grad - „auch das hat sie überstanden”, sagt KS. Denn das Keimblatt, das durch eine etwa zwei Zentimeter dicke Bodenschickt stoßen muss, ist „sehr robost”.

Die Anbaufläche im Bereich der Jülicher Zuckerfabrik ist „nur minimal zurückgegangen”. Gut 1600 Landwirte haben auf 213.000 Hektar Zuckerrüben ausgesät. Die süße Knolle bleibe, so KS, das „Rückgrat des rheinischen Ackerbaubetriebs” und könne sich gegenüber den Konkurrenten Raps, dessen Blüte gerade eingesetzt hat, und Weizen behaupten. Auch im laufenden Jahr erhalten die Rübenbauern einen höheren Erlös, der werde, so KS, auch „dringend gebraucht”. Für Quotenrüben, deren Basispreis von der EU auf rund 26 Euro festgezurrt ist, zahlt Pfeifer&Langen netto gut 41 Euro.

Jetzt setzen Kremer-Schillings und Gehlen auf einen „hoffentlich schönen Mai”, bei den derzeit noch kühlen April-Temperaturen wächst die Rübe „sehr langsam”.

Nach der Rekordmenge von 1,9 Millionen Tonnen, die im Vorjahr verarbeitet worden war, hat die Zuckerfabrik einen zusätzlichen Kochapparat installiert. Daher kann das Zwischenprodukt, das in den Dicksafttanks gelagert wird, schneller zu Kristallzucker weiterverarbeitet werden und in den Weißzuckersilos gebunkert werden. So kann die Fabrik, so KS, „volle Lotte durcharbeiten.

Ackerbauern decken Speisetisch für Honigbienen: 1000 Samenbeutel sind verteilt

„Die Vielfalt an Insekten und Wildtieren” in der Kulturlandschaft” erhalten will die rheinische Landwirtschaft - mit der Saatgutmischung „Rheinische Bienenweide”.

Rund 1000 sind in den drei rheinischen Zuckerfabriken von Pfeifer &Langen kostenlos verteilt worden. Der Ein-Kilo-Beutel enthält die Samen von einjährigen Blühpflanzen. Der Inhalt reicht für rund 1000 Quadratmeter.Die Landwirte können damit etwa Feldecken, die mit Maschinen nur schwer bearbeitet werden können, einsäen - allerdings erst nach den Eisheiligen, also in der zweiten Maihälfte. Willi Kremer-Schillings: „Mehr Farbe im Feld mit geringem Aufwand” - das dürfte auch Spaziergängern gefallen. Die Saatgutmischung enthält „für die Folgebewirtschaftung unproblematische Arten”. Darunter ist die Phacelia, ein violett blühender Exot.

Mit dem Buchweizen ist eine bewährte Bienentrachtpflanze vertreten. Ein Gründünger ist der Gelbsenf, der wie Ölrettich für den Zwischenfruchtbau genutzt wird. Im Beutel ist zudem die Ringelblume, die als Hausmittel zur Wundheilung geschätzt wird. Samen gibt es auch von der Serradella, einer Futterpflanze, von Borretsch, als Gewürz nutzbar, und von der Sonnenblume.