Jülich: Robert Gray beschert dem Publikum ein eindringliches Konzerterlebnis

Jülich : Robert Gray beschert dem Publikum ein eindringliches Konzerterlebnis

Schlaksig steht der Mann auf dem Podest der Jülicher Christuskirche, fast zerbrechlich, während seine langen Finger offene Akkorde und glitzernde Solo-Läufe aus seiner Gitarre hervorzaubern.

Sein gesamtes Innenleben scheint der Engländer bei der von Virginia Lisken initiierten Reihe „Kirchenklang“ seinem 60-köpfigen Publikum auszubreiten, und das weiß dies zu schätzen und bedankt sich mit reichlich Applaus und der Forderung nach drei Zugaben.

Auch wenn sein Nachname, „Gray“, die Farbe des Nebels und des Regens, das Grau des Alltags und der ständigen Wiederholung heraufbeschwört, bringen seine Lieder jedoch die mannigfaltigen Farben der Welt in die Christuskirche, die das Leben so einzigartig machen. Nur zu leicht nimmt man ihm die Songs ab, die immer wieder an die großen seiner Zunft wie Richard Thompson, Bert Jansch und Nick Drake erinnern, als in Klangbilder gemalte Spiegelbilder seiner Seele, dass er extra darauf hinweist, dass nicht alles autobiographisch gemeint ist.

Dabei sind es gerade auch die äußerst persönlichen tonalen Oden, die an Eindringlichkeit kaum zu überbieten sind. So, als er „Kings and Bishops“ anstimmte, das er schrieb, als eine schwere Operation an seiner zweijährigen Tochter anstand. Oder die offenbar wunderbare Beziehung zu seiner Frau Steffi, die gleich in drei Duetten auf offener Bühne mündeten, wobei sich fast die Frage ergab, ob man als Außenstehender einem so intimen Moment überhaupt beiwohnen dürfe.

Dennoch bewies Robert Gray immer wieder, dass er sich nicht als reiner Privatmensch ansieht, der sich völlig vom Weltgeschehen um ihn herum abschottet. Im Gegenteil: Mit dem Song „The Gettings of the Sun“ pries er die Hoffnung auf eine Zeit nach Donald Trump, während „Beneath the Waterline“ das Kentern einer ganzen Nation im Zeichen des Brexits erzählte. Auch seine Cover-Songs rührten geschickt in der Palette des Storytellers.

Versetzte das Lennon-McCartney-Stück „Strawberry Fields forever“ mit den herrlich auf Gitarre umgesetzten Akkordprogressionen ihn und wohl auch viele Zuhörer in die eigene Jugendzeit zurück, symbolisiert das Lieblingslied seiner Tochter, „Over the Rainbow“, ein wenig so etwas wie das Motto des Konzerts: den Lichtblick nach dem Unwetter, die Hoffnung nach der Katastrophe als Wieder-Kehr-Reim. Passend auch für das Thema „Kirchenklang“.

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