Lich-Steinstraß: Rheinisches Schuldbekenntnis: „Wenn ich krabitzig, nixnötzich un frackig ben“

Lich-Steinstraß : Rheinisches Schuldbekenntnis: „Wenn ich krabitzig, nixnötzich un frackig ben“

„Jeht ett öch joht?“, wird man in der anstehenden Session häufig zu hören bekommen, wenn Karnevalisten ihre Gäste in Sälen und Zelten begrüßen. Weniger oft wird der heitere Gruß an Orten erklingen, wie am ersten Sonntag des neuen Jahres bei der Veranstaltung der KG „Maiblömche“ geschehen.

Die Jecken aus Lich-Steinstraß hatten zum „Gottesdienst in kölscher Sproch“ in die Kirche St. Andreas und Mathias eingeladen, in der Pfarrer Helmut Macherey seine Schäflein emol em Johr gerne auf diese Weise in die Liturgie mitnimmt. Unterstützung erhielt er dabei von Propst Josef Wolff.

Nicht unklug hatte Pfarrer Macherey zum Beginn auf die Sternsingeraktion und die von der katholischen Hilfsorganisation missio im Januar organisierte Kollekte für Afrika hingewiesen: „Wer noch nix jejovve hätt ... Der weeß Bescheed.“

Über die Sternsinger und die Heiligen Drei Könige führte die Ansprache zur Begrüßung des Dreigestirns Prinz Randy (Hoppe), Bauer Markus (Ingermann) und Jungfrau Volkina (Volker Eßer) sowie deren Prinzenführer Lothar (Worms), Präsident Mike Schmitz, des ganzen dazugehörigen Komitees und der „Lück, die sünns nit esu off he sinn“. Einen kleinen Seitenhieb in deren Richtung konnte sich der Pfarrer mit dem Hinweis — „Hück komme die Lück nur noch en de Kerch, wenn ett Events jitt“ — nicht verkneifen.

Der Gottesdienst verlor durch die Umsetzung der Lieder und Texte ins Kölsche kein bisschen an Würde. Ganz im Gegenteil lauschten die Kirchgänger besonders aufmerksam, um den Sinn der liturgisch ungewöhnlichen Sprache zu verstehen. Wer sich im Kölschen auskennt, der weiß, dass man es nicht Wort für Wort übersetzen darf, wenn im Schuldbekenntnis davon die Rede ist, dass „ich krabitzig, nixnötzich un frackig ben, ich mich explizieere unn fetze dunn, mänchmol e richtig Bies ben“. Wer wie der Kölsche sein will, taucht in dessen rheinische Mentalität ein und findet sich in einer Atmosphäre wieder, in der das alles nicht so dramatisch ist, weil der „Härjott jeden wedder opnimmp“. Man muss es einfach nur wollen. So wie im Lied „Echte Fröngde“ besungen, soll es laut Pfarrer Macherey sein, dann geht alles etwas leichter.

Dass der Glaube auch im Karneval einen festen Platz hat, zeigte er mit einem Hinweis auf die „Bläck Fööss“, die davon singen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Da es beim ungewöhnlichen Gottesdienst in Lich-Steinstraß jedoch noch nicht so weit war, sang die Kirchengemeinde vereint mit den Jecken zum Abschluss das Lied „Heimweh noh Lich-Steenstraß“. Die „Maiblömche“ dankten besonders den Menschen, für die es christliche Überzeugung und eine Herzensangelegenheit war, mit den Karnevalisten Eucharistie zu feiern.

(jago)