Jülich: Reste der Bastion Eleonore schlummern neben dem Neuen Rathaus

Jülich: Reste der Bastion Eleonore schlummern neben dem Neuen Rathaus

Wie sie sehen, sehen Sie nichts. So müsste ein Stadtführer die Bastion Eleonore auf einem Rundgang vorbei an den historischen Gebäuden der Stadt Jülich ankündigen — wenn es einen solchen Rundgang gäbe. Die Bastion Eleonore ist der von Bäumen bewachsene Hügel neben dem Neuen Rathaus.

Verschüttet und überwachsen befinden sich dort die Überreste des ehemaligen südöstlichen Schwerpunks der Jülicher Stadtbefestigung, wie der italienische Architekt Alessandro Pasqualini sie im 16. Jahrhundert hatte anlegen lassen. Eine Untersuchung der Stadt vor einigen Jahren hat ergeben, dass Teile des Gangsystems noch erhalten sind.

Ursprünglich war die Bastion größer als die Reste heute vermuten lassen, 50 mal 50 Meter dürften die Ausmaße gewesen sein. Der Befestigungsbau ragte damit über die heutige Kreuzung der Großen Rurstaße mit der Poststraße hinaus. „Die Große Rurstraße ist in den 50er Jahren als Bundesstraße deutlich verbreitert worden“, sagt der Jülicher Historiker Guido von Büren. „Da sind Teile der Bastion abgetragen worden.“

Die vier einstigen Bastionen St. Jakob neben dem Schwimmbad, St. Sebastian im Bereich der heutigen Schützenstraße, St. Franziskus an der heutigen T-Kreuzung Schützenstraße und Schirmerstraße und Eleonore bildeten mit der Zitadelle ein mächtiges Fünfeck.

„Die Bastionsnamen stammen nicht aus der Bauzeit, sondern sind um 1700 aufgekommen“, erklärt von Büren. Sie befanden sich an den Eckpunkten des Stadtwalls. „Von hier aus hätten die Verteidiger in das Vorfeld der Befestigung schießen können“, führt von Büren weiter aus. Im Rücken von Eleonore befinden sich übrigens Reste des Stadtgrabens, der die Befestigung von außen erhöhte.

„Befestigungen wie die in Jülich sind im 16. Jahrhundert im Einflussbereich der Habsburger mehrere entstanden“, spricht von Büren über die Bastionen und den mächtigen Wall. „Was Jülich von allen anderen abhebt ist die Größe der Zitadelle. Hier schlägt das Staatsverständnis von Wilhelm V. durch“, spricht der Historiker von einer Machtdemonstration des Bauherrn, der im Volksmund bis heute der „Reiche“ genannt wird.

Mit der Zitadelle baute er Jülich nicht nur zu einer mächtigen Festung, sondern auch zu einem repräsentativen Herrschersitz aus.