Jülich: "Red Dog Theater": Zwei Frauen und ein komplettes Märchen

Jülich : "Red Dog Theater": Zwei Frauen und ein komplettes Märchen

Beim zweiten Teil der Kindertheaterreihe, die anlässlich des Kinderkultursommers vom Kulturbüro der Stadt ausgerichtet wird, hat das „Red Dog Theater“ mit dem Märchenstück „Vom Fischer und seiner Frau“ auf der Bühne gestanden. Hierbei war das Theaterduo zum ersten Mal in Jülich zu sehen.

Wie üblich saßen die Kinder, die das Stück besuchten, direkt vor der Bühne. Rachel Pattinson, die bei der Theateraufführung den Fischer Hans verkörperte, und Stefanie Rüffer, sie spielte des Fischers Frau Ilsebill, standen zu Anfang noch als Marktfrauen auf der Bühne.

Mit dem Verkauf ihrer Ware wie Heilbutt oder Forelle hatten sie leider kein Glück. Näherte sich ein potenzieller Kunde, erfragte sich dieser stets nur den Weg zum Steg.

Auch als die Marktfrauen mit den blauen Fischkörben durch die Reihen der Zuschauer liefen und imaginären Fisch anboten, lehnten die Kinder weitestgehend schnell ab.

„Alle wollen immer nur zum Steg“, schimpfte Rüffer in ihrer Rolle nach einem weiteren Touristen und weiter: „Sie nennen ihn mittlerweile sogar Steg der Wünsche.“

Der letzte Fischer

Doch der Steg hat seine Geschichte. Einst, so erzählten die Marktfrauen, habe es im Dorf reges Treiben und zahlreiche Fischer gegeben — bis der Fisch im Meer immer weniger wurde. „Schließlich gab es nur noch einen Fischer“, schilderte eine der Marktfrauen. Trotz eines kaputten Netzes und Bootes sei er jeden Tag fischen gegangen.

Da der Fischer Hans einem Fisch nach dem Fang das Leben geschenkt hatte, musste dieser ihm nun jeden Wunsch erfüllen. Dies wusste seine Frau Ilsebill für sich zu nutzen. Nach der Linderung wirklicher Not — das Dach des Hauses hatte jetzt beispielsweise keine Löcher mehr — steigerte sich Ilsebill in Konsumsucht und wohnte, nach einigen Besuchern des Fischers bei dem Fisch Butt, mittlerweile in einem steinernen Schloss.

Mit überheblichen Gesichtsausdruck stolzierte die Ilsebill über die Bühne. „Wenn der König um Mitternacht eine Kokosnuss aus Madagaskar will, dann wird sie ihm von einem Orang-Utan gebracht“, sagte die Frau zu dem Fischer, der, derselbe wie zuvor, fassungslos danebenstand. Dabei spielte Rachel Pattinson den Fischer mittels einer Handpuppe, die, bestehend aus Kopf und Oberkörper, durch die Männerhose und Schuhe der Schauspielerin komplettiert wurde. Der Frau kommt folgende Idee: Warum Königin und nicht gleich Kaiserin?

Je extremer die Wünsche der Ilsebill wurden, desto schlimmer stand es um das Meer. Mittlerweile, so beschrieb der Fischer,s ei es gelb und es stiegen Blasen auf. „Sie will… sie will Kaiserin sein“, sagte der Fischer. An der Stimme war deutlich zu erkennen, dass der Fischer die Wünsche seiner Frau eigentlich nicht mehr weitergeben wollte.

Schauspielerin Rüffer, für die Meerszenen schnell in die Rolle des Fisches geschlüpft, hielt einen Eimer vor sich und zog ihren Mund in die breite. Schielend und im Sinne des Seegangs hin und her wankend sagte sie: „Geh‘ nur hin. Sie ist es schon.“ Der Mimik des Fisches sorgte dabei immer wieder für Gekicher der Kinder.

„Was? Papst? Nein.“ Dem Fischer reicht es, als seine Frau nun die Repräsentantin Gottes auf Erden sein möchte. Da es bei der Inthronisation regnet, reicht ihr auch das nicht.

Doch mit dem Satz „Ich will Gott sein“ ertönt ein Gong auf der Bühne.

Aufgehoben

„Oh nein, der alte Regenschirm“, bemerkt ein Kind auf der Bühne als Ilsebill den alten, löchrigen Regenschirm öffnet, der schon zu Anfang der Aufführung zu sehen war. Nun ist die Wirkung aller Wünsche wieder vergangen. Die Fischer und seine Frau sind wieder arm.

„Nein Ilse, jetzt habe ich mal eine Idee“, stoppt der Fischer neue Einfälle seiner Frau. Bei vorgehaltenem Regenschirm hört man Kussgeräusche. Ein letztes Mal ein leises „Ih“ von einigen Kindern.

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