Jülich: Radschnellweg gen Jülich und Rurtalbahn-Gleis nach Lindern

Jülich : Radschnellweg gen Jülich und Rurtalbahn-Gleis nach Lindern

Der Stadtmarketingverein Jülich gab beim Neujahrsempfang im großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses wieder einer Persönlichkeit des öffentlichen Lebens die Gelegenheit, bei der Neujahrsrede 30 Minuten ein beliebiges Thema zu behandeln.

Diese Gelegenheit ergriff Landrat Wolfgang Spelthahn offenbar gerne, um über seine Heimatstadt im Speziellen und Visionen zur Entwicklung des Kreises allgemein zu sprechen.

Zunächst berichtete der Landrat über das Kreishaus Nord, wo am Ende rund 120 Mitarbeiter das gesamte Angebot des Kreises Düren für den Norden zur Verfügung stellen. Damit werde gleichzeitig eine „Fehlentwicklung aus dem Jahr 1972 korrigiert“, als im Zuge der Kommunalreform Jülich nicht mehr Kreisstadt war und auch die damit verbundenen Funktionen verlor. Die Vorarbeiten zu dem Projekt seien geleistet und alles im Zeitplan. Für die Umsetzung als Generalunternehmer gebe es zwei Bewerber, die Entscheidung falle am 31. Januar, der erste Spatenstich folge im Frühjahr.

Wolfgang Spelthahn pries „Jülich als die Stadt mit dem größten Potenzial“, doch merkte dazu an: „Das hebt sich nicht von selbst.“ Weiter hat er die Herzogstadt als „Epizentrum des Strukturwandels“ ausgemacht, aber: „Das wird nicht vom Himmel fallen.“ Der Landrat verfolgt hier eine Wachstumsstrategie, um die Region nach vorne zu bringen und den „Wettbewerb um die besten Köpfe zu gewinnen“.

So geht Wolfgang Spelthahn davon aus, dass die Strahlkraft der Metropolen sich umkehren wird, weil dort zu wenig bezahlbarer Wohnraum zu finden ist. So habe er unlängst mit einer Familie gesprochen, die von Köln nach Merzenich gezogen ist und mit der gesparten Kindergartengebühr die Hälfte der monatlichen Belastung für den Hausbau bestreite. „Wir müssen den Menschen ein attraktives Angebot machen“, sagte der Landrat und empfiehlt den Kommunen, ein Rundum-Sorglos-Paket zu schnüren und in Bildungsangebote und Kinderbetreuung zu investieren. „Gutes tun und da- rüber sprechen“, lautet die Parole des Landrats, „die Zeit der Bescheidenheit ist vorbei“. So wachse die Einwohnerzahl im Kreis Düren wieder. Spelthahn peilt sogar an, die Einwohnerzahl des Kreises Düren von gut 260.000 auf über 300.000 zu steigern.

Gute Anbindung nach Düsseldorf

Um die Attraktivität des Kreises zu steigern, strebt Spelthahn eine gute Anbindung nach Düsseldorf an. Da zuletzt bei der Rurtalbahn „die Fahrgastzahlen explodiert sind“, setzt er sich für die Verlängerung über Linnich hinaus nach Baal/Lindern an, wo die Bahnlinie Aachen — Düsseldorf verläuft. Kosten laut Spelthahn: rund 16 Millionen Euro. „Dazu gehört Mut“, weiß der Landrat, dass solch ein Infrastrukturprojekt nicht ganz einfach anzuschieben ist. Nach seiner Ansicht wäre solch eine Bahnanbindung auch wichtig für die Perspektiven des Brainergy-Parks auf der Merscher Höhe, für die ja ebenfalls einmal reichlich gut ausgebildete Mitarbeiter benötigt werden.

Dass der Landrat ein Faible für den Fahrradtourismus hat, dürfte schon länger bekannt sein. So berichtete er, dass im Kreishaus zwei Förderbescheide über insgesamt 3,5 Millionen Euro liegen. Das Geld soll verwendet werden, um Radwege Richtung Städteregion auszubauen und den Ruruferradweg zu ertüchtigen. Solche Investitionen in die Infrastruktur sind die eine Sache, doch Spelthahn bemängelte auch in Jülich, dass die Nutzer nicht die Gelegenheit hätten, entlang der Strecke Geld auszugeben. Hier sei Initiative gefragt, um durch entsprechende Angebote die Wertschöpfung anzukurbeln.

Das gilt weniger für eine andere Vision, die den Landrat umtreibt: ein Radschnellweg zwischen Düren und Jülich. Der sei relativ leicht entlang der Trasse der Rurtalbahn zu realisieren, wo ohnehin ein Rettungsweg existiere, wo nur noch kleinere Lücken geschlossen werden müssten.