Kirchberg: Prozession gegen Unwetter, Hagel und Blitz

Kirchberg : Prozession gegen Unwetter, Hagel und Blitz

„Seit 1902 sind an uns die großen Unglücksfälle und die verheerenden Naturkatastrophen, von denen wir in der Region und aus der weiten Welt hören, praktisch vorbeigegangen“, sagte Pfarrer i. R. Dr. Peter Jöcken zu den Wallfahrtspilgern am „Donatushäuschen“ in Kirchberg. Vor der Prozession feierten die Gläubigen mit dem Kaplan einen Gottesdienst in der St. Martinus-Kirche.

In Anlehnung an das Evangelium nach Markus sprach Pfarrer Jöcken von Jesus als „echten Menschenkenner, der tief in die Herzen seiner Jünger hineinschaue“ und diese in ihrer hektischen apostolischen Aufgabe auch einmal „zur Ruhe bringen wolle“. Ebenso wie den Aposteln von damals droht den Menschen von heute die Gefahr, sich selbst in der Unruhe und Hektik ihrer Arbeit zu verlieren. „Suchen sie die Ruhe zum Nachdenken und auch zum Gebet, gönnen sie sich Auszeiten im Alltag, damit ihre Worte und Taten aus der inneren Kraft erwachsen“, erläuterte der Priester.

Die christliche Existenz beinhaltet Vita contemplativa (in Betrachtung versunkenes Leben) und Vita activa (tätiges Leben), beides ist wichtig, doch „alles zur rechten Zeit“.

Genauso zur richtigen Zeit und im richtigen Maß benötigen Mensch und Erde den Regen und die Sonne. In der christlichen Tradition, in Deutschland besonders in der Gegend um Köln sowie in der Eifel, wird der Wetterheilige Donatus als Patron gegen Unwetter, Blitzschlag, Hagel und Feuersbrunst verehrt. Indirekt fällt auch ein guter Ernteertrag in seine Zuständigkeit.

Historie und Legende

Als Christ und römischer Heerführer nahm Donatus im Jahre 166 an einer Schlacht gegen die Germanen teil. In hoffnungsloser Umzingelung und dem Verdursten nahe betete der gläubige Legionär um Regen. Ein schweres Gewitter zog auf und erfrischte die Römer, wobei das feindliche Lager von Blitzen zerstört wurde.

Die missliche Lage der römischen Legionen und das rettende „Regenwunder“ entsprechen den historischen Fakten. Der Heiligenlegende nach gelobte Donatus die Ehelosigkeit aus Dankbarkeit für das Gotteswunder. Kaiser Marc Aurel beförderte ihn zum Oberst seiner Leibwache und bot zudem die Hand seiner Enkelin Alexandra an. Donatus jedoch blieb seinem Schwur treu und lehnte die Heirat ab. Als „Verächter der Götter“ verdiente er damit die Todesstrafe und wurde in den Katakomben der heiligen Agnes in Rom bestattet.

Ein weiteres Wunder leitete die große Verehrung des Märtyrers Donatus ein. 1652 sollten die Gebeine des Heiligen als Schenkung des Papstes über Euskirchen nach Münstereifel in die Jesuitenkirche überführt werden. Bei einer feierlichen Messe in der St. Martinus-Kirche zu Euskirchen schlug ein Blitz ein und setzte den Altar und den Jesuitenpriester in Flammen. In seiner Not bat der Pater den heiligen Donatus um Hilfe, und sogleich von seinen Schmerzen erlöst reiste er mit den Reliquien weiter in die Eifel.

Auf wundersame Weise überlebt

Vor 116 Jahren richteten ein orkanartiger Sturm und ein schweres Unwetter große Schäden in Kirchberg an. In einem zertrümmerten Raum der Papierfabrik starben zwei Menschen, während ein dort befindliches Kind auf wundersame Weise überlebte. Noch im selben Jahr wurde am Rande der Ortschaft eine kleine Donatuskapelle errichtet und die erste Prozession zu dieser Stätte abgehalten, um Schutz vor den Naturgewalten zu erbitten.

„Man kann es glauben oder nicht, aber ich denke, da ist schon was dran, wenn wir seit 1902 immer wieder hier wallfahren und den heiligen Donatus verehren“, sagte Pfarrer Jöcken. Er bedachte, dass den „anderen Menschen die Unwetter viel schlimmer zugesetzt haben, sogar im benachbarten Bourheim“. „Ich glaube, da hat sicher unser Wetterheiliger seine schützende Hand im Spiel gehabt“, betonte der Priester und bedankte sich bei den zahlreichen Gläubigen für die Teilnahme an der Prozession und ihr standhaftes Festhalten an der langen Tradition. Das pittoreske „Kapellchen“, wie es gerne von Kirchbergs Bewohnern genannt wird, betreuen seit „einer Ewigkeit“ ehrenamtlich Johann Ernst und Fried Esser.

(Marzena Vomberg)
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